Schweizer Firmen von Franken-Aufwertung überrascht

Der Schweizer Einkaufsmanager-Index sinkt unterhalb die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das ist der stärkste Einbruch seit sieben Jahren. Unternehmen in der Schweiz wurden von der Aufwertung des Franken überrascht. Sie glauben nicht an eine schnelle Abwertung des Franken.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken durch die Schweizer Notenbank hat die meisten Firmen in der Eidgenossenschaft kalt erwischt. Drei Viertel waren am 15. Januar nicht gegen eine Aufwertung der Währung abgesichert, wie eine Umfrage zur Erhebung des Schweizer Einkaufsmanagersindex ergab. Entsprechend stark seien die Firmen von dem Schritt der SNB betroffen, erklärten am Montag Konjunkturexperten der Credit Suisse, die den Index erhebt.

Der PMI sank um 5,3 Punkte auf 48,2 Zähler unter die Schwelle, die Wachstum signalisiert. Es war der stärkste Rückgang seit November 2008, als die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte. Der Euro, der nach der Aufhebung der Kursuntergrenze Mitte Januar auf unter einen Franken gesunken war, notierte zuletzt bei knapp 1,06 Franken.

Nur 20 Prozent der Unternehmen nutzten die Möglichkeit, sich mittels Finanzprodukten abzusichern. Die wenigsten Unternehmen rechneten mit einer Aufgabe der Wechselkursuntergrenze durch die SNB. Deshalb sind die Unternehmen von der sprunghaften Währungsaufwertung „stark negativ“ getroffen worden, schreiben die Autoren in der Studie zum Einkaufsmanager-Index der Schweiz.

Nur knapp die Hälfte (48%) der befragten Unternehmen geht davon aus, dass sich der Franken in den nächsten 12 Monaten wieder abwerten wird. Die knappe Mehrheit der Unternehmen plant, dass der Franken-Euro-Kurs noch mindestens ein Jahr lang nahe der Parität verharrt.

Eine weitere Aufwertung des Franken gilt als wahrscheinlich. Die Schweizer Nationalbank (SNB) soll jedoch inoffiziellen Angaben zufolge weiterhin eine Mindestkurs-Politik verfolgen. Die SNB will am Devisenmarkt intervenieren und die Währung in einem Korridor von 1,05 bis 1,10 Franken zum Euro halten.

Schweizer Unternehmen kaufen schon heute mehr in Euro (45%) ein als in Franken (42%). Auf US-Dollar lauten knapp 10 Prozent der Einkäufe. Kein Unternehmen kauft ausnahmslos in Franken ein. Demnach verfügen sämtliche befragten Unternehmen über eine natürliche Absicherung und sie profitieren von günstigeren Einkaufspreisen. Der Studie zufolge „spart die Industrie im Einkauf dank der Frankenaufwertung von 18 Prozent rund 13 Milliarden Schweizer Franken“.

Der EUR-Anteil im Einkauf dürfte zudem weiter steigen: Zwei Drittel der Unternehmen planen ihren Fremdwährungsanteil zu erhöhen. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat der Euro-Anteil der Unternehmen um zwei Prozentpunkte zugenommen.

Knapp die Hälfte der Verkäufe wird in Schweizer Franken fakturiert (46%). Eine Frankenaufwertung von 18 Prozent schmälert die Verkaufserträge um beinahe 31 Milliarden Schweizer Franken. Wechselkursverlust beträgt geschätzt 18 Milliarden. Der Verlust im Verkauf überwiegt demnach die Einsparungen im Einkauf bei Weitem: Hochgerechnet beträgt das Minus rund CHF 18 Milliarden. Dieser Wert entspricht rund drei Prozent der nominalen Wertschöpfung oder 5 Prozent des Bruttoproduktionswerts der hiesigen Industrie.

Der Druck auf Lieferanten steigt. Die große Mehrheit der Unternehmen (85%) hat bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der Frankenaufwertung zu mildern. Die am häufigsten genannten Maßnahmen sind Gespräche über Preisnachlässe mit den Lieferanten. Doch nur 16 Prozent der befragten Unternehmen gewähren ihren Kunden Preisnachlässe oder verrechnen Verkäufe zu günstigen Wechselkursen. Etwas mehr als jedes zehnte Unternehmen (14%) plant eine Verlagerung ins Ausland oder hat unmittelbar einen Investitions- bzw. Einstellungsstopp verhängt.

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