SNB-Entscheid kann Schweizer Tourismuspreise um 20 Prozent erhöhen

Die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro belastet mittelständische Unternehmen schwer. Der Schweizerische KMU-Verband spricht von einer „Katastrophe für den Tourismus“. Die Preise könnten um bis zu 20 Prozent steigen. Die Folgen für den Export seien „verheerend“. Ein Job-Abbau und Betriebsschließungen sind nicht auszuschließen.

Die Abschaffung der Kursgrenze zwischen Euro und Franken wird weitreichende Folgen für den Schweizer Mittelstand haben. Für Roland Rupp, den Vize-Präsidenten des Schweizerischen KMU-Verbandes, stellt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) „eine Katastrophe für den Tourismus“ dar. Seiner Einschätzung nach könnten sich die Preise für Touristen um bis zu 20 Prozent erhöhen. Das könne bedeuten, dass Reisende aus Österreich und Deutschland die Schweiz als Urlaubsort künftig meiden würden.

Für den Exportsektor sei die Abkopplung vom Euro genauso verheerend. „Das macht keinem Spaß“, sagte Rupp den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Niemand hätte vorher von der Entscheidung der Schweizer Nationalbank (SNB) gewusst. Die Aufhebung des Mindestkurses gefährde Arbeitsplätze und Löhne. Gerade die exportorientierte Elektro- und Metallindustrie könnte es schwer treffen.

Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz findet es unglücklich, dass der Bescheid der SNB ohne Vorwarnung kommuniziert wurde. Die heftige Reaktion an den Märkten zeigt, dass in ökonomischen Fragen stets die Psychologie mitspielt – zwischenzeitlich tauchte der Euro auf 80 Rappen.

Die Schweizer Industrie hat sich mit dem Eurokurs von 1,20 gut arrangiert – jetzt ist sie erneut gefordert. Die Angestellten Schweiz fordern nun die Arbeitgeber auf, nicht in Panik zu verfallen, es gelte, Ruhe zu bewahren. „Arbeitgeber reagieren häufig sehr schnell“, sagte ein Sprecher des Verbandes Angestellte Schweiz den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Es könne daher sein, dass Arbeitsplätze ins Ausland verlagert würden.

Auf keinen Fall dürfe es auf dem Arbeitsmarkt zu ebenso ungestümen Reaktionen kommen, wie es zwischenzeitlich auf dem Finanzmarkt gekommen sei, teilte der Verband in einer Mitteilung mit. Kurzfristig müsse man abwarten, auf welcher Höhe sich der Schweizer Franken einpendele.

Der Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse rechnet mit „einem dauerhaften Überschiessen des Wechselkurses“ und zweifelt in einer Mitteilung an, „ob sich unter diesen Umständen in näherer Zukunft überhaupt ein neues Gleichgewicht einpendelt“.

Ohne einen „vernünftigen“ Wechselkurs bestehe zudem die Gefahr, dass viele Betriebe oder Betriebszweige „ihre Segel streichen müssen“.

Die Senkung der Negativzinsen durch die SNB von -0,25 auf -0,75 Prozent soll einen stark dämpfenden Einfluss auf die Wechselkursentwicklung entfalten. Doch die Erfahrungen mit diesem Instrument seien nicht sehr erfolgversprechend. Die Nationalbank scheine darauf zu bauen, dass sich die Lage in Europa bald stabilisiere.

Der Wirtschaftsverband nennt den Zeitpunkt für die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze „problematisch für die gesamte Wirtschaft“. Eine Rückkehr zu einer Geldpolitik mit Wechselkursuntergrenze sei nur sehr schwer möglich, denn die plötzliche Abschaffung der Kursgrenze erschüttere das Vertrauen der Märkte in dieses Instrument.

 

 

Kommentare

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  1. Friedel Stumpf sagt:

    Bei einem Kurs von 1,50 habe ich noch jedes Jahr im Engadin meinen Skiurlaub verbracht. Dann brach der Kurs auf 1,20 ein, zudem wollten die Schweizer auch noch 40 Franken fuer die Langlaufvingette, so ging ich 50km weiter ins italienische Zollfreigebiet Livigno. Dort tanke ich fuer ca 1,00 und trinke abends den Tischwein fuer 4,00 ( nicht den dezi sondern den halben Liter ) und habe das Langlaufen frei.

  2. Jürgen Kunz sagt:

    @ Samson

    Sie werden sich wundern, wie lange es den Euro geben wird.
    wegen lächerlicher 80 Milliarden Franken, die die Schweiz, gestreckt auf einige Jahre,
    zur Stützung des Euro ausgegeben hat, und die jetzt weggefallen sind, wegen dieser
    „Peanuts“ geht der Euro nicht den Bach runter.
    Er wird schwächer werden, ja, das ist auch von der EZB so gewollt.
    Die Exporte werden billiger und damit ansteigen und die Inflation könnte leicht anziehen.
    Damit öffnet sich die Scheere zur Enteignung der Sparer und Guthaben- Besitzenden noch mehr. Auch das ist gewollt, denn das ganze Finanzabenteuer muss auch bezahlt werden.

  3. Samson sagt:

    Es hat die Schweiz ca. 80 Milliarden gekostet für drei Jahre diesen Preis von 1,20 zu einem Euro künstlich zu stützen.

    Die Schweizer Nationalbank hat die Notbremse gezogen, da die EZB bald selbst Staatsanleihen ankaufen wird.

    Damit ist dann das Todesurteil für den Euro getroffen und der Bürger wird dafür bezahlen.

    Eine gute Entscheidung der SNB auch wenn diese Entscheidung zu spät getroffen wurde. Ich habe aber Verständnis dafür das solange gezögert wurde, denn die USA bedroht natürlich die SNB massiv.

  4. henry sagt:

    . Wir können uns einen Urlaub in der Schweiz längst nicht leisten.