Niedriger Euro setzt kaum Impulse für Exportwirtschaft

Viele ausländische Firmen haben sich gegen Währungsschwankungen abgesichert. Die deutsche Exportwirtschaft profitiert daher kaum von dem Euro-Verfall. Viele Konzerne produzieren zudem ohnehin schon im Dollar-Raum. Auch dort steigen mittlerweile die Produktionskosten.

Die Schwäche des Euro macht Exportschlager aus Deutschland wie Autos, Maschinen oder Chemieprodukte im Dollar-Raum billiger und schafft damit einen Wettbewerbsvorteil. Doch die Freude darüber fällt eher verhalten aus: „Ein schwacher Euro wirkt sich auf den Export in der Automobilindustrie positiv aus, allerdings bei weitem nicht mehr so stark wie vor zehn Jahren“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Viele Firmen haben sich über Finanzinstrumente gegen Währungsschwankungen abgesichert oder gleich ganze Produktionen in den Dollar-Raum ausgelagert. Damit machte ihnen der 2013 und Anfang 2014 noch starke Euro nicht so viel aus, sie profitieren nun aber auch weniger von einem schwachen.

Rund 15 Prozent hat der Euro in den vergangenen Monaten an Wert im Vergleich zum Dollar verloren. Mit knapp 1,1541 Dollar notierte er zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit elf Jahren. Experten erwarten, dass die Währung wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ihre Talfahrt fortsetzt. Manche halten sogar die Parität für möglich – dann würde man für einen Dollar nur noch einen Euro bekommen.

„Grundsätzlich hilft uns das auf den Märkten“, bewertet Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbau-Verbands VDMA, den schwachen Euro. Ein Indiz dafür sei die hohe Nachfrage in den USA. So stiegen die Exporte deutscher Maschinen in die USA in den ersten zehn Monaten 2014 um 6,4 Prozent. Nach wie vor sei aber der Euro-Raum der wichtigste Absatzmarkt für die Branche, schränkt Wiechers ein. „Außerdem steckt uns die Rubelschwäche noch in den Knochen.“ Im gleichen Zeitraum waren die Exporte der Branche nach Russland um 17 Prozent eingebrochen, weil sich deutsche Maschinen im Rubel-Raum extrem verteuerten.

Die deutschen Autokonzerne fahren schon länger die Strategie, vermehrt im Ausland zu produzieren, um die stark wachsenden lokalen Märkte besser zu bedienen und Währungsschwankungen auszugleichen. In den letzten zehn Jahren verdoppelten sie ihre Produktion außerhalb Deutschlands auf 9,4 Millionen Einheiten. Zwei von drei Autos, die deutsche Autobauer weltweit produzieren, werden damit inzwischen im Ausland gefertigt. In den Vereinigten Staaten ist es noch immer fast die Hälfte des Absatzes, die aus Deutschland importiert wird.

Vor allem die Premiumhersteller BMW und Daimler liefern in die USA, während bei Volkswagen der US-Anteil am Gesamtabsatz viel geringer ist. Die Euro-Schwäche wird die Bilanzen der Autobauer nicht so schnell aufhübschen, denn die Hersteller haben sich außerdem über bestimmte Währungshandelsgeschäfte gegen einen starken Euro abgesichert. Auch der Luftfahrtkonzern Airbus betreibt dieses sogenannte „Hedging“, weil volatile Wechselkurse große Auswirkungen auf seine Bilanz haben können: Eine Schwankung von zehn Cent im Euro/Dollar-Kurs würde ohne Hedging eine Milliarde Euro im operativen Gewinn (Ebit) ausmachen, erläutert ein Konzernsprecher. Dennoch profitiere Airbus von einem schwachen Euro: „Das ist schon relevant für uns, da wir unsere Flugzeuge zwar in Dollar abrechnen, aber doch auch einen hohen Kostenanteil in Euro haben.“

So haben viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen die Risiken von Wechselkursschwankungen abgefedert. Der Stahlriese ThyssenKrupp, der Anlagenbauer Gea oder der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf produzieren alle auch im Dollar-Raum. Deshalb habe die Euro-Schwäche keine großen positiven Auswirkungen auf die Geschäfte, hieß es unisono von diesen Unternehmen. „Wir kaufen im Dollarraum und verkaufen auch dort, so dass sich die Effekte weitestgehend aufheben“, erläutert ein Wincor-Sprecher.

Auch die Chemieindustrie profitiert nur bedingt. Es gebe schon Wettbewerbsvorteile für die heimische Branche gegenüber den Erzeugnissen der Wettbewerber aus Übersee, konstatiert Henrik Meincke, Chefvolkswirt des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Die Branche mache aber lediglich ein Drittel ihrer Geschäfte außerhalb Europas und sei auf den wichtigen Märkten in Übersee und Asien mittlerweile mit starker eigener Produktion vor Ort tätig. Beim Medizintechnik-Anbieter Drägerwerk wird der schwache Euro das Ergebnis in diesem Jahr sogar belasten. Grund ist der hohe Anteil der eigenen Produktion in den USA, wo die Kosten steigen. Die operative Umsatzrendite werde 2015 wohl sinken, teilte die Lübecker Firma mit.

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