Expansion geht weiter: Amazon übernimmt israelischen Chiphersteller

Ungeachtet hoher Verluste setzt US-Onlinehändler Amazon seine Expansions-Strategie mit Zukäufen fort. Für einen nicht genannten Betrag übernimmt der Konzern den Chiphersteller Annapurna Labs und steigt ins Cloud-Geschäft ein. Auch für eine Übernahme von eBays Bezahldienst PayPal ist Amazon ein heißer Kandidat.

Der US-Onlinehändler Amazon will mit einem Zukauf sein Geschäft mit Online-Computerdiensten stärken. Das Unternehmen übernimmt nach eigenen Angaben vom Donnerstag den israelischen Chiphersteller Annapurna Labs für seine Cloud-Computing-Sparte Amazon Web Services (AWS). Beim Cloud Computing stellen Anbieter Speicherkapazität und Rechendienste online bereit. Eine AWS-Sprecherin wollte keine Details zur Transaktion nennen. Die Finanzzeitung „Calcalist“ hatte zuvor berichtet, dass Amazon für das israelische Start-up rund 370 Millionen Dollar auf den Tisch legen wolle. Annapurna produziert Chips, die in Datenzentren eingesetzt werden.

Die aggressive Expansion in die verschiedensten Geschäftszweige hatte Amazon zuletzt immer höhere Verluste eingebrockt. Der Internet-Händler verzehnfachte den Fehlbetrag im dritten Quartal auf 437 Millionen Dollar und schockierte damit seine Aktionäre.

Das Geschäft mit Cloud-Computing gilt als wachstumsträchtig. Die IT-Firma IBM investiert ebenfalls in großem Stil in die Technologie und nimmt dabei auch in Kauf, weitere Sparten zu veräußern. Quartalsumsatz und Gewinn von IBM sinken um jeweils zwölf Prozent.

Die anfängliche Zurückhaltung des Mittelstands gegenüber Software aus der Wolke (Cloud-Computing) hat sich bei vielen Unternehmen gelegt und wird weiter abnehmen. Das trifft besonders auf mobile Anwendungen zu, die auf Cloud-Infrastrukturen aufbauen. Denn Mitarbeiter nutzen mobile Technologien privat so selbstverständlich, dass auch im Berufsumfeld die Erwartungen an leichte Nutzbarkeit und ständige Verfügbarkeit von Anwendungen und Daten steigen.

Amazon wandelt sich immer mehr zu einem Medienkonzern. Das Unternehmen kündigte am Montag an, künftig auch Kinofilme selbst zu drehen oder die Rechte zu kaufen. Zahlende Abokunden sollen die Streifen im Netz vergleichsweise früh sehen können: Während sie nach einer Leinwandpremiere bisher bis zu einem Jahr warten mussten, sollen die Amazon-eigenen Filme mit einer Verzögerung von nur ein bis zwei Monaten gezeigt werden. Die Produktion soll den Angaben zufolge in diesem Jahr beginnen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, knapp zwölf Filme im Jahr zu machen“, sagte Amazon-Manager Roy Price.

Neben der Expansion des Konzerns kämpft Amazon mit seinen Angestellten einen Tarifstreit aus. Darin geht es um die Frage, ob Lagerarbeiter nach den Tarifen des Versandhandels oder der Logistikbranche bezahlt werden sollen. Die Tarife der Logistiker liegen deutlich unter denen der Versandhändler. Das erleichtert Amazon die Schaffung von Arbeitsplätzen: 6.000 neue Stellen wurden im letzten Jahr in ganz Europa geschaffen. Amazon-Angestellte versuchten vor Weihnachten erfolglos, Amazon mit Streiks zum Einknicken zu bewegen. Die Deutsche Post fährt eine ähnliche Lohnkosten-Strategie wie Amazon.

Niedrige Personalkosten erleichtern Amazon zudem weitere Zukäufe. Konkurrent eBay will seinen Bezahldienst PayPal sowie weitere Dienste abspalten und wird dadurch selbst zum Übernahmekandidaten. Als mögliche Interessenten gelten für die Übernahme von PayPal gelten neben Amazon auch der chinesische Online-Händler Alibaba sowie Google. Auch Einzelhändler wie Wal-Mart haben zuletzt viel Geld in den Ausbau des Internetgeschäfts und die Zahlungsabwicklung gesteckt.

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Eine exzellente Laser-Beam-Strategie: von den Japanern einst erfunden, von Siemens verschlafen – Joe Kaeser sammelt derweil Quittungen und Belege.

  2. ratlos sagt:

    Je suis Charlie? Alle sind Charlie, doch wo bleibt: „Ich bin Palästina“, „Ich bin Ukraine“, „Ich bin Syrien“? Ein interessanter Artikel zu diesem aktuellen Thema, der beklemmende Fragen stellt.