Bankkunden erhalten 13 Milliarden aus illegalen Kreditgebühren zurück

Unternehmen und Privatkunden können sich auf eine Rückzahlung von Gebühren für Bankkredite freuen. Insgesamt müssen die Banken 13 Milliarden Euro zurückzahlen. Das Urteil belastet neben der Deutschen Bank auch die Santander, Credit Plus, Teambank und die Targobank.

Zahlreiche deutsche Geldhäuser müssen sich wegen zu Unrecht erhobener Kreditgebühren auf hohe Belastungen einstellen. Die Deutsche Bank, die aus diesem Grund im vergangenen Jahr mehr als 400 Millionen Euro zur Seite gelegt hat, ist aus Sicht von Experten nur die Spitze des Eisbergs. „Die deutschen Banken müssen wegen des Urteils Gebühren von bis zu 13 Milliarden Euro zurückzahlen“, sagte Rechtsexperte Christoph Herrmann von Stiftung Warentest. Neben der Deutschen Bank seien die Targobank, die Santander Consumer Bank, Credit Plus, die Teambank sowie die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe am stärksten betroffen. Auch die Commerzbank wird 2014 Rückstellungen bilden müssen, diese werden Insidern zufolge aber geringer ausfallen als bei der Deutschen Bank. Die Commerzbank äußerte sich dazu nicht und verwies auf ihre Bilanzpressekonferenz am 12. Februar.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Oktober entschieden, dass Banken jahrelang zu Unrecht Bearbeitungsgebühren kassierten, wenn sie Ratenkredite für Autos oder Fernseher vergaben. Diese Gebühren, die üblicherweise zwei Prozent der Darlehenssumme ausmachten, dürfen Kunden rückwirkend ab 2004 zurückfordern. Sie hatten bis Ende vergangenen Jahres Zeit, die Ansprüche bei den Banken anzumelden – mehr als 100.000 haben davon Gebrauch gemacht. „Viele Geldhäuser sind mit dem Ansturm der Kunden offenbar überlastet“, sagt Herrmann. „Sie haben zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und Telefon-Hotlines eingerichtet, aber die kommen häufig mit der Arbeit nicht nach.“

Die Stiftung Warentest ist nach dem Grundsatzurteil überzeugt, dass weitere BGH-Entscheidungen folgen, die den Banken zusätzliche Schmerzen bereiten. „Ich rechne damit, dass der Bundesgerichtshof auch Darlehensgebühren für Geschäftskunden und beim Abschluss von Bausparverträgen für unwirksam erklären wird“, sagt Herrmann. „Gleiches könnte auch bei KfW -Förderkrediten passieren, beispielsweise zur Finanzierung des Studiums oder von Immobilien.“

Wie stark das Urteil zu Konsumentenkrediten einzelnen Banken zusetzt, zeigt sich, wenn die Institute in den kommenden Wochen ihre Zahlen für 2014 präsentieren. Bei der Targobank sind die Rückstellungen Finanzkreisen zufolge geringer als bei der Deutschen Bank. Das Institut habe das vergangene Jahr trotz der Belastungen mit einem „klar positiven Ergebnis“ abgeschlossen, sagte ein Insider. Die Bank erklärte, sie werde sich dazu erst bei der Vorlage ihrer Jahreszahlen im März äußern.

Santander ist noch dabei, die Anträge auf Erstattung der Gebühren zu bearbeiten. „Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so dass wir noch keine Auskunft über Erstattungsvolumen geben können“, erklärte ein Sprecher. Die für ihren „EasyCredit“ bekannte Teambank, die Konsumentenkredite über Volks- und Raiffeisenbanken vergibt, sei von dem Thema „nur zum Teil“ betroffen, sagte eine Sprecherin. Das Institut habe die Bearbeitungsgebühren bereits 2010 abgeschafft.

Bei den Sparkassen sind rund 9.000 Erstattungsanträge eingegangen. Das sei wenig im Vergleich zu den mehr als 100.000 Beschwerden bei Privatbanken, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes DSGV. „Sparkassen gehören nicht zu den Instituten, die in erster Linie betroffen sind.“ Auch die Münchener HypoVereinsbank (HVB) erwartet keine großen Belastungen. „Das Volumen der berechtigten Forderungen dürfte vor allem im Marktvergleich bei uns eher überschaubar sein“, sagte ein Sprecher. Von der Credit-Agricole -Tochter Credit Plus und der Bank Deutsches KfZ-Gewerbe war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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