Schweizer Notenbank gibt Euro-Mindestkurs auf

Der mehr als drei Jahre gültige Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro ist Geschichte. Der Schweizer Nationalbank zufolge habe sich die Überbewertung des Franken zum Euro reduziert. Doch der Kurs des Franken schnellte nach der Entscheidung deutlich nach oben.

Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. „Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt“, erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag. „Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert.“ Die europäische Gemeinschaftswährung sackte nach der Ankündigung unter die Parität auf Kurse um 0,9586 Franken ab.

Der Schweizer Leitindex SMI brach am Donnerstag um bis zu 14 Prozent ein. Das ist der größte Verlust seiner Geschichte. Dabei büßten die dort gelisteten Unternehmen zusammen etwa 140 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung ein. Das entspricht in etwa der Schweizer Wirtschaftsleistung eines Quartals. Der Aktienumsatz lag am schon Mittag fast vier Mal so hoch wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Zugleich senkte die Zentralbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

Damit will die SNB Kunden aus dem Franken treiben. Große Guthaben auf Girokonten der Notenbank werden künftig mit Strafzinsen von 0,25 Prozent belastet.

Noch Mitte Dezember kündigte die SNB an, die Mindestgrenze zum Euro mit aller Konsequenz durchsetzen zu wollen. Die Gefahr einer Deflation – eines Preisverfalls auf breiter Front – habe nochmals zugenommen und der Franken bleibe hoch bewertet, erklärte die SNB. Bei einem Leitzins von null sei der Mindestwechselkurs das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern.

Für Ulrich Wortberg, Analyst bei der Hessischen Landesbank, kommt die Aufhebung des Mindestkurses „sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Die Abschaffung der Kursgrenze zum Euro kommt auch deshalb überraschend, weil die EZB 500 Milliarden Euro in den Markt pumpen will. Das könnte den Schweizer Franken zusätzlichen Aufwertungsdruck aussetzen. Einer Stellungnahme des Europäischen Gerichtshofes zufolge, sei das von EZB-Chef Mario Draghi geplante Programm zum Ankauf von Staatsanleihen unter bestimmten Voraussetzungen rechtmäßig.

Die Begründung der SNB im Wortlaut:

„Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt. Diese ausserordentliche und temporäre Massnahme hat die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt. Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume haben sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zum US-Dollar abgeschwächt hat. Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind.

Damit die Aufhebung des Mindestkurses nicht zu einer unangemessenen Straffung der monetären Rahmenbedingungen führt, senkt die Nationalbank die Zinsen deutlich. Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trägt die Nationalbank auch künftig der Wechselkurssituation Rechnung. Sie bleibt deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.“

Durch den Devisenmarkt wird der Tausch inländischen Geldes in ausländisches und umgekehrt ermöglicht und dadurch Kaufkraft von Inlandswährung in Auslandswährung umgewandelt. Die Devisenreserven der SNB sind der Baz zufolge auf 500 Milliarden Franken angeschwollen. durch die Aufwertung des Dollars bescherte ihr einen Jahresgewinn von 38 Milliarden Franken. Durch den Kursverfall des Euro drohen hingegen wieder Verluste.

Kommentare

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  1. Multipolar sagt:

    Endlich setzt sich die Vernunft durch und Herr Jordan handelt wie ein Schweizer. Durch die Kursanbindung hat die SNB viel zu viel von der Weich- und Kunstwährung Euro in ihren Devisenbeständen. In gleichem Maße war sie vom desaströsen EZB-Kurs direkt mitbetroffen.
    Dass das jetzt eine Katastrophe für die schweizer Wirtschaft sein soll, ist die gleiche Mär, die bezüglich eines Euro-Ausstiegs verlautet wird.
    Die Schweiz hat null Ressourcen, außer Hirnschmalz, die Beste aller Ressourcen. Alles was die Exporte verteuert, wird gleichermaßen die Importe verbilligen.
    Und die Schweiz wird agieren, wie früher alle Hartwährungsländer agiert haben: Produktivität und Effizienz steigern …und dann wieder zu den Gewinnern gehören!

    • popper sagt:

      @Multipolar
      Eine ziemlich gewagte Hypothese, die Sie da in die Welt setzen. Näherliegend wäre die Erklärung, dass die Führung der SNB insgeheim an die Weisheit der Märkte glaubt, die nach monetaristischer Auffassung allein den richtigen Wechselkurs finden. Möglich wäre auch das Schielen auf die USA, die mit ihrer eventuell höheren Zinspolitik durch die angekündigten Negativzinsen in der Schweiz, die Aufwertung des Franken in Grenzen zu halten. Vorausgesetzt die Anleger investieren dann mehr in den Dollar anstatt in den den Franken.

      Was aber viel gravierender ist, die Schweiz hat bisher wie Deutschland den Weg des beggar-thy-neighbour gegangen. Der jetzt eingeschlagene Weg verteuert nicht nur den Export, der schweizer Industrie, der zu 50% in die EU geht. Ebenso wird der Tourismus wird erheblich teurer. Der Druck von außen wird in der nächsten Zeit enorm wachsen, die Überschüsse und die ständig größer gewordene Gläubigerposition aufzugeben. Das geht aber nur gut, wenn Länder wie Deutschland ihre falsche Politik der Verschuldung des Auslandes aufgeben. Der Umstand, dass dieses Problem auf der Ebene der Politik noch nicht einmal ansatzweise angekommen ist, wird der Schweiz große Schwierigkeiten bereiten. Es könnte sogar soweit kommen, dass sie das Ganze wieder rückgängig macht, um den Franken nicht ins uferlose steigen zu lassen und die einheimische Industrie zu ruinieren. Eines ist gewiss. die nächsten Monate werden interessant in ganz Europa – nicht nur in der Schweiz.

  2. popper sagt:

    …die Basler Zeitung spricht von „Devisenbeständen“ nicht von -reserven. Man kann natürlich den WERT der Devisenbestände/-reserven in der Landeswährung (CHF) ausweisen. Dennoch sind Devisenreserven Fremdwährungen und werden z.B. durch Handelsbilanzüberschüsse oder wie im Falle des Euro gleich 1,20 CHF durch Aufkäufe des Euro erzielt.

  3. Wissender sagt:

    „Der Europäische Gerichtshof entschied zudem, dass das von EZB-Chef Mario Draghi geplante Programm zum Ankauf von Staatsanleihen unter bestimmten Voraussetzungen rechtmäßig sei.“

    Das ist allerdings eine Fehlinformation. Der EUGH entschied noch nicht, nur der Staatsanwalt hat eine Einschätzung vorgelegt.