Telefonfirma Sunrise drängt an die Schweizer Börse

Im Februar will der zweitgrößte Telekom-Anbieter der Schweiz an die Börse gehen. Sunrise bietet neben Mobilfunk- und Festnetz- auch Fernsehdienste an. Mit dem Börsengang könnte Sunrise bis zu 3,3 Milliarden Franken einnehmen.

In der Schweiz läuft der größte Börsengang (IPO) seit über acht Jahren an. Aktionäre können in den kommenden Wochen Aktien des Telekom-Konzerns Sunrise für bis zu 1,94 Milliarden Franken kaufen, wie der zweitgrößte Schweizer Anbieter am Dienstag mitteilte. Anlocken will der Konzern die Anleger vor allem mit dem Versprechen einer hohen und stabilen Dividende. Als ersten Handelstag peilt Sunrise den 6. Februar an.

Das Umfeld für Börsengänge der Branche hat sich zuletzt aufgehellt. So feierte Deutschlands drittgrößter Kabelnetzbetreiber Tele Columbus in der vergangenen Woche einen erfolgreichen Einstand an der Börse. Die früher strikt getrennte Telekom- und Kabelnetzbranche überschneidet sich dank des technologischen Fortschritts immer stärker. Während immer mehr Kabelfernsehgesellschaften ins Telefon- und Internet-Geschäft drängen, bieten Telekom-Konzerne wie Sunrise inzwischen auch Fernsehen an.

Bei den Titeln der Kabel- und Telekomgesellschaften greifen die Anleger vor allem zu, weil das Geschäft nur geringen Schwankungen unterworfen ist. Der Finanzinvestor CVC, der derzeit über 90 Prozent der Sunrise-Anteile hält, wagt mit Sunrise daher trotz des durchwachsenen Umfelds den ersten Börsengang in der Schweiz im laufenden Jahr. Der Finanzinvestor stellt nur einen Teil der Aktien zum Verkauf, der überwiegende Teil der angebotenen Papiere stammt aus einer Kapitalerhöhung. Sunrise will rund 1,35 Milliarden Franken einsammeln und damit vor allem Schulden abbauen. Schon für das laufende Jahr sollen die Aktionäre Dividenden von mindestens 135 Millionen Franken einstreichen können. Ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum verspricht das Unternehmen dagegen nicht.

Sunrise bietet die Aktien in einer Preisspanne von 58 bis 78 Franken pro Titel an. Werden die Aktien zum Maximalpreis platziert, kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von bis zu 3,3 Milliarden Franken.

Swisscom ist fast zehn Mal mehr wert, denn der Marktführer ist deutlich profitabler. Sunrise erzielte im Geschäftsjahr 2013/14 bei einem Umsatz von zwei Milliarden Franken einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 621 Millionen Franken. Bei den Marktanteilen liegen die beiden deutlich näher zusammen als bei der Bewertung. Der frühere Monopolist kontrolliert 54 Prozent des Mobilfunkmarktes und 80 Prozent des Breitbandmarktes. Für Sunrise nennt die Aufsichtsbehörde ComCom Marktanteile von 27 beziehungsweise 14 Prozent.

Die Nummer drei, Orange, wurde Ende 2014 vom französischen Telekom-Milliardär Xavier Niel für mehr als zwei Milliarden Euro gekauft. Eine Fusion von Sunrise und Orange war 2010 am Widerstand der Schweizer Kartellwächter gescheitert. Branchenvertretern zufolge könnte ein erneuter Versuch bei den Behörden inzwischen eher Zustimmung finden. Ein kurzfristiger Verkauf statt eines Börsengangs, wie das der Schweizer Kabelnetzbetreiber Cablecom vor einigen Jahren durchexerziert hatte, ist CVC zufolge aber praktisch ausgeschlossen. „Wir verhandeln mit niemandem“, erklärte CVC-Partner Lorne Someville am Rande einer Pressekonferenz.

Der letzte größere Börsengang ging in der Schweiz 2006 über die Bühne. Damals nahm der inzwischen pleitegegangene Raffineriebetreiber Petroplus knapp drei Milliarden Franken ein. Der Sunrise-IPO wird von der Deutschen Bank und der UBS organisiert.

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