Studie: Innovationen müssen am Markt Vertrauen gewinnen

Die Geschwindigkeit, mit der Innovationen und neue Geschäftsideen entwickelt werden, ist einer Umfrage zufolge in Deutschland zu hoch. Unternehmen müssen die Vorteile ihrer Produkte gut erklären können, damit sie am Markt bestehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für eine größere Offenheit gegenüber technischen und gesellschaftlichen Veränderungen geworben. „Für entwickelte Industriegesellschaften ist das Thema der Innovationsfähigkeit … von besonderer Brisanz“, sagte Merkel am Dienstag bei einem Wissenschafts-Forum im Kanzleramt in Berlin. Weil diese Länder schon viele Probleme gelöst hätten, gebe es dort die Neigung, an alten Antworten festzuhalten. Dabei müsse in Zukunft zunehmend nicht nur über technische, sondern auch über soziale und gesellschaftliche Innovationen nachgedacht werden.

Doch die Geschwindigkeit, mit der in Deutschland neue Geschäftsideen entwickelt und sich Produktwelten verändern, ist zu hoch, sagen 57 Prozent der Befragten des Edelman Trust Barometers, einer Umfrage zum Thema Vertrauen in und Glaubwürdigkeit von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien.

Nur 21 Prozent bewerten Innovationszyklen als zu langsam. Auch global stehen die Menschen der sich immer schneller verändernden Technologielandschaft skeptisch gegenüber: 51 Prozent der Meinungsführer der 33.000 Befragten in 27 Ländern gehen Veränderungen zu schnell. „Unternehmen stehen damit vor einem Balanceakt: Sie müssen innovativ sein, um ihre Zukunft abzusichern. Gleichzeitig laufen sie Gefahr, ihre Kunden zu verlieren, wenn sie Geschäftsideen, Produkte und Dienstleistungen zu schnell weiter entwickeln und nicht ausreichend erklären”, sagt Susanne Marell, CEO von Edelman Deutschland.

„Neben der instabilen Lage in der Gesamtwirtschaft, zum Beispiel durch die Folgen der Ukraine- und der Euro-Krise, trägt die Skepsis der Deutschen in Bezug auf Innovationen zu diesem signifikanten Vertrauensrückgang bei“, so Marell. Der Vertrauensverlust in Deutschland verläuft parallel zum globalen Trend: In 19 der 27 Länder im Edelman Trust Barometer ist das Vertrauen gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Der Schlüssel zu nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg heißt – neben notwendigen Innovationen – Vertrauen. Fehlt es, sagen 51 Prozent der Befragten in Deutschland, dass sie Produkte oder Dienstleistungen nicht kaufen. Im Gegensatz dazu geben 77 Prozent an, Angebote von Marken anzunehmen, die sie für glaubwürdig halten. 52 Prozent kritisieren Unternehmen im Gespräch mit Freunden und Kollegen, wenn sie sie nicht für vertrauenswürdig halten. Dagegen empfehlen 57 Prozent „ihre“ Marken und Unternehmen. „Vertrauen entscheidet über wirtschaftlichen Erfolg. Um es aufzubauen, müssen Unternehmen intensive Dialoge mit Verbrauchern führen sowie die Vorteile ihrer Innovationen erklären”, sagt Marell. „Sie müssen aktiv zuhören und das Feedback der Kunden in Produkte oder Dienstleistungen integrieren.”

Unternehmen sollen den Befragten zufolge mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zu einer produktiveren Gesellschaft leisten. Dabei ist die Mehrheit der Befragten (72 Prozent) der Meinung, dass Unternehmen gleichzeitig ihre Gewinne erhöhen und die wirtschaftlichen und sozialen Lebensumstände verbessern können. Damit dies gelingen kann, verlangen die Menschen nach mehr Sorgfalt und fordern mehr Transparenz. 57 Prozent der Befragten glauben, Produkte werden nicht ausreichend getestet, bevor sie auf den Markt gebracht werden. Unternehmen können Vertrauen schaffen, indem sie beispielsweise Testergebnisse veröffentlichen (von 73 Prozent gefordert) oder sich glaubwürdige Partner aus Wissenschaft oder NGOs suchen (von jeweils 63 Prozent gefordert).

Blickt man genauer auf bestimmte technologische Neuentwicklungen, dann zeigen sich eklatante Vertrauenslücken: Fracking, die Förderung von Gas oder Öl aus Gesteinsschichten, bringen nur 21 Prozent der Befragten in Deutschland Vertrauen entgegen (weltweit 47 Prozent). Auch die Informationstechnologie steht vor einer großen Herausforderung in Sachen Glaubwürdigkeit: Cloud Computing vertrauen nur 30 Prozent (weltweit 55 Prozent), mobilen Gesundheits- und Fitnessmessern nur 33 Prozent (weltweit 59 Prozent), elektronischen und mobilen Zahlungsdiensten nur 48 Prozent (weltweit 69 Prozent).

Im weltweiten Branchenvergleich bleibt der Technologiesektor weiter Spitzenreiter (78 Prozent global, 66 Prozent in Deutschland). Aber in 70 Prozent der Länder halten die Befragten Technologie-Unternehmen für weniger glaubwürdig als im Vorjahr. Auf Platz zwei und drei folgen Consumer Electronics (75 Prozent) und die Automobilindustrie (71 Prozent). Das Schlusslicht bilden der Finanzsektor (54 Prozent), Banken (53 Prozent) und Medien (51 Prozent).

Die Zahlen zeigen auch: Eine allgemein hohe Glaubwürdigkeit einer Branche bedeutet nicht automatisch, dass die Menschen allen Produkten oder Dienstleitungen vertrauen, die diese Unternehmen anbieten. Während der Technologiebranche das höchste Vertrauen entgegengebracht wird, trauen nur 37 Prozent der Befragten in Deutschland Technologieunternehmen zu, dass sie z.B. Cloud Computing Dienste verlässlich implementieren können. „Unternehmen können sich nicht auf einem hohen Vertrauenswert für die Branche ausruhen, sie müssen sich Vertrauen immer wieder neu verdienen und ihren Beitrag innerhalb der Gesellschaft kommunizieren, insbesondere, wenn sie innovative Angebote schaffen”, sagt Marell.

Für das Edelman Trust Barometer 2015 wurden in 27 Ländern jeweils 1.000 Personen aus der allgemeinen Bevölkerung sowie 200 weitere (USA und China: 500) Meinungsführer im Alter von 25 bis 64 Jahren befragt.

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  1. Bernhard sagt:

    1. Im Fach „Höhere Konstruktionslehre“ lernt man, dass Entwicklungen um so länger dauern, je mehr der Entwicklungsstand nach 100% geht.
    2. Wo sind Innovationen für den täglichen Bedarf? Nada! Oder meinen Sie die Innovation in Fahrzeugscheinwerfern von H4 auf LED? Das soll was sein?
    3. Cloud Storing: die Cloud Industrie hat unlängst selber für höchste Irritation gesorgt. MICROSOFT hatte die Cloud- Speicher von Kunden durchsucht und Gesetzeswidriges gefunden. Was bedeutet das, wenn ich Entwicklungen meines Unternehmens im Cloud ablege?