Ausbildungsgarantie stoppt Diskriminierung bei der Bewerbung

Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund finden keine Ausbildung. Eine staatliche Garantie könnte erfolglosen Bewerbern Angebote zukommen lassen. Staatliche Sprach-Förderprogramme könnten Hemmschwellen bei der Einstellung abbauen.

Jugendliche mit ausländischen Wurzeln haben es einer Studie zufolge bei den meisten Unternehmen besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Rund 60 Prozent der Lehrbetriebe hätten noch nie einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgebildet, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Andererseits bildeten rund 70.000 der 450.000 Ausbildungsbetriebe, das sind rund 15 Prozent, einen oder mehrere Jugendliche aus Migrantenfamilien aus. Bildungsexperte Frank Frick forderte eine staatliche Ausbildungsgarantie. Damit erhielten alle Jugendlichen in Deutschland bessere Perspektiven, argumentierte er.

Drei Viertel der Betriebe, die bislang keine jungen Menschen mit ausländischen Wurzeln ausbilden, begründeten dies mit mangelnden Bewerbungen. „Das allerdings zweifeln die Autoren der Studie an, weil das anderen Ergebnissen deutlich widerspricht, nach denen Jugendliche mit Migrationshintergrund sich genauso oft und intensiv bewerben“, sagt Claudia Burkhard dem Deutschlandfunk.

Auch Sprachbarrieren wurden als Einstellungshemmnis genannt. Die Autoren der Studie, Ruth Enggruber und Josef Rützel, hielten dagegen, Befragungen hätten ergeben, dass gerade Jugendliche aus Migrantenfamilien sich bei besonders vielen Betrieben bewerben würden. Unternehmen hätten vielmehr Befürchtungen, jemand mit ausländischen Wurzeln könne eventuell nicht so erfolgreich in der Ausbildung sein. „Und da Ausbildung eben auch Geld kostet und die Firmen natürlich auf ihr wirtschaftliches Interesse auch gucken müssen, geben sie dann lieber jemandem den Vorzug, von dem sie davon ausgehen, dass er vielleicht eher geeignet ist, die Ausbildung zu schaffen“, so Burkhard.

Die Studie ergab, dass auch rund 71 Prozent der Jugendlichen aus Zuwandererfamilien, die einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen könnten, keinen Ausbildungsplatz finden. Unternehmen sollten daher die Befürchtung genommen werden, dass mangelhafte Sprachkenntnisse im Betriebsalltag Nachteile entstehen lassen könnten. Das könnte zum Beispiel durch staatliche Sprachförderungs-Maßnahmen geschehen.

An dieser Stelle kann auch eine mögliche Ausbildungsgarantie ansetzen: „Wenn es nicht genügend Ausbildungsplätze gibt oder wenn jemand sich über lange Zeit erfolglos beworben hat und keine Ausbildungsstelle gefunden hat, dann springt der Staat mit einer Garantie ein und sagt, jeder ausbildungswillige und ausbildungsfähige Jugendliche bekommt dann ein Angebot“, so Burkard.

Auch eine anonymisierte Bewerbung kann ein Mittel sein, Migrations-Effekte beim Bewerbungsverfahren auszuschließen. Denn aufgrund seiner Herkunft oder Religion darf niemand diskriminiert werden.

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  1. Hans Günther Scherpel sagt:

    …..71 Prozent der Jugendlichen aus Zuwandererfamilien, die einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen könnten, keinen Ausbildungsplatz finden. Unternehmen sollten daher die Befürchtung genommen werden, dass mangelhafte Sprachkenntnisse im Betriebsalltag Nachteile entstehen lassen könnten. …..

    Daraus ergibt sich die Frage:
    bekommt man mit mangelhaften Sprachkenntnissen einen mittleren Bildungsabschluss ??

    Wenn Ja, dann glaube ich gerne das sich Unternehmen Ihre Azubis sehr sehr genau
    anschauen müssen, denn dann verlieren die Zeugnisse doch stark an Bewertungskraft.