Anteil der Akademiker unter den Firmen-Gründern steigt

Die Zahl der Firmengründer in Deutschland sinkt, der Anteil der Akademiker hingegen steigt. Akademiker sind meist in den freien Berufen tätig. Gründungen aus dem wissenschaftlichen Betrieb der Uni haben das größte Innovationspotenzial in allen Gründergruppen. Sie können dem demografischen Wandel entgegenwirken.

Die Zahl der Gründer in Deutschland sinkt stetig. 2001 waren es 2,9 Prozent der Bevölkerung, die ein Unternehmen gegründet haben. Im Jahr 2013 ist dieser Anteil auf 1,7 Prozent abgesunken. Der Anteil der Hochschulabsolventen unter den Gründern steigt indes stetig. Sie werden Ärzte, Anwälte oder Architekten.

Der demografische Wandel lässt die Zahlen der Gründer auch in Zukunft sinken. Die Wirtschaft braucht deshalb Gründer mit hoher Innovationskraft, denn das ist für die Volkswirtschaft am besten, heißt es in einem Forschungsbericht der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

„Die Zahl der Absolventen, die eine Hochschule mit einem ersten Abschluss verlassen, hat sich seit 2001 nahezu verdoppelt und lag 2012 bei fast 310.000“, schreibt die KfW. Das liegt daran, dass auch die Nachfrage nach Berufseinsteigern mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium zwischen 2007 und 2013 von 14 auf 20 Prozent deutlich gestiegen ist.

Mit der Qualifikation steigt auch die Gründungsneigung. 2013 haben 2,4 Prozent aller Hochschulabsolventen ein Unternehmen gegründet. Gemessen an allen Gründern beträgt der Anteil der Hochschulabsolventen 29 Prozent. Im Jahr 2013 gab es bei den Akademikern 14 Prozent mehr Gründer als vor dem Jahr 2007. Auch die Finanzkrise hat diesen Trend nicht negativ beeinflusst. Die KfW geht davon aus, dass Akademiker durch ihr Gründerverhalten dem demografischen Wandel entgegenwirken.

Gemessen an der Marktneuheit der Produkte sind Akademiker nicht innovativer als andere Gründer. Aus den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Fächer) kommen zahlreiche Innovationen. Absolventen von MINT-Studiengängen starten dementsprechend häufiger mit einer Marktneuheit als Rechts- oder Wirtschaftswissenschaftler. In Bezug auf die Gesamtgründerzahl sind MINT-Gründer unterrepräsentiert, da sie nur ein Viertel aller Hochschulgründer ausmachen.

„Nur etwa 5 Prozent aller Gründer mit Hochschulabschluss starten ihr Projekt aus einer Tätigkeit als Professor, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter einer Hochschule oder eines Forschungsinstitutes heraus“, schreibt die KfW. Doch diese Gruppe hat das höchsten Innovationspotenzial. Jedes zweite Produkt ist eine Welt- oder Deutschlandneuheit. Dabei gibt es bei dieser Gründergruppe kaum eine konkrete Gründungsidee. Vielmehr entwickeln sich die meisten Ideen aus der Berufspraxis.

Mehr als die Hälfte aller Hochschulgründer (53%) entwickelt eine Idee, die ihrer persönlichen oder beruflichen Erfahrung entspricht. Sie erkennen eine Nachfrage, die nicht bedient wird (57%). Nur 12 Prozent haben eine eigene Erfindung, die die Gründung eines Unternehmens nach sich zieht.

Die Brachenverteilung ist eindeutig: Acht von zehn Akademikergründern werden Dienstleister, bei denen ohne Hochschulabschluss liegt der Anteil bei nur 61 Prozent. Die Studien bereiten auf Berufsfelder wie Ärzte, Anwälte, Physiotherapeuten oder Lehrer vor.

Ansonsten gibt es kaum Unterschiede zwischen Akedemikern und Nicht-Akademikern, wenn man mal auf die Spezialausbildung durch die Universität absieht. Innovationskraft und Frauenteil sind sich sehr ähnlich, genauso wie der Anteil der Teamgründer, die Anzahl der Mitarbeiter und der Umsatz der beiden Gründergruppen.

Akademiker brauchen selten nur 5.000, meistens bis zu 10.000 Euro, um ihr Unternehmen zu starten. Sie decken ihren Finanzbedarf überwiegend aus ihren eigenen Reserven. Die größten Sorgen sehen sie in bürokratischen Hürden, in der Akquise von Aufträgen sowie in der Herstellung von Kundenkontakten. Durch ihr Studium haben Akademiker zwar Fachkompetenzen, unternehmerisches Wissen steht jedoch nicht im Vordergrund.

Hochschulabsolventen fällt es schwer, ihre berufliche Tätigkeit für die Gründung eines Unternehmens aufzugeben. Sie verdienen meist überdurchschnittlich und fürchten eine zu hohe Belastung für ihre Familie oder die Partnerschaft.

Im internationalen Vergleich sind deutsche Akademiker nicht besonders gründungsfreundlich. „Eine Intensivierung der Gründungsförderung an den Hochschulen scheint hier der richtige Weg“, schreibt die KfW.

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