DIHK: Franken-Aufwertung bringt Impulse für Industrie und Tourismus

Durch Aufwertung des Schweizer Franken steigt die Nachfrage nach Industrie-Produkten aus Deutschland, glauben Ökonomen. Auch für den Tourismus und die Investitionen aus der Schweiz könnte es positive Impulse geben, wenn die Schweizer Wirtschaft die Aufwertung verkraftet.

Die deutsche Wirtschaft sieht sich als Nutznießer der massiven Aufwertung des Schweizer Franken. „Das ist ein Extra-Konjunkturprogramm – etwa für die deutsche Tourismuswirtschaft in der laufenden Wintersaison, aber auch für die Autobauer und andere Industriezweige“, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann. „Die Schweizer mögen deutsche Autos. Die werden jetzt billiger für sie.“ Die Schweizer Notenbank SNB hatte am Donnerstag überraschend die Kopplung der Währung an den Euro aufgehoben, wodurch der Franken um rund 20 Prozent teurer wurde.

Deutsche werden wegen steigender Preise von einem Urlaub in der Schweiz absehen. „Der Urlaub in der Schweiz wird dadurch für viele unerschwinglich“, sagte Schumann. „Viele Winterurlauber werden auf Deutschland oder Österreich ausweichen.“ Die Schweizer fahren gern nach Deutschland in den Urlaub. 2013 wurden rund 5,8 Millionen Übernachtungen gezählt.

Schweizer Unternehmen könnten viele Produkte aus der Euro-Zone billiger erwerben. „Die Schweiz ist industriestark“, sagte Schumann. „Sie brauchen Industrieausrüstungen, und die hat Deutschland in Hülle und Fülle.“

Der DIHK rechnet auch mit steigenden Schweizer Investitionen in Deutschland. „Wenn der eigene Standort teurer wird, wird die Produktion im Euro-Raum attraktiver“, sagte der Chefvolkswirt. „Hier kommt Deutschland ins Spiel, zumal es keine sprachlichen und kulturellen Barrieren gibt.“

Die Schweiz gehört zu den größten Investoren. Der Bestand an Direktinvestitionen in Deutschland lag 2012 bei mehr als 39 Milliarden Euro. Im vorvergangenen Jahr wurden 140 neue Projekte angestoßen – nur US-Unternehmen haben hier noch häufiger investiert. Umgekehrt ist die Schweiz auch für die deutsche Wirtschaft ein beliebtes Ziel: Deutsche Direktinvestitionen summierten sich 2012 auf knapp 40 Milliarden Euro.

Die Schweiz war bereits 2014 zweitgrößter ausländischer Investor in Deutschland – nach den USA, aber noch vor China und Großbritannien. Nach Angaben der für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständigen Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) wurden 140 neue Projekte gestartet – von Produktion über Vertrieb bis hin zu Forschung und Entwicklung.

Die Schweiz gehört zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. 2013 wurden dort Waren im Wert von 47 Milliarden Euro abgesetzt, was gut vier Prozent der gesamten Exporte entspricht. Damit ist der kleine Nachbar ein wichtigerer Kunde als viele große Länder wie Russland, Japan oder die Türkei. Gefragt sind vor allem chemische Produkte, gefolgt von Maschinen und Fahrzeugen.

„Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Lieferanten aus dem Euro-Raum in der Schweiz wird nun besser – mit der Folge, dass sie Marktanteile gewinnen können“, sagt der Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher- Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ralph Wiechers. „Ob das dann auch ein Mehr an Lieferungen bedeutet, hängt davon ab, wie die Schweizerische Wirtschaft diesen Schock verkraftet.“

Deutschland importierte 2013 Waren im Wert von gut 38 Milliarden Euro aus dem Nachbarland. Schweizer Unternehmen werden es schwerer haben, ihre Waren in Deutschland abzusetzen. „Die Importe aus der Schweiz werden teurer“, sagt Wiechers. „Das dürften nicht nur Konkurrenzprodukte sein, sondern auch wichtige Zulieferungen.“

Kommentare

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  1. Jürgen Kunz sagt:

    Die einen freut’s, die andern haben den Schaden.

    Aber auch der Euro wird sich weiter gegen den Dollar abschwächen, weil nämlich die Käufe der SNB bisher den Euro gestützt haben, indem die SNB Euro kaufte und damit mit Franken bezahlte.

  2. Samson sagt:

    Zitat: Die Importe aus der Schweiz werden teurer”, sagt Wiechers. „Das dürften nicht nur Konkurrenzprodukte sein, sondern auch wichtige Zulieferungen.”

    Die Schweizer können ihre Rohstoffe preiswerter im Ausland einkaufen.

    Darum hat Deutschland ja auch jehrzehntelang immer wieder von den AUFWERTUNGEN der Deutschen Mark profitiert!

    Professor Schachtschneider sprach darüber auch auf einem Youtube Video.

    Das Problem ist doch das Deutschland in einer „Modulität der Fremdherrschafft“ ist und durch die BRD Verwaltung im Auftrage der Alliierten, sprich USA verwaltet wird
    UND auch weiterhin Tributzahlung (sprich Besatzungskosten) an die USA bezahlt.

    Dazu der HInweis auf § 120 Grundgesetz.

    Eigentlich sehr einfach zu verstehen.

    Zur Wahrheit auch ein hervorragendes Video von Jasinnna hier.

    https://www.youtube.com/watch?v=VXTBD9BoGDo

    Sehr einfach zu verstehen, gerade für junge Leute.