Aufträge der Industrie erreichen Vorkrisen-Niveau

Die deutsche Industrie erhält wieder mehr Aufträge. Die Bestellungen steigen um 4,2 Prozent, das ist das größte Auftragsvolumen seit April 2008. Die Nachfrage nach Maschinen und Autos steigt langsam wieder. Im Maschinenbau bleibt die Gefahr von Stellenabbau und Umstrukturierungen dennoch bestehen, da das Wachstum überwiegend durch den schwachen Euro ausgelöst wird.

Die deutsche Industrie hat zum Jahresende das größte Auftragsplus seit Juli eingefahren. Zudem sammelten die Betriebe so viele Bestellungen ein wie seit April 2008 nicht mehr, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das Neugeschäft legte im Dezember um 4,2 Prozent zu und damit fast dreimal so stark wie von Experten erwartet. Die Industrie hat nach Ansicht des Ministeriums und von Ökonomen damit ihre Schwächephase überwunden.

Im November waren die Aufträge noch um 2,4 Prozent gesunken. Im Dezember sorgten sowohl das Exportgeschäft (plus 4,8 Prozent) als auch die Binnenkonjunktur (plus 3,4 Prozent) für spürbar mehr Nachfrage. Vor allem die Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und anderen Investitionsgütern „Made in Germany“ legte kräftig um 5,7 Prozent zu. Aus der Euro-Zone gab es hier sogar den zweiten Monat in Folge ein Auftragsplus von mehr als neun Prozent. „Einige Länder scheinen wieder mehr investieren zu wollen“, sagte BayernLB-Expertin Christiane von Berg. Maschinenbauer versuchen, sich auf das Zeitalter Industrie 4.0 vorzubereiten, bleiben aber vor Stellenabbau und Umstrukturierungen nicht verschon.

Zuletzt hatte sich auch das Ifo-Geschäftsklima zum dritten Mal in Folge aufgehellt. Ende 2014 hatte das Bruttoinlandsprodukt nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes um rund 0,25 Prozent zugelegt. „Die Stagnation im Sommerhalbjahr war nur eine Schwächephase, die nun dank des schwächeren Euro und des billigeren Öls überwunden wird“, „, sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Im gesamten vierten Quartal zogen die Aufträge um 1,8 Prozent zum Sommer an. Vor allem die Auto-Branche trug mit einem kräftigen Plus von acht Prozent dazu bei, wie das Ministerium betonte. Auch Daimler schnitt besser ab als von Experten erwartet. Der Stuttgarter Autobauer verdiente im Gesamtjahr 2014 dank glänzender Verkaufszahlen deutlich mehr Geld. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem laufenden Geschäft stieg um rund ein Viertel auf 10,1 Milliarden Euro.

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