Fracking trägt keinen Teil zur Energiewende bei

Umweltorganisationen kritisieren den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Thema Fracking. Die Ausweitung der Technologie auf Schiefer- und Kohleflözgestein sei nicht mit der Energiewende vereinbar. Die Bundesregierung solle sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energieressourcen konzentrieren. Es gebe noch zu wenige Kenntnisse über die Umweltauswirkungen von Fracking.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält den von Bundesumweltministerin Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Gabriel vorgelegten Gesetzentwurf zum Fracking für lückenhaft und rechtsstaatlich fragwürdig. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation fordert ein umfassendes Verbot von Fracking in Schiefer- und Kohleflözgestein und strengere Vorschriften für Fracking im Sandgestein. Die beiden Ministerien haben im Dezember 2014 einen Entwurf für ein Gesetzespaket zum Fracking vorgelegt.

„Fracking im Schiefer- und Kohleflözgestein ist mit erheblichen Risiken für den Wasserhaushalt und die Stabilität des Untergrundes verbunden und wurde in Deutschland noch nie durchgeführt“, sagte Sascha Müller-Kenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, im Rahmen einer Verbändeanhörung im Bundespresseamt in Berlin Stellung. „Es jetzt zu ermöglichen, ist aus umwelt- und energiepolitischer Sicht nicht nachvollziehbar.“ Die Technologie leiste keinen Beitrag zur Energiewende. Der energiewirtschaftliche Nutzen des Verfahrens stehe nicht im Verhältnis zu den schon jetzt absehbaren Risiken. „Anstatt sich um die Erforschung und Förderung weiterer fossiler Ressourcen in Deutschland zu bemühen, sollte sich die Bundesregierung auf die konsequente Umsetzung der Energiewende konzentrieren“, so Müller-Kraenner weiter.

Der Gesetzentwurf erlaubt Fracking-Vorhaben in Schiefer- und Kohleflözgestein ab einer Tiefe von 3.000 Metern. Außerdem soll die Methode auch oberhalb von 3.000 Metern erprobt werden. Ob die Risiken des Fracking beherrschbar sind und es oberhalb von 3.000 Metern zu kommerziellen Zwecken zugelassen werden kann, soll ein Gremium von sechs von der Bundesregierung eingesetzten Experten bewerten. Nach Auffassung der DUH delegiert die Bundesregierung den staatlichen Schutzauftrag damit an eine Kommission, deren Neutralität in Frage steht und die in keiner Weise demokratisch legitimiert ist. Drei der sechs benannten Institutionen haben sich in der Vergangenheit bereits für den Einsatz der umstrittenen Technologie ausgesprochen.

Für Fracking im Sandgestein, das laut Gesetzentwurf weiterhin erlaubt sein soll, fordert die DUH weitreichende Nachbesserungen. „Wir wissen immer noch viel zu wenig über die Umweltauswirkungen. Deshalb brauchen wir strengere Regelungen und konkrete Vorgaben für Fracking im Sandgestein. Es darf nicht den zuständigen Genehmigungsbehörden überlassen werden, zahlreiche Risiken zu bewerten und offene Fragen zu beantworten“, sagte Cornelia Nicklas, Leiterin Umweltrecht der DUH. Der Gesetzentwurf sollte Fracking grundsätzlich in allen Gebieten der öffentlichen und privaten Wasserversorgung verbieten und eindeutige Kriterien zum Umgang mit Lagerstättenwasser und Frackflüssigkeiten festlegen.

Die BASF -Tochter Wintershall hat zur Sicherung der Gasförderung in Deutschland klare gesetzliche Regelungen gefordert. „Die Erdgasproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut um rund sechs Prozent zurückgegangen“, erklärte die Kasseler Öl- und Gasgesellschaft im Januar. Ursache hierfür sei, dass wegen der Diskussion um Schiefergas seit mehr als drei Jahren auch in der konventionellen Gasförderung kein Projekt mehr genehmigt werde, das den Einsatz von Fracking erfordere. Bei dem sogenannten Hydraulic Fracturing handele es sich nicht um eine neue Methode, sondern um ein Verfahren, das seit Jahrzehnten in Deutschland sicher angewandt werde.

Gut ein Drittel des in Deutschland geförderten konventionellen Erdgases werde auf diese Weise zu Tage gebracht, erläuterte der Leiter der Wintershall-Aktivitäten in Deutschland, Andreas Scheck. Durch den derzeitigen Genehmigungsstau werde jedoch die etablierte Erdgasförderung blockiert. In Deutschland würden nur noch elf Prozent des Erdgasbedarfs aus heimischen Quellen gedeckt. Vor 15 Jahren sei der Anteil noch doppelt so hoch gewesen. Neben der Versorgungssicherheit seien auch Arbeitsplätze gefährdet, vor allem in Niedersachsen, wo rund 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert werde.

Die Industrie benötige einen verlässlichen Rechtsrahmen, sagte Scheck. Dabei müssten die etablierte Förderung aus konventionellen Lagerstätten und die Förderung von Schiefergas getrennt betrachtet werden. Schiefergas müsse in Deutschland zunächst wissenschaftlich erprobt werden. Schätzungen gingen von 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmetern Schiefergas in Deutschland aus. Theoretisch könne damit die heimische Förderung für weitere 100 Jahre auf dem jetzigen Niveau bleiben.

Die Schiefergasförderung ist allerdings umstritten. Denn bei dem dabei angewendeten unkonventionellen Fracking-Verfahren werden Wasser und Chemikalien bei hohem Druck unter Tage gepresst, um Gas aus dem Schiefergestein zu lösen. Kritiker befürchten massive Umweltbelastungen – etwa beim Trinkwasser. Zudem muss der Rückfluss des Gemisches entsorgt werden, was unter Umweltgesichtspunkten ebenfalls als bedenklich gilt. Mögliche Folgeschäden des Verfahrens sind überdies bislang kaum untersucht.

Auch in den USA gehen die Genehmigungen von Fracking zurück. US-Ölproduzenten befanden sich in den vergangenen Jahren in einem Konkurrenz-Kampf um die besten Schieferöl-Vorkommen. Doch der Fracking-Boom stößt an seine Grenzen. Die Erteilung von Fracking-Lizenzen ist im vergangenen Monat in Bezug auf zwölf der wichtigsten amerikanischen Schiefer-Gesteine um 15 Prozent zurückgegangen.Im September erteilte der US-Bundesstaat Texas insgesamt 934 Förder-Genehmigungen. Das war ein landesweiter Monats-Rekord. Doch im Oktober fiel diese Anzahl auf 885 Genehmigungen zurück.

Bei Energie-Analysten herrscht Einigkeit darüber, dass die Fracking-Industrie in den USA in der ersten Hälfte des kommenden Jahres stabile Produktions-Ergebnisse erzielen wird. Einige Öl-Unternehmen weisen darauf hin, dass ein Rückgang bei der Produktion aufgehalten werden könnte. Jedenfalls fahren die Unternehmen mit dem Aufkauf von Bohrgeräten fort.

Kommentare

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  1. karl sagt:

    Gewinngier aus dem Raub an Naturschätzen, welches sich erst in seinem Schaden an der Menschheit in einigen Jahren zeigen wird, wenn es nichts mehr dergleichen auszubeuten gibt. Jedes Kilo Erdöl zu verbrennen, werden etwa 10 Kubikmeter unserer Atemluft verbrannt, weil das eben nichts kostet.
    Abhängigkeit davon kann jeder abschütteln,mittels Elektrischen Strom als Treibstoff, welcher aus der Sonnenenergie zu gewinnen möglich ist.

  2. fan sagt:

    DMN: „Es gebe noch zu wenige Kenntnisse über die Umweltauswirkungen von Fracking.“

    Das ist barer Unsinn – erst vor wenigen Monaten gab es eine Dokumentation bei ARTE eines Amerikaners, der über Jahrzehnte das Fracking in den USA dokumentiert hatte.

    Was von ihm gezeigt wurde, kann man nur als grausam und wahnsinnig bezeichnen: Landschafts-Zerstörung und Land-Raub, Umwelt-Zerstörung, Ausrottung von Tier- und Pflanzen-Arten, Grundwasser-Vergiftung und Versorgung der betroffenen Menschen und Lanwirtschafts-Betriebe mit Trinkwasser über Tankwagen, Menschen-Vertreibung mit Geld-Prämien und andere hinterhältige Maßnahmen.

    Es gäbe dazu noch Vieles zu sagen, aber die „Drei-Einigkeit“ von Politik, Banken und Medien funktioniert gegen die Bevölkerung wie geschmiert..!