Fachkräftemangel belastet Österreichs Unternehmen

In keinem anderen Land verursachen wirken sich fehlende Fachkräfte so stark auf den Umsatz aus wie in Österreich. Die heimische Wirtschaftsentwicklung bereitet dem Mittelstand zudem Sorgen. Die Ukraine-Krise mussten auch viele Export-Unternehmen an Umsatz einbüßen.

Unternehmen in Österreich suchen so stark nach Fachkräften, wie sonst nirgendwo in Europa. Denn dessen Mangel bedeutet einen Rückgang beim Umsatz. Während sich europaweit Aufbruchsstimmung unter den Mittelständlern abzeichnet – immerhin jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) erwartet eine Verbesserung der Wirtschaftslage im eigenen Land – versetzt die Einschätzung der Binnenkonjunktur-Entwicklung heimische Unternehmen alles andere als in Hochstimmung: Nur 15 Prozent erwarten zumindest eine leichte Verbesserung in den nächsten sechs Monaten. Ein Drittel (33 Prozent) bereitet sich auf konjunkturelle Rückschläge vor und immerhin die Hälfte (52 Prozent) rechnet damit, dass die Wirtschaftslage unverändert bleibt.

Gemäß Ernst & Young Mittelstandsbarometer sehen die meisten Mittelständler in Österreich eine schwache Binnenkonjunktur als größte Gefahr für die Entwicklung ihres Unternehmens. „Österreichs Mittelständler sind massiv verunsichert“, analysiert Erich Lehner, verantwortlicher Partner für die Agenda Mittelstand bei EY Österreich. „Die Erwartungen an die heimische Wirtschaftsentwicklung sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr negativ.“

Sorgen bereitet den heimischen Mittelstandsunternehmen im Moment vor allem der Mangel an geeigneten Top-Fachkräften. Im europaweiten Vergleich wirkt sich dieser in Österreich so stark wie nirgendwo sonst auf den Umsatz aus: 16 Prozent beklagen „erhebliche“, 43 Prozent zumindest „geringfügige“ Einbußen. Europaweit sind es nur halb so viele, hier verzeichnen laut eigenen Angaben nur 8 Prozent „erhebliche“ und 23 Prozent „geringfügige“ Umsatzrückgänge. „Für den Mittelstand in Österreich sind Forschung und Entwicklung fundamental wichtige Faktoren im internationalen Wettbewerb“, so Lehner. Dementsprechend problematisch sei es für sie deshalb auch, wenn sich die Suche nach top-ausgebildeten und hoch qualifizierten Fachkräften so schwierig gestalte wie momentan. Fast zwei Drittel aller Unternehmen klagen über Fachkräftemangel. Das ist die vierthöchste Zahl in ganz Europa.“

Die Ukraine-Krise hat bereits Spuren in den Bilanzen vieler österreichischer Unternehmen hinterlassen: Mehr als jeder fünfte Mittelständler in Österreich (22 Prozent) gibt an, dass sich die aktuellen Spannungen zwischen Russland und der EU bzw. den USA negativ auf das eigene Geschäft auswirken. Besonders betroffen zeigen sich Industrie und große Mittelständler. Im europäischen Vergleich trifft der Konflikt vor allem die Unternehmen in der Türkei (40 Prozent), Griechenland (34 Prozent) sowie Russland und Finnland (jeweils 33 Prozent).

Während fast zwei Drittel der europäischen Unternehmen (63 Prozent) von der Politik eine Abkehr vom Sparkurs fordern und auf mehr öffentliche Investitionen pochen, spalten sich die österreichischen Mittelständler in zwei Lager: Jeweils rund die Hälfte spricht sich für wachstumsfördernde Investitionen (49 Prozent) bzw. ein Festhalten am Konsolidierungskurs (51 Prozent) aus.

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Andy sagt:

    Ja, natürlich will jeder Unternehmer Fachkräfte. Zu Baumwollpflücker-Verträgen natürlich! Es gibt Unmengen Ingenieure, IT-Spezialisten, Wirtschaftsfachleute, nur will die eben keiner bezahlen. Die gehen dann in andere Länder, während Österreich sich moslemische Bildungswunder en masse hereinholt.
    Ist eben auch ein Tausch. Und die Mehrheit will es so.
    Und mit einer Wirtschaftskammer, die das Geldrucken toll findet, weil dann hochwertige Technik gegen wertloses Papier verscherbelt werden kann, ist den Unternehmern ohnedies nicht mehr zu helfen.

  2. hugin sagt:

    KEINE KAUFKRAFT IN ÖSTERREICH
    2 Mio. Österreicher zahlen keine Steuer, weil sie zu wenig verdienen, 450.000 Arbeitslose, zahllose Mindestrentner, 300.000 Studenten, wer soll da große Ausgaben machen. Ständig wird über Steuererhöhungen und neue Steuern diskutiert. Kanzler Faymann hat eine“Studienreise“ in die Schweiz gemacht um sich dort über die Vermögensteuer – „Reichensteuer“ – zu informieren. Er hat darüber schwadroniert, aber das der Höchst-Satz der MWST nur 8% (acht) ist, hat er absichtlich verschwiegen !
    Unter diesen Umständen ist der Niedergang unausweichlich.

  3. Alfred Beer sagt:

    Die armen Unternehmen die händeringend nach Fachkräften suchen.

    Deshalb hat ja auch die Vertretung dieser Unternehmen im Herbst des Vorjahres diesen so geliebten Fachkräften bei den Kollektivverhandlungen enorme 0,6% angeboten.
    Wahrscheinlich um sie zu motivieren oder zu zeigen wie wichtig ihr für uns seid.

    Diese 0,6% waren die Europäische Inflationsrate, jeder weiß, dass die Österreichische 3x so hoch ist, und selbst diese Zahlen sind ja runter manipuliert.

    Zuerst die Situation öffentlich beklagen aber in Wahrheit die Löhne drücken wollen.