KOF: Starke Währung hemmt Schweizer Investitionen und Arbeitsplätze

Wirtschaftsforscher es Instituts KOF in Zürich sagen der Schweiz eine Rezession voraus. Unternehmen werden Investitionen zurückhalten und weniger Arbeitsplätze schaffen. Die starke Währung wird die Exporte und die Wirtschaft bis Ende des Jahres 2016 belasten.

Der Schweiz drohen Volkswirten zufolge durch die gewaltige Franken-Aufwertung eine kurze Rezession und zunehmende Arbeitslosigkeit. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent abnehmen, wenn sich der Franken nicht wieder abschwächt, prognostizierte das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut KOF der ETH Zürich am Mittwoch. Im Dezember hatte es noch ein Wachstum von 1,9 Prozent veranschlagt.

Für 2015 rechnen die Experten mit einem Rückgang der Ausfuhren um 1,4 Prozent als Folge des starken Franken. Da sich Urlaube in der Schweiz stark verteuern, werde auch das Tourismusgewerbe leiden. Die Investitionstätigkeit werde sich verlangsamen. Ab dem zweiten Quartal dürften Firmen ihre Produktion zurückfahren und Arbeitsplätze abbauen. Die KOF-Experten schätzten, dass die Arbeitslosenquote im laufenden Jahr auf 3,4 Prozent und im kommenden Jahr 4,1 Prozent steigen wird. Für 2016 erwartet KOF bestenfalls eine stagnierende Wirtschaftsleistung, sollte die Weltkonjunktur wieder an Fahrt gewinnen. „Allerdings muss betont werden, dass heftige Schocks wie eine abrupte Währungsaufwertung um 20% die Prognosegüte von Konjunkturmodellen beeinträchtigen“, schreibt das KOF in einer Mitteilung.

Mitte Januar gab die Schweizer Notenbank (SNB) ihren Kampf gegen die Franken-Aufwertung auf und schaffte den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ab. Der Euro verlor daraufhin innerhalb kurzer Zeit mehr als 20 Prozent und wird derzeit bei leicht über einem Franken gehandelt. Der Franken pendelt seither um die Parität zum Euro.

Der unmittelbare Effekt der Frankenaufwertung auf die Schweizer Konjunktur wird über die Exporte vermittelt. Diese dürften in der ersten Hälfte des laufenden Jahres stark sinken. Dabei führt der Ölpreisrückgang zu einem Einbruch der Erlöse aus dem grösstenteils von der Schweiz aus administrierten internationalen Handel mit Öl (Transithandel). Dies betrifft aber nur die Wertschöpfung zu laufenden Preisen und nicht die reale Wertschöpfung. Letztere sinkt vielmehr, weil die Aufwertung des Frankens sowohl die Warenexporte als auch die Ausfuhren von Tourismusleistungen und Finanzdienstleistungen belastet. Insgesamt erwartet die KOF einen Rückgang der Exporte um 1.4 Prozent im laufenden Jahr.

Der aussenwirtschaftliche Schock überträgt sich auf das Inland. Dabei hält sich der private Konsum angesichts sinkender Preise und der Möglichkeit des Einkaufstourismus zunächst noch gut. Investitionen in Ausrüstungen werden aber zunehmend zögerlicher getätigt, weil die Wechselkursanpassung den durch die Zweifel am Fortgang des bilateralen Prozesses bereits gebeutelten Produktionsstandort Schweiz noch unattraktiver gemacht hat. Gleichzeitig trüben sich die Bauinvestitionen ein. Das stehe jedoch nicht im Zusammenhang mit der Frankenaufwertung, sondern zeichne sich bereits seit dem vergangenen Jahr ab, so das KOF.

Die angespannte Lage der Unternehmen bedeutet für die öffentliche Hand Steuerausfälle. Das wird sich überwiegend in der Verwaltung auswirken. Überwiegend öffentlich finanzierte Branchen wie das Bildungs- und Gesundheitswesen, welche seit Beginn der Finanzkrise zu den Jobmotoren gehört, würden zunehmend weniger Arbeitskräfte nachfragen, so die Marktforscher. Auch im privaten Sektor würden Arbeitsplätze abgebaut. Entsprechend wird für 2015 ein Rückgang der auf Vollzeitäquivalente umgerechneten Beschäftigung um 0,3 Prozent und für 2016 ein weiteres Minus von 1.8 Prozent prognostiziert.

Die Verschlechterung der Beschäftigungssituation drosselt den Lohnauftrieb. Das lässt nächstes Jahr das gesamte Arbeitnehmereinkommen stagnieren. Darauf reagieren die Privathaushalte in zunehmendem Mass mit Konsumzurückhaltung – trotz sinkender Preise. Die Preise könnten in 2015 um 1,5 Prozent und 2016 noch um 0,4 Prozent fallen.

Ende 2016 könnten die Exporte wieder steigen, wenn sich das internationale Umfeld verbessert. Diejenigen Kunden, die Schweizer Produkten trotz des teureren Frankens die Treue halten, erhöhen ihre Nachfrage mit der Zeit wieder. Doch es kommt zu einer Niveauverschiebung: Die Konsumenten halten ihr Geld und Unternehmen Investitionen zurück. Die sinkende Beschäftigung wird die Konjunktur noch bis Ende 2016 belasten. Deshalb rechnen die Wirtschaftsforscher auch 2016 im günstigsten Fall mit einer Stagnation des Wirtschaftswachstums.

Kommentare

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  1. Samson sagt:

    Wieviele Währungsaufwertungen hat Deutschland in der Vergangenheit mit der Deutschen Mark gemacht und es wurde immer besser mit der Wirtschaftslage???

    Ich bin sicher die Schweiz wird sehr stark von dem Vertrauen profitieren was sie weltweit hat. Das ist auch der Grund das immer noch verstärkt in der Schweiz Geld angelegt wird obwohl ein Strafzins von minus 0,75% zu zahlen ist.

    Es wird deshalb sie kritisch berichtet, weil andere Länder in Europa fürchten das Beispiel könnte Schule machen. Also wird überall negatives über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz berichtet.

    Jammern gehört zum Geschäft, die Bauern in Deutschland können das auch gut.

    Wer hört schon noch auf die Lügenpresse???
    Die Naiven werden immer weniger weil es ein weltweites Erwachen gibt.

    Sagt sogar Z. Brzezinski, Ex Sicherheitsberater von Präsident Clinton,
    „worldwide Awakening“ sah er schon vor Jahren.