Österreicher bekommen keine Hilfe für fällige Frankenkredite

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling hat Finanzhilfen für Franken-Kreditnehmer abgelehnt. Er wolle nicht diejenigen bestrafen, die rechtzeitig ausgestiegen sind. Kreditnehmer müssen auf eine Fristverlängerung der Banken hoffen. Doch auch die sind durch die Kredite angeschlagen.

Hundertausende Österreicher haben sich mit Franken-Krediten nach dessen Aufwertung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) verzockt und hohe Schulden angehäuft. Aufgrund der angespannten Situation waren zunächst staatliche Hilfen für die Frankenkreditnehmer im Gespräch. Doch ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling will nicht die Kreditnehmer bestrafen, die rechtzeitig ausgestiegen sind. Daher werde es einem ORF-Bericht zufolge „keine staatliche Hilfe bei Franken-Krediten“ geben, so der Finanzminister.

Eine Angestellte erklärt der Nachrichtenagentur Reuters den Frankenkredit: Für den Kauf einer Wohnung brauchte sie einen Geld. Bekannte erzählen ihr von ihrem eigenen günstigen Darlehen in Schweizer Franken und vermitteln ihr einen Finanzberater. Dieser arrangiert für die Frau nicht nur einen Kredit bei einer Bank, sondern verkauft ihr zusätzlich einen Fonds. In den soll sie regelmäßig einzahlen –und mit den so erzielten Erträgen die Schulden nach zwanzig Jahren auf einen Schlag begleichen.

Doch das Kalkül geht nicht auf: Nach der Aufwertung des Franken zum Euro steigt nicht nur die Kreditsumme, die die Angestellte der Bank zurückzahlen muss; auch der Fonds hat in der Finanzkrise an Wert verloren und reicht bei weitem nicht aus für den Schuldendienst – im Gegenteil. „Mittlerweile habe ich einen Verlust von rund 50.000 Euro“, sagt die Kreditnehmerin, die anonym bleiben will. „Mein Fall ist exemplarisch für viele, denen das genauso passiert ist.“

Zu Boomzeiten kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 machten Frankenkredite etwa ein Drittel aller in Österreich vergebenen Privatdarlehen aus. Nach Warnungen und Verboten der Aufseher sank die Zahl der Betroffenen um knapp die Hälfte auf aktuell 150.000. Österreich nimmt damit einen Spitzenplatz in Europa ein: Ende November lag das Volumen der Frankenkredite insgesamt bei umgerechnet 29,5 Milliarden Euro. Nur in Polen fiel die Summe mit umgerechnet 30,4 Milliarden Euro noch höher aus.

Die Idee der Frankenkredite entstand vor etwa 20 Jahren im westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg. Dort pendeln viele Menschen zur Arbeit über die Grenze in die Schweiz und verfügen über Einkommen in Franken. Finanzberater, die bei der Vermittlung eines Kredits mit einem Fondssparmodell hohe Prämien kassierten, sorgten für die Verbreitung im ganzen Land. Noch heute haben nach Angaben der Finanzmarktaufsicht FMA drei von vier Haushalten ihren Kredit mit einem Rückzahlungsmodell über einen Fonds oder eine Lebensversicherung kombiniert.

Dieses Kombi-Modell dürfte nach Einschätzung der Aufseher eine österreichische Erfindung sein. Viele der für die Tilgung des Kredits gedachten Sparpläne seien von völlig unrealistischen Renditen von sechs bis neun Prozent pro Jahr ausgegangen, sagt Christian Prantner von der Arbeitnehmer-Interessensvertretung Arbeiterkammer. Sie würden „mit Sicherheit“ nicht die Erträge abwerfen, zu denen sie beworben und verkauft wurden.

Das Problem ist keineswegs begrenzt auf die Alpenrepublik. Österreichische Banken exportierten das Modell wegen des großen Erfolgs in der Heimat auch nach Osteuropa. Das könnte jetzt zu einem Bumerang werden: Sollten die Menschen in Österreich und Osteuropa ihre Franken-Kredite nicht zurückzahlen können, dürfte das nach Einschätzung von Ratingagenturen auch für die Institute ein Problem werden. Vor allem Erste Bank, UniCredit Bank Austria und Raiffeisen Bank International wurden von der Rating-Agentur Standard & Pooor’s auf eine Beobachtungs-Liste gesetzt.

Den Tiefpunkt für die ohnehin bereits gebeutelten Franken-Kreditnehmer markierte die unerwartete Abkehr der Schweizer Nationalbank von ihrem lange verteidigten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken Mitte Januar. Die Gemeinschaftswährung sackte in der Folge binnen Minuten um ein Viertel ab. Und die Absicherung versagte völlig. Um in einem solchen Extremfall gegen Verluste gewappnet zu sein, hatten viele Kreditnehmer sogenannte Stopp-Loss-Limits gesetzt: Bei einem Kurs von knapp unter 1,20 Franken sollten ihre Kredite automatisch in Euro gewandelt werden. Alle drei Bankengruppen könnten bis zu zwei Stufen herabgesetzt werden, berichtet die Nachrichten-Webseite Die Presse.com.

Doch der Kursrutsch ereignete sich so rasend schnell, dass die Banken nicht rechtzeitig reagieren konnten. Viele Darlehen wurden erst bei Kursen von einem Franken pro Euro umgewandelt – ein Schock für die Schuldner. Der Fall beschäftigt nun Juristen – und Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Er will nach Gesprächen mit den Banken der Betroffenen schnell eine Lösung präsentieren. Eine Möglichkeit wäre, die Frankenkredite in längerfristige Finanzprodukte umzuschulden.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    KEINE STAATLICHE HILFE BEI FRANKEN-KREDITEN
    Um nicht die rechtzeitig Ausgestiegenen aus den Franken-Krediten zu benachteiligen ist eine Ausrede. Bei den derzeitigen Budget-Verhandlungen fehlen Milliarden. Nachdem bereits zwei Finanzminister zurückgetreten sind, wurde Schelling nominiert. Er ist ein guter Manager, kann aber nur Masseverwalter der bankrotten Repuplik sein !

  2. Jürgen Kunz sagt:

    Richtig so. Allein der geäußerte Wunsch, der Staat oder der Weihnachtsmann sollen helfen, wenn die Frankenspekulation daneben ging, ist bezeichnend für die Empfängermentalität mancher Leute.
    Dabei weiß doch jedes Kind: wenn ich in einer anderen Währung einen Kredit aufnehme
    (weil dieser billiger ist wie in heimischer Währung) dann musss ich auch ein Währungsrisiko tragen! Das ist und bleibt daher eine Spekulation.
    Außerdem war doch klar, dass der Franken eine Fluchtwährung darstellt und schon von daher zur Aufwertung neigt.