Facebook kennt Nutzer besser als Familienangehörige

Eine Analyse der Facebook-Likes ergibt, dass Computer bei der psychologischen Einschätzung einer Testperson besser abschneiden, als Familienangehörige. Das zeigt den Fortschritt künstlicher Intelligenz auf und beweist, dass Computer auf individuelle und emotionale Bedürfnisse der Menschen eingehen können.

Forscher der University of Cambridge und Stanford fanden heraus, dass Computer schon anhand weniger persönlicher Daten wie Facebook-Likes komplexe psychologische Profile von Nutzern erstellen können. Die Forschungsergebnisse gehen so weit, dass der Computer bei der Einschätzung der Testperson bessere Ergebnisse erzielte, als enge Angehörige.

Die Ergebnisse können für die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz genutzt werden. Denn je mehr persönliche Daten ein Computer über seinen Besitzer bekommt, desto präziser kann es auf dessen Wünsche eingehen, berichtet die FT. Das kann die Kommunikation von Mensch und Maschine verbessern. Zum Beispiel könnte die Interaktion mit einem Betriebssystem dadurch intuitiver werden.

Facebook-Nutzer können auf dem sozialen Netzwerk Kommentare, Seiten, Videos, Bilder und vieles mehr mit einem „Like“ versehen. Dadurch werden ihre Präferenzen für andere Nutzer und auch für Facebook sichtbar. Die Angabe der Likes führt zu personalisierter Werbung und individuell zugeschnittenen Empfehlungen auf Facebook.

In einem Experiment untersuchten die Forscher tausende Facebook-Profile und die Likes, die die Testpersonen den Forschern zur Verfügung gestellt hatten. Die Testpersonen beantworteten außerdem einen psychologischen Fragebogen. Anschließend sollten sie Personen aus ihrem Umfeld bestimmen, die die gleichen Fragen beantworten. So konnten die Forscher Vergleiche zwischen der Selbstbeschreibung der Testperson, der Einschätzung der Angehörigen und Verwandten und dem künstlich erstellten psychologischen Profil auf Basis der Facebook-Likes anstellen.

Das Computerprogramm braucht nur 10 Facebook-Likes, um die Angaben eines Arbeitskollegen zu übertreffen. Um besser abzuschneiden als ein Freund, bedarf es schon 70 Facebook-Likes. Doch Computer erzielen sogar bessere Ergebnisse als der jeweilige Ehepartner der Testperson, solange sie 300 Likes zur Analyse bereitgestellt bekommen. Jeder Facebook-Nutzer hat im Schnitt 224 Likes auf seinem Facebook-Profil.

„Das bedeutet, dass ein Computer eine Person nicht nur verstehen, sondern auch auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen kann“, sagt David Stillwell, Co-Author der Studie und Direktor des Psychometrie Zentrums an der Cambridge University.

Frühere Studien belegten bereits, dass eine Analyse der Facebook Likes Aufschlüsse über die sexuelle Orientierung, den Intelligenzquotienten und die politische Einstellung geben kann. Auch sind Rückschlüsse über den Drogenkonsum möglich sowie Angaben darüber, ob es sich bei dem Facebook-Nutzer um ein Scheidungskind handelt.

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