Karstadt senkt Personalkosten und streicht über 1.200 Stellen

Die Pläne für Jobabbau bei Karstadt werden konkreter. Die Zahl der Vollbeschäftigten wird um 1.271 reduziert. Dadurch sollen 64 Millionen Euro gespart werden. Berichte, dass neue Warenservice-Teams nach niedrigen Logistik-Tarifen bezahlt werden sollen, wies der Konzern zurück.

Update:

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist Berichten entgegengetreten, sie wolle einen Teil ihrer Mitarbeiter künftig nach in der Logistikbranche üblichen Tarifen bezahlen. „Es besteht nicht die Absicht und es wurde bis jetzt auch zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass Mitarbeiter von Karstadt nach Tarifen der Logistikbranche bezahlt werden“, teilte ein von dem Einzelhandelsriesen beauftragter Anwalt am Montag mit. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte über eine mögliche Orientierung am Logistik-Tarif berichtet, unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters hatte eine entsprechende Vorabmeldung des Blatts übernommen. Die Logistik-Tarife liegen unter denen des Einzelhandels. Eine Bezahlung nach Tarifen der Logistikbranche bei Karstadt sei „innerhalb der bestehenden Struktur“ auch rechtlich nicht möglich, teilte Anwalt Christian Schertz weiter mit.

Die Gewerkschaft Verdi hatte Karstadt bereits im Januar vor weiteren Einschnitten beim Personal gewarnt. Es gebe Pläne, dass Kundenberater künftig Regale auffüllen sollten, hatte die Gewerkschaft damals erklärt. Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes hatte gesagt, rund 1.100 Mitarbeiter seien von den Sparplänen betroffen. Karstadt hatte dies nicht kommentieren wollen. Karstadt-Vertriebschef Thomas Wanke hatte in einem Magazin für die Karstadt-Mitarbeiter erklärt, Wettbewerber wie Kaufhof erzielten indes „bei deutlich höherer Produktivität bessere Ergebnisse als wir“. Es müsse dann beraten werden, wenn der Kunde dies wünsche – und das sei „nicht in allen Abteilungen und an allen Wochentagen gleich stark ausgeprägt.“ Karstadt hatte bereits beklagt, Wettbewerber seien mit rund 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher. Das Management hat die Belegschaft auf harte Einschnitte vorbereitet.

Bis 2016 solle die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in den Filialen um 1.271 auf 8.170 reduziert werden, berichtete die SZ unter Berufung auf ein geheimes 32-seitiges Zukunftskonzept. Dadurch sollten die Personalkosten um 64 Millionen auf 308 Millionen Euro gesenkt werden.

Zudem sollten die Mitarbeiter in drei Gruppen aufgeteilt werden: Verkäufer, Kassierer und neu geschaffene Warenservice-Teams, die vor allem die Ware auspacken und in die Regale räumen sollen. Die Beschäftigten der Warenservice-Teams könnten dann nach den deutlich niedrigeren Tarifen für die Logistikbranche bezahlt werden, sagten Insider dem Blatt. Vor solchen Plänen hatte die Gewerkschaft Verdi bereits gewarnt. Es sei kontraproduktiv, wenn Kundenberater künftig Regale auffüllten. Service und Beratung seien die Stärken eines Kaufhauses.

Einen ähnlichen Tarifkonflikt gibt es auch bei dem Versandhändler Amazon, der sich an den Regelungen der Logistikbranche orientiert. Verdi fordert jedoch den Einzel- und Versandhandel als Maßstab, der mehr bezahlt. Die Mitarbeiter haben deshalb bereits mehrfach gestreikt.

Auch die Post setzt auf billige Arbeitskräfte im Logistik-Bereich.

Kommentare

Dieser Artikel hat 6 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Uwe Thomas sagt:

    Andauernd höre ich von Kostensenkungen…, und es trifft immer den kleinen Mann.

    Durch die kalte Progression schrumpfen die Sparguthaben…
    Die Kaufkraft nimmt auch immer mehr ab…
    Die Arbeitsentgelte schrumpfen auch immer mehr…

    …aber wir sollen immer mehr konsumieren…, nur von was denn bitte?

    Bei irgendwem läuft da im Oberstübchen irgend etwas nicht richtig, so meine Vermutung…

    • MissSophie sagt:

      Nun stellen Sie sich mal nicht so an… schließlich muß der Kaufpreis zügist wieder eingefahren werden und das passiert nicht, wenn die armen Aktionäre / Besitzer nun am Hungertuch nagen . Da müssen wir alle mit anpacken !
      *Ironie *

  2. ariovist sagt:

    Es lohnt sich, diesen Film anzusehen, der im Internet immer noch abgerufen werden kann: https://www.youtube.com/watch?v=-hoey5UiXVc

  3. Dietlef sagt:

    In unseren Billiglohnland wird ja schon ein Stundenmindestlohn von 8,50 Euro als zu Hoch kritisiert, damit lebt man hier so gut wie der durchschnitt in Bulgarien. Man kann dazu nur sagen, hier ist ein Einkauf bei Amazon schon mit Monatelangen Sparen verbunden, sofern es nur eine Kleinigkeit ist.

    Läden wie Karstadt braucht dann auch wirklich keiner mehr.

  4. Alfred Beer sagt:

    War kommt als Nächstes.
    Bin im Verkaufsaußendienst tätig.

    Wenn ich zum Kunden fahre – Bezahlung nach Logistik Tarif.
    Wenn ich den Kunden berate – Bezahlung auf Beraterbasis.
    Wenn ich was verkaufe – Bezahlung nach Handels Tarif.

    Eines der Hauptprobleme die wir haben sind „unsere“ ( ich habe sie nicht gewählt ) BERUFSPOLITIKER.

    Wenn wir die nicht los werden dann ist der Niedergang nicht mehr aufzuhalten.
    Die werden von den Konzernen und Banken geschmiert ( begünstigt), und haben alle Zeit der Welt sich jahrzehntelang die Taschen zu füllen.
    Diese Leute höhlen den Staat aus !!!

    Was soll ich mit Leuten über 70 die nicht in Pension gehen wollen, mir ist ja klar wieso sie nicht gehen wollen, die haben beide Hände in den Geldtöpfen der Allgemeinheit.
    Zwangspensionierung wenn nötig.

    Liebe Leute wacht auf !!
    Holt Euch euer Geld von den Konten, dann ist sofort Schluss mit dieser Sklavenpolitik.
    Denn in Wahrheit haben sie uns zu modernen Sklaven gemacht !!

    • Friedel Stumpf sagt:

      Wenn auch nur 10% Ihrem Vorschlag folgen bricht das System innerhalb eines Tages zusammen. Diese Machtfuelle die jeder hat ist den meisten nicht bewusst und unsere Poltiker tun Alles um das Volk weiterhin dumm zu halten.