Versand wird überflüssig: Forscher „beamen“ Produkte von Ort zu Ort

Eine neue Scan- und Verschlüsselungstechnik macht es möglich, dreidimensionale Gebilde von einem zum nächsten Ort zu teleportieren. Ein Laser scannt das Gebilde oder Produkt Ebene für Ebene. Die Daten werden dann in verschlüsselter Form an einen anderen Ort gesendet, wo ein 3D-Drucker das Produkt wiederherstellt. Der konventionelle Versand entfällt.

Forscher des Hasso-Plattner-Instituts der Universität Potsdam können Dinge von Ort zu Ort „beamen“. In ihrem Projekt „Scotty“, das nach dem Offizier im Maschinenraum des Raumschiffes Enterprise benannt ist, verbinden sie eine Scanmethode mit dem 3D-Druck und einer verschlüsselten Übermittlungstechnik, um materielle Gegenstände durch den Raum zu teleportieren. Doch die Methode funktioniert nur mit leblosen Objekten, denn der Scanner zerstört das zu sendende Gebilde während des Scans. So wird sichergestellt, dass nur ein Exemplar von dem Produkt existiert.

Scotty besteht aus zwei Einheiten, einem Sender und einem Empfänger. Beide Einheiten bestehen aus einem 3D-Drucker, erweitert mit einem Fräsmechanismus, einer Kamera und einem Mikro-Kontrollmechanismus zur Verschlüsselung und Übermittlung der Daten. Diese Geräte könnten bald in jedem Haushalt stehen. Der Nutzer platziert ein Objekt in die Sendeeinheit und drückt den Knopf zum Teleportieren. Die Forschungsergebnisse wurden in einem Paper für die Stanford Universität veröffentlicht.

Der 3D-Drucker digitalisiert das Gebilde nun Schicht für Schicht und zerstört es anschließend – ebenso Schicht für Schicht – mit dem Fräsmechanismus. Die Kamera nimmt von jeder einzelnen Schicht ein Foto auf. Die verschlüsselten Daten des Objekts werden Schicht für Schicht an das Empfänger-Gerät übermittelt.

Durch die Verschlüsselung und die Zerstörung des zu übermittelnden Objekts wird sichergestellt, dass tatsächlich nur ein Objekt übermittelt wird. Das ist wichtig für eine potenzielle industrielle Nutzung dieser Technologie. Die Verschlüsselung garantiert, dass die Daten nicht abgefangen und das Objekt nicht unzählig oft reproduziert werden kann.

Die Zerstörung im Sendegerät hingegen ist nur dafür da, die Illusion der Teleportation aufrecht zu erhalten. Denn obwohl das Projekt Scotty dem Namen nach an das „Beamen“ aus der US-Science-Fiction Serie Raumschiff Enterprise erinnert, handelt es sich doch nur um eine Kopie eines leblosen Gebildes. In der Fernseh-Serie werden echte Menschen in ihre Moleküle zerlegt und durch den Raum auf fremde Planeten teleportiert.

Doch die Illusion des „Beamens“ wirkt, wenn der Empfänger das Objekt in Echtzeit Schicht für Schicht vor seinen Augen entstehen sieht.

Der Prototyp verwendet nur ein Druckmaterial aus Kunststoff, dass es Nutzern erlaubt, zwei Anwendungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen: Das Prinzip der Einzigartigkeit bleibt aufrecht erhalten, wenn es um den emotionalen Wert von Objekten geht, die zwischen Freunden geteilt werden. Auch rechtliche Lizenzfragen entfallen, wenn das Ursprungsprodukt zerstört wird.

3D-Scannen und 3d-Drucken können immense Auswirkungen auf die Industrie entfalten. Theoretisch macht es dieses Verfahren möglich, dass jeder zu jeder Zeit an jedem Ort alle möglichen Produkte herstellen kann. Ein Wertverfall einzelner Produkte kann weitreichende industrielle und wirtschaftliche Nachfolge-Effekte mit sich bringen.

Zuerst fällt auf, dass die Versandindustrie nichts mehr mit dieser Technologie zu tun hat. Eine ganze Branche fällt in diesem Produktions- und Konsumzyklus weg. Wenn auch Konsumgüter auf diese Weise einmal verschickt werden könnten, kann das den Handel revolutionieren.

Kommentare

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  1. Zitronenfalter sagt:

    Das wäre dann eine Reproduktion, keine Teleportation nach meinem Verständnis. Im Anbetracht der mutmaßlich hohen Kosten dieser Methode hat sich mir der Sinn der Sache nicht ganz erschlossen.

  2. Wissender sagt:

    Abgesehen davon, daß von Teleportieren keine Rede sein kann, halte ich die Idee für ziemlich pervers. Mit ungeheurem Aufwand wird ein Erzeugnis zerstört, um es an einem anderen Ort wieder aufzubauen. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sehen anders aus.