EZB Geldschwemme hemmt Reformen im Euro-Raum

Europas Bürger werden nicht von der am Donnerstag angekündigten Geldschwemme der EZB kommen. Auch Unternehmen finanziert sich weitgehend selbst. Vielmehr senkt EZB-Chef Draghi den Anreiz für tiefgreifende Haushaltsreformen in den Krisenländern Italien, Frankreich und Spanien. Positive Effekte auf die Wirtschaft wie Investitionen sind kaum zu erwarten.

Das am Donnerstag verkündete Staatsanleihen-Ankaufsprogramm von EZB-Chef Mario Draghi hilft vor allem den Krisenstaaten in Südeuropa bei der Verschleierung ihrer Schulden. In der Realwirtschaft wird kaum etwas von dem Geld ankommen. „Die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation dürften sehr überschaubar bleiben“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Was der Euroraum wirklich braucht, sind nicht noch weitere Programme der EZB, sondern Reformen in Wirtschaft und Politik. Nur damit werden wir ein nachhaltig stärkeres Wirtschaftswachstum erzielen, auf das wir nun schon so lange warten.“

Die deutsche Wirtschaft kritisiert den von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigten massenhaften Kauf von Staatsanleihen. „Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. „Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken: Die Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen auf die Preisentwicklung in der Eurozone ist unsicher.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird massenhaft private Bonds und Staatsanleihen aufkaufen, wie EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag auf einer Pressekonferenz ankündigte. Geplant seien Wertpapierkäufe im Volumen von 60 Milliarden Euro pro Monat. Im März soll mit dem Kauf von Staatsanleihen mit Top-Bonitätsnoten begonnen werden. Das Programm soll bis Ende September 2016 laufen. Die Wertpapierkäufe würden gemäß den Anteilen der Staaten an der EZB erfolgen.

Mit den Maßnahmen wollen die Währungshüter die Wirtschaft beleben und einen gefährlichen Preisverfall auf breiter Front – eine Deflation – verhindern.

Der DIHK zufolge werde damit jedoch der Druck auf die Krisenstaaten gemindert, dringend notwendige Reformen durchzuführen. „Auch die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten lässt er weiter steigen“, sagte Wansleben. Kritik kommt auch aus der CDU. „Diese Maßnahme hilft dem Süden der Euro-Zone, der Norden braucht sie nicht“, erklärte der Chef des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk.

In den USA wird bereits seit geraumer Zeit Geld in den Markt gepumpt (Quantitative Easing). Die Märkte werden zunehmend nervös, sobald die US-Fed andeutet, die Geldschwemme eindämmen zu wollen. Das deutet darauf hin, dass auch die Geldschwemme der EZB einmal verlängert werden muss, sobald die Finanzmarktakteure sich an das Quantitave Easing gewöhnt haben.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Matthes sagt:

    Reformen? Wer will schon Reformen?
    Die hat man doch nur Deutschland versprochen um ans Geld zu kommen und dabei den deutschen Steuerzahler ruhigzustelen. Und die deutsche Politik hat mitgespielt. So wie sie jetzt mitspielt!