Maschinenbauer Voith investiert in „Industrie 4.0“-Technik

Voith verkauft die Sparte Industriedienstleistungen, in der gut 18.000 Angestellte beschäftigt sind. Im Papiermaschinenbau und in der Verwaltung werden Stellen abgebaut. Der Maschinenbauer macht sich fit für den Einzug des Internets in die Industrie.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Voith reagiert mit einem radikalen Umbau auf den Vormarsch des Internets in der Industrie. Voith wolle sich künftig auf das Entwickeln und Herstellen von Maschinen konzentrieren, die die Anforderungen des als „Industrie 4.0″ bezeichneten Digitalisierungstrends erfüllten, sagte Firmenchef Hubert Lienhard am Montag.

Der Familienkonzern aus dem schwäbischen Heidenheim biete seine Sparte Industriedienstleistungen mit gut 18.000 Beschäftigen zum Verkauf an, bestätigte Lienhard einen Bericht der Heidenheimer Zeitung. Denn das Service-Geschäft, nach Mitarbeitern das größte der vier Voith-Geschäftsfelder, ist personalintensiv und wirft nur wenig Gewinn ab: Bei gut einer Milliarde Euro Umsatz betrug der operative Gewinn im vergangenen Jahr nur 20 Millionen Euro.

Zu den Industriedienstleistungen gehören Wartungs- und Montagearbeiten für Branchen wie die Autoindustrie, Energie- und Chemieunternehmen sowie den Flugzeug- und Schienenfahrzeugbau. Es sei offen, ob die Sparte als Ganzes oder in Teilen verkauft werde, sagte Lienhard. Unter schwindender Nachfrage der Industrie nach Dienstleistungen hat auch der MDax-Konzern Bilfinger zu leiden. Für Neubau und Instandhaltung von Kraftwerken wird in Deutschland seit der Energiewende immer weniger ausgegeben. Die Chemieindustrie trat wegen der schwachen Konjunktur auf die Bremse.

Wie schon früher angekündigt, baut Voith außerdem Stellen im kaum profitablen Papiermaschinenbau und in der Verwaltung ab. Dies sei schmerzhaft, aber notwendig, sagte Lienhard, der zuvor die Belegschaft über die Stellenstreichungen informiert hatte. In den vergangenen zehn Jahren habe sich das globale Marktpotenzial im Papiermaschinenbau auf 1,7 Milliarden Euro halbiert. Wegen des Auftragseinbruchs werden weltweit 1.000 von 8.400 Jobs wegfallen, der Großteil davon in Deutschland. In der Verwaltung sind es weitere 600 Stellen. Sie werden überflüssig, weil Verwaltungsaufgaben in regionalen Zentren gebündelt werden. Mit einem Sparprogramm will Voith bis zum 150-jährigen Firmenjubiläum in zwei Jahren 250 Millionen Euro Kosten senken. Die Umstrukturierung koste nun allerdings einen dreistelligen Millionenbetrag, sagte Lienhard.

Seine Beschäftigtenzahl von zuletzt gut 39.000 wird Voith damit halbieren. Mit einem Umsatz von insgesamt 5,35 Milliarden Euro hatten die Schwaben unter dem Strich im vergangenen Geschäftsjahr 41 Millionen Euro verdient nach 65 Millionen Euro im Jahr zuvor. Lienhard baut den Technologiekonzern schon länger um. Im vergangenen Jahr hatte er die Industriewartungs-Tochter DIW an Strabag verkauft. Um sich auf Digitalisierung der Industrie einzustellen, war Voith andererseits mit gut 25 Prozent beim Roboterhersteller Kuka eingestiegen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.