Strompreis: EU-Kommissar prüft zu hohe Steuern und Gebühren

Der Vizepräsident der EU-Kommission hat angekündigt, die EU-Energiepolitik neu auszurichten. Der Binnenmarkt der EU sei zu zersplittert und der Strom zu teuer. Sefcovic werde auch vor rechtlichen Schritten nicht zurückschrecken, um das zu ändern.

Der Vizepräsident der Europäische Kommission, Maros Sefcovic, hat sich für eine Neuausrichtung der EU-Energiepolitik ausgesprochen. „Wir müssen im Strommarkt praktisch noch einmal von vorne anfangen und den Markt neu konzipieren“, sagte Sefcovic der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Trotz jahrelanger Bekenntnisse zu offenen Energiemärkten sei der Binnenmarkt in der Europäischen Union nach wie vor stark zersplittert. Er werde auch vor rechtlichen Schritten nicht zurückschrecken, um das zu ändern, so der EU-Kommissar für die Energieunion.

Sefcovic kritisierte zudem, dass der Strompreis zu hoch für viele Endkunden sei. Er kündigte an, dass die Kommission prüfen werde, inwieweit Durchleitungsgebühren und Steuern die Energiepreise unnötig nach oben trieben.

„Für den Erfolg der Energiewende ist es entscheidend, dass sich der Strommarkt flexibilisiert. Damit kann sich das Marktsystem auf die Erneuerbaren Energien ausrichten und die Erneuerbaren können zugleich mehr Verantwortung übernehmen“, sagt  Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Die Flexibilisierung des Strommarktes sei die wesentliche Grundlage für die kosteneffiziente Nutzung von Strom aus wetterabhängigen Quellen wie Sonne und Wind.

Um die saubere Energiegewinnung rasch und kosteneffizient weiter auszubauen, stehe bereits jetzt eine Vielzahl technischer Möglichkeiten zur Verfügung. Die Synchronisierung von Erzeugung und Verbrauch auf der Nachfrageseite senke Kosten und baut Markthemmnisse ab, so Falk.

In der Studie zum Thema Strommarkt-Flexibilsierung werden Hemmnisse und Lösungskonzepte untersucht. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Energieerzeugung umso sicherer und preiswerter wird, je direkter Preissignale auf die Nachfrage seitens der Unternehmenskunden einwirken. Thorsten Lenck, Energy Brainpool, sagt, „mit dem Abbau von Flexibilitätshemmnissen sowie der Dynamisierung ausgewählter Bestandteile des Endkundenpreises haben wir marktwirtschaftlich konforme und wirkungsvolle Hebel identifiziert“. Das bedeutet, in Zeiten starker Nachfrage die Preise zu erhöhen und in Zeiten geringer Nachfrage sie über entsprechende Preissignale anzukurbeln. „Die Kostenvorteile der Stromerzeugung aus Erneuerbaren können so an den Endkunden weitergegeben werden.“

Malte Jansen vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel zufolge, könne die Stromnachfrage systematisch und dauerhaft an die fluktuierende Erzeugung von Wind- und Solarenergie angepasst werden. Das senke sowohl die residuale Spitzenlast wie auch den Bedarf an gesicherter konventioneller Leistung erheblich. Die Dynamisierung der Strompreisbestandteile rege ein solches Verhalten bei verschieden flexiblen Verbrauchen an. So könnten Schwankungen in der Stromproduktion bei entsprechenden Preissignalen ausgeglichen werden anstatt sie zu exportieren. Das könne zum Beispiel durch Industrieanlagen geschehen, die ihren Energieverbrauch kurzfristig verschieben.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Werner sagt:

    Recht hat er! Hoffentlich kann Sefcovic die deutschen Wucherpreisen senken. Hoffnungen habe ich wenig. Jahrelang treibt die Bundesregierung mit einer verlogenen Energiepolitik im Interesse einer fremden Macht die Strompreise hoch. Das Ergebnis ist die Ausbeutung der Kunden und Schädigung der Wirtschaft, um deren Wettbewerbsfähigkeit in fremden Interesse zu senken.