Chinesische Unternehmenskäufe in Deutschland nehmen zu

Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie zuletzt vor 24 Jahren. Unternehmen und Investoren suchen nach Wachstum in Deutschland. In 2014 gab es hier so viele Unternehmenskäufe chinesischer Investoren wie nirgendwo sonst in Europa.

Deutschland wird bei chinesischen Investoren immer beliebter: 2014 führten chinesische Unternehmen 36 Unternehmenskäufe in Deutschland durch. Damit war Deutschland für chinesische Investoren das mit Abstand attraktivste Investitionsland in Europa. Auf Platz Zwei folgt Großbritannien mit 26 Transaktionen. Ein Jahr zuvor war der Abstand deutlich knapper, als sich Chinesen bei 28 Unternehmen in Deutschland und bei 26 Unternehmen in Großbritannien eingekauft haben, ergibt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Noch im Jahr 2009 wechselten lediglich zwei deutsche Unternehmen in chinesische Hände, seitdem legten die M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland massiv zu. Hinter Deutschland und Großbritannien folgten im vergangenen Jahr erst mit deutlichem Abstand Frankreich (13), Italien (11) sowie Spanien und die Niederlande (jeweils 10) als Zielländer.

„Die neue chinesische Regierung will den Expansionskurs chinesischer Unternehmen im Ausland weiter fördern, um deren Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu erhöhen“, sagt Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland. „In Deutschland erhalten chinesische Unternehmen Zugang zu der entsprechenden Technologie. Gleichzeitig sind sie hier nah dran an wichtigen Global Playern, gerade im Automobilsektor und im Maschinenbau.“ Gerade in Deutschland gebe es viele mittelständische Unternehmen, die in den relevanten Bereichen tätig sind.“

Die meisten M&A-Deals chinesischer Unternehmen in Deutschland zielten im vergangenen Jahr auf die Industrie (11), genauer gesagt auf die Automobilindustrie (8). Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Technologiefirmen.

Auf dem Heimatmarkt in China sieht es derzeit nicht so gut aus. Die chinesische Wirtschaft wächst so langsam wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte nur noch um 7,4 Prozent zu, nachdem es 2013 noch 7,7 Prozent waren, wie das Statistikamt am Dienstag erklärte. Schlechter lief es zuletzt 1990, als westliche Sanktionen wegen der im Jahr zuvor blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung das Land trafen. Erstmals seit 15 Jahren wurde auch das von der kommunistischen Regierung vorgegebene Ziel verfehlt: Sie hatte ein Plus von 7,5 Prozent angestrebt. Im neuen Jahr dürfte die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch langsamer wachsen, was Eingriffe der Zentralbank und Konjunkturprogramme der Regierung wahrscheinlicher macht. Nach dem jüngsten Eingriff der Regierung in den Finanzmarkt ist die Börse jedoch um 14 Prozent eingebrochen.

„2014 war geprägt von einem komplizierten und wackligen internationalen Umfeld und der schweren Aufgabe, inländische Reformen und Stabilität zugleich zu wahren“, so das Statistikamt. China spürt beispielsweise die schwache Wirtschaft in der Europäischen Union – dem wichtigsten Absatzmarkt. Im Inland litt vor allem der Bausektor: Hier legten die Investitionen so langsam zu wie seit fünf Jahren nicht mehr, auch weil die Regierung mit einer rigideren Kreditvergabe eine Preisblase am Immobilienmarkt verhindern will.

Die deutsche Wirtschaft ist auf einen anhaltenden Boom in China angewiesen. Präsident Xi Jinping hatte zuletzt wiederholt betont, dass er die Wirtschaft nach Jahren des Booms umbauen wolle: Er setzt dabei auf eine Stärkung des Konsums und will Ausfuhren und Einfuhren ausgewogener sowie die Wirtschaft insgesamt umweltfreundlicher gestalten. Dies bedeutet nach Ansicht von Regierungsberatern allerdings auch einen Abschied von den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit, die über Jahre zweistellig waren.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.