Deutschlands Mitte zieht es in den Norden

Die Deutschen leben am liebsten in Norddeutschland, in der Mitte sinkt die Zahl der Einwohner stetig. Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland verlieren in den nächsten zehn Jahren die Einwohner einer mittleren Großstadt.

Eine neue Studie dokumentiert, wo es die Bundesbürger innerhalb Deutschland am liebsten hinzieht. Betrachtet man die Trends der letzten zehn Jahre, ergibt sich laut der Studie von der Studentenvermittlung Jobruf im Ergebnis eine Zweiteilung. Während der Norden und der Osten Deutschlands stetig an Beliebtheit gewinnen, zeigt der Trend für die Mitte und den Süden Deutschlands nach unten. Auch im Osten und Süden Deutschlands zeichnet sich eine Trendwende ab.

Besonders dramatisch ist die Lage in den Bundesländern der Mitte Deutschlands. Setzt sich die beobachtete Entwicklung fort, verlören Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in den nächsten zehn Jahren mehr als die Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt. Nach Ansicht der Autoren spielt es dabei keine Rolle, dass diese Bundesländer absolut gesehen noch vor wenigen Jahren einen deutlichen Zuzugsüberschuss aufwiesen. „Jede Umzugsentscheidung wird individuell getroffen ohne Rücksicht auf die Entscheidung anderer. Im Zeitverlauf gibt es immer weniger Umzugsentscheidungen Richtung Mitte und Süden Deutschlands“, erklärt Lutz Hafkemeyer, Geschäftsführer der Agentur. Für eine Beurteilung der zukünftigen Entwicklung sei somit lediglich der Trend entscheidend.

In der Studie werden lediglich Binnenwanderungen betrachtet. „Tatsächlich wird die Entwicklung in der öffentlichen Wahrnehmung wahrscheinlich dadurch unterschätzt, dass in die Umzugsbewegungen häufig das Ausland mit einbezogen wird“, so Hafkemeyer. Unter Einbeziehung von Zuzügen aus dem oder Wegzügen in das Ausland würde sich für die mittleren und süddeutschen Bundesländer eine ganz andere Situation ergeben.

Die Studie geht ebenfalls der Frage nach, was die Inländer in den Norden Deutschlands treibt. Die Autoren vermuten im Wesentlichen, dass der Freizeitwert dahinter steckt. Die Menschen könnten sich in Zeiten guter wirtschaftlicher Entwicklung immer mehr leisten, Standortfragen in die Arbeitsplatzentscheidung einfließen zu lassen.

Dies würde für Arbeitnehmer und Selbständige gleichermaßen gelten. Insbesondere Selbständige seien ohnehin durch die technische Entwicklung frei in der Wahl des Arbeitsortes. Immer mehr Firmen fänden ihre Kunden über das Internet und ein Arbeitsplatz benötige häufig wenig mehr als Laptop und Internetanschluss.

Um dem „Ausbluten der Mitte“ entgegenzuwirken, könnten die Bundesländer, die von Wegzügen bedroht sind, verstärkt um Zuzüge aus dem Ausland werben. Einen Wettbewerb um inländische Einwohner könnten die Bundesländer nur verlieren, so die Studie. Jede Aktion, Einwohner zu gewinnen, würde für jedes Bundesland gleichermaßen gelten, so dass wieder der geografische Vorteil für attraktive Regionen übrig bliebe.

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