Zu teuer: Versicherungen verweigern Schutz bei Cyber-Attacken

Versicherer bezeichnen das finanzielle Risiko bei globalen Cyber-Attacken als unbezahlbar. Stattdessen sollen die Steuerzahler in die Haftung genommen werden. Solch hohe Verbindlichkeiten zu managen sei Aufgabe von Regierungen, nicht Versicherungen.

Versicherer halten das Risiko für Cyber-Attacken inzwischen für so hoch, dass sie es nicht mehr abdecken können. Stattdessen fordern sie von den Regierungen, für die Risiken zu haften. Dies sagte der Chef der Versicherung Catlin, dem größten Versicherer auf dem Londoner Versicherungsmarkt Lloyds of London.

Tags zuvor hatte der US-Gesundheitsversicherer Anthem bekannt gemacht, dass Hacker sein System geknackt und in einem „sehr ausgefeilten Angriff“ Sozialversicherungsnummern und Einkommensdetails der Kunden und Mitarbeiter gestohlen hätten. Stephen Catlin, Gründer der Catlin-Versicherung, nannte Cyber-Sicherheit das „größte Systemrisiko“, das ihm in seiner 42-jährigen Versicherungskarriere begegnet sei, so ein Bericht der Financial Times.

„Unsere Bilanzen sind nicht groß genug, um dafür zu bezahlen“, so der Gründer von Catlin. Solche großen Verbindlichkeiten zu managen, sei demnach Aufgabe von Regierungen, nicht von Versicherungen.

Viele Versicherer hegen ähnliche Vorbehalte, wenn es darum geht, Cyber-Security-Risiken zu beziffern. Einige Versicherungs-Chefs sprechen jedoch auch von einer wachsenden Zahl elektronischer Einfälle für Produkte, die Möglichkeiten für die Branche bergen, um mehr Versicherungen zu verkaufen.

Mehrere Versicherer bieten Cyber-Versicherungspolicen an, die Unternehmen dabei helfen sollen, die Kosten bei der Erstellung forensischer Untersuchungen gegen Cyber-Attacken oder bei der Verteidigung in Gerichtsverfahren zu tragen. Allerdings sind die Deckungssummen stark beschränkt und die Versicherungsprämien tendenziell enorm hoch.

Die Cyber-Risiken seien schwer einzuschätzen, da sie schwer in ein berechenbares Modell zu bringen und zudem von ungewöhnlich systemischer Natur seien. Eine Schwachstelle in einer weit verbreiteten Software könne weltweit ganze Systeme zum Einsturz bringen. Das mache die Sparte anfällig für weltweit zeitgleiche Multimilliarden-Dollar-Forderungen. „Es ist möglich, den gleichen Ausfall auf der ganzen Welt zu haben“, so Catlin. Traditionelle Risiken wie etwa Naturkatastrophen seien zumindest räumlich begrenzt.

Regierungen hatten bereits für Anti-Terror-Versicherungen einspringen müssen, weil die Versicherer sich weigerten, die Risiken von Terror-Angriffen zu übernehmen. Cyber Security berge allerdings im Vergleich mit Terrorismus noch weitaus größere Risiken, so Catlin.

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