Springer und Zeitungsverlage greifen Immoscout24 an

Die Internetportale Immowelt und Immonet von der Axel Springer AG fusionieren. Damit schaffen sie das zweitgrößte Immobilien-Portal für den deutschen Markt.Immobilienscout24 bleibt jedoch bis auf weiteres Marktführer. Die hohen Kosten des Deals werden den Gewinn der Springer AG in den kommenden Jahren drücken.

Axel Springer und mehrere Regionalzeitungsverlage wollen mit der Fusion ihrer Immobilienportale dem Marktführer Immobilienscout24 auf die Pelle rücken. Springers Immonet und der Konkurrent Immowelt, die sich bisher ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei geliefert haben, würden zusammengelegt, teilte der Herausgeber von Bild und Welt am Mittwoch mit. „Gemeinsam wollen wir weiter investieren und wachsen“, erklärte Springer-Vorstand Andreas Wiele.

Die Tochter Axel Springer Digital Classifieds werde 55 Prozent an der Gemeinschaftsfirma halten, die bisherigen Eigentümer von Immowelt die restlichen 45 Prozent. Für die Mehrheit zahlt das Berliner Verlagshaus 131 Millionen Euro. Analysten sprachen von einem sinnvollen Deal, einige Experten wie Harald Heider von der DZ Bank bezeichneten die Summe aber als „etwas teuer“.

Bisherige Immowelt-Gesellschafter sind die Gründer Carsten Schlabritz und Jürgen Roth sowie die beiden Verlagsgruppen Ippen (Münchner Merkur) und die Rheinische Post über die markt.gruppe, einer Holding von Job-, Auto- und Kleinanzeigenportalen im Internet. Die Verlage versuchen Boden im Geschäft mit diesen Anzeigenrubriken gutzumachen, weil sie durch das Internet hier einen großen Teil des lukrativen Geschäfts an Webportale verloren haben. Wer eine Auto oder eine Wohnung kaufen will oder einen Job sucht, greift eben kaum noch zur Zeitung, sondern recherchiert im Internet.

Der Zusammenschluss werde die Position der Portale, die zusammen mit 420 Millionen Euro bewertet werden, auf dem heimischen Immobilienmarkt deutlich stärken, sagte Immowelt-Chef Schlabritz, der auch das neue Unternehmen leiten soll: „Mit der Fusion werden Immowelt und Immonet über die beiden Standorte Nürnberg und Hamburg hinweg gemeinsam zur starken Nummer zwei auf dem deutschen Online-Immobilienmarkt“, so Schlabritz.

Auch nach der Fusion liegen die Herausforderer aber hinter dem Marktführer, der mehrheitlich dem Finanzinvestor Hellman & Friedman gehört: Zusammen kommen sie auf rund sechs Millionen Nutzer pro Monat – Immoscout24 auf etwa acht Millionen. Die Telekom hatte ihre Mehrheit an der Internet-Anzeigengruppe Scout24, zu der auch Portale wie FriendScout24 oder Autoscout24 gehören, 2013 für 1,5 Milliarden Euro an die Amerikaner verkauft.

Springer hatte damals auch ein Auge auf Scout24 geworfen, war aber wegen des hohen Preises ausgestiegen. „Dass sie Immoscout24 gut kennen, verschafft Ihnen nun einen leichten Vorteil“, sagte Stefan Wimmer vom Bankhaus Metzler. Die Fusion von Immowelt und Immonet werde sich in den ersten beiden Jahren aber noch nicht so positiv im Springer-Ergebnis niederschlagen. „Denn es dürften höhere Werbungskosten anstehen, um das Wachstum zu forcieren.“

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