Regierung: Franken-Kredite werden bald wieder billiger

Österreichs Finanzminister Hans-Jörg Schelling will die Franken-Kreditnehmer beruhigen: Die Schweizer Nationalbank werde bald Maßnahman gegen den hohen Franken einleiten. Die Schweiz könne es sich nicht leisten, den eigenen Tourismus und Export zu schwächen. In Österreich laufen Bemühungen, die Banken für die teuren Franken-Kredite der Österreicher in die Verantwortung zu ziehen.

Der Schweizer Franken wird sich nach Ansicht von Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling nicht dauerhaft auf dem aktuellen Niveau halten. Die Schweiz könne sich dies auf lange Sicht nicht leisten, sagte der ÖVP-Politiker der Zeitung Österreich. Die Exporte würden ansonsten zu teuer, und der Tourismus würde einbrechen. Auch die Franken-Kredite würden dann wieder billiger für Österreichs Kreditnehmer. Welche Gegenmaßnahmen er von der Schweiz erwartet, sagte der Minister nicht.

Die Schweizer Notenbank hatte den Franken-Kurs zum Euro über Jahre mit Devisenmarktinterventionen vor einem Anstieg abgehalten. Als die Zentralbank dieses Ziel überraschend aufgab, löste sie Turbulenzen an den Finanzmärkten aus. Der Franken schoss zum Euro zeitweise um 40 Prozent in die Höhe. Dies bereitet Schuldnern in Österreich Probleme, die wegen günstigerer Konditionen Franken-Kredite aufgenommen haben. In Österreich sind 151.000 Haushalte betroffen. Sie hätten nun um etwa 20 bis 25 Prozent höhere Schulden, sagte Schelling.

Der ORF berichtet, dass auch die österreichische Bankenaufsicht ein Eingreifen für denkbar hält und zititert FMA-Vorstand Helmut Ettl. Die FMA-Vorstände halten es für nicht ausgeschlossen, dass den österreichischen Banken auch in anderen osteuropäischen Ländern – ähnlich wie in Ungarn – staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditnehmer drohen. „Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen“, meinte Ettl. Kroatien hat bereits seine Kreditnehmer in Schutz genommen und per Regierungsbeschluss den Franken-Kurs für ein Jahr eingefroren. Die Kursdifferenz müssen die Geschäftsbanken tragen.

Die Kredite könnten vor allem für die Raiffeisen-Gruppe zum Problem werden. Deren Bonds sind in den vergangenen Tagen trotz der EZB-Geldschwemme abgestürzt, wie der Finanzblog Zerohedge berichtet.

Fast 30 Milliarden Euro sind bei den Österreichern in Franken verliehen. Interessanterweise nennt die Freiheitliche Partei Österreichs ausdrücklich die ungarischen Zwangsmaßnahmen von Victor Orban als Vorbild für ein Vorgehen gegen die Banken in Österreich. Auffällig ist auch der ungewohnt harsche Ton gegen die EU und die europäische Geldpolitik. Offenbar möchte die rechte FPÖ den Wahlsieg der Syriza in Griechenland nutzen, um sich als Partei der Benachteiligten zu profilieren. Die FPÖ liegt bei Umfragen etwa gleichauf mit den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP und setzt auf eine grundlegende Veränderung der Parteien-Szene – ein Trend in der EU, der sich noch in einigen anderen Ländern fortsetzen dürfte.

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  1. klarofix sagt:

    Gewinnen und Verlieren

    Wer sich auf Fremdwährungsdarlehen einlässt, sollte sich auch der Risiken bewusst sein.
    Das Netz ist voll von solchen Informationen und auch nicht erst seit gestern.
    Deshalb keinerlei Mitleid mit den Betroffenen.
    Und das Kreditinstitute für die Gier mündiger Spekulanten in Haftung gehen sollen, stellt einen rechtswidrigen, fundamentalen Eingriff in das Eigentum dar.