Aufwertung des Franken belastet Österreichs Fremdwährungs-Kreditnehmer

In Österreich dürfte die Entkoppelung des Franken vom Euro vielen Kreditnehmern teuer zu stehen kommen. Sie kämpfen seit Jahren mit Fremdwährungskrediten und könnten nun kalt erwischt werden. Auch Polen ist betroffen.

Österreichische Haushalte und Unternehmen hatten mit November 2014 Angaben der Oesterreichischen Nationalbank zufolge umgerechnet noch etwa 29,5 Milliarden Euro an Fremdwährungskrediten ausstehen. Die meisten davon sind in Schweizer Franken. Die Schuldner müssen sich nun auf eine deutliche Verteuerung ihrer Schulden einstellen, denn die Rückzahlung der Kredite muss nun zu höheren Raten erfolgen. Österreich selbst ist wegen des Desasters bei der Hypo Alpe Adria unter Druck und hat kaum Spielraum, den Kreditnehmern unter die Arme zu greifen.

Für die rund 220.000 Franken-Kreditnehmer in Österreich bedeutet das nun, dass ihre Franken-Kredite auf einen Schlag massiv teurer wurden, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die weitere finanzielle Situation der Betroffenen hat.

Nachbesicherungen durch Kreditgeber sind in solchen Fällen keine Seltenheit. „Kommen Betroffene den Forderungen der Kreditgeber nicht nach, werden in der Regel Umschuldungen in andere Währungen wie den Euro vorgenommen. Doch damit geraten Betroffene in einen Teufelskreis und zahlen im Endeffekt immer den Kursverlust“, warnt Manfred Rädler, Verwaltungsrat der Erste Allgemeine Schadenshilfe (EAS AG). Vor überstürzten, unüberlegten Handlungen rät die EAS AG daher ausdrücklich ab.

„Franken-Kreditnehmer haben gute Chancen, Rechtsansprüche gegen Banken und Vermögensberater geltend zu machen. Sie sollten sich umgehend an entsprechende Beratungsstellen wie den VKI, unabhängige Finanzberater oder Prozessfinanzierer wenden“, so Rädler. „Mögliche Rechtsansprüche werden dann im Einzelfall geprüft. Da der Rechtsweg jedoch mit hohen Risiken verbunden ist, scheuen sich viele Betroffene davor, Ansprüche geltend zu machen. Prozesskostenfinanzierung bietet hier jedoch einen Ausweg. Mit Hilfe der Prozessfinanzierung erhält der Geschädigte die Chance, einen Anspruch ohne Kostenrisiko einzuklagen.“

Der Oberste Gerichtshof (OGH) kommt hier betroffenen Kreditnehmern zu Hilfe und stellt fest, dass Kreditnehmer zu wenig über die Wirkungsweisen und Risiken der Fremdwährungskredite und die langfristigen Folgen informiert werden. Banken und Vermögensberater erklären die Verträge oft unzureichend oder gar einseitig.

Die Kredit-Angebotsblätter sind nicht verständlich genug, dabei sollen sie ausreichend über negative Folgen informieren und fundierte Informationen über die Tilgungsträger liefern. Das soll Transparenz hinsichtlich möglicher Chancen, aber vor allem über mögliche Risiken und langfristige Folgen schaffen.

In Ungarn ist die Lage ähnlich: Auch viele Ungarn haben Frankenkredite am Laufen. Der Forint gab nach und stürzte auf ein Allzeittief gegenüber dem Euro. Ein Euro kostete am Donnerstag 326 Forint. Anleger erwarten offenbar, dass die Fremdwährungskredite Ungarn massive Probleme bereiten werden und haben sich daher aus Ungarn zurückgezogen. Für die ungarische Wirtschaft kann die Lage wegen der politisch labilen Verhältnisse daher unangenehm werden.

Auch in Polen gibt es viele Franken-Kredite, weshalb der Zloty wie der Forint abschmierte. Die polnische Wirtschaft steht nach dem Auslaufen der EU-Förderungen zum Beitritt von nicht unerheblichen Herausforderungen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Kurt Grünzweil sagt:

    Wo bleibt die Selbstverantwortung:
    Knappe drei Jahre war der Mindestkurs nun garantiert und durch Interventionen gesichert. Jeder wusste, dass es nur eine temporäre Maßnahme war. Und dass ein Mindestkurs überhaupt notwendig ist, signalisiert, dass der intrinsische Wechselkurs mit großer Wahrscheinlichkeit darüber liegt.
    Warum haben die Schuldner diese drei Jahre nicht genutzt, um durch Umschuldung ihr Wechselkursrisiko abzubauen ?