Mittelstand verschwendet 10 Milliarden Euro für ungenutzte Software

Unternehmen sollten Mitarbeiter bei der Anschaffung neuer Software befragen. Sonst besteht die Möglichkeit, dass teuer Software ungenutzt herumliegt. So geben Mittelständler knapp 10 Milliarden Euro aus für ungenutzte Programme.

Die passende IT entscheidet heute wesentlich über den Erfolg oder den Misserfolg eines Unternehmens. Dabei gilt es, die Kosten für Inicht aus den Augen zu verlieren. Mittelständische Firmen verschwenden rund 9,6 Milliarden Euro in ganz Europa für Unternehmens-Software, die nicht genutzt wird, so eine Studie der Sage Software GmbH.

Damit die gekauften Lösungen mit dem Geschäftsbedarf übereinstimmen und später auch genutzt werden, sollten Entscheider nicht nur interne oder externe IT-Experten bei der Entscheidungsfindung ins Boot holen. Sie sollten auch die Mitarbeiter einbinden, die später mit der Software arbeiten. Und zwar bereits dann, wenn die Prozesse definiert werden. Diese Empfehlung befolgt der Studie zufolge nur gut die Hälfte der deutschen Betriebe (56 Prozent). Rund ein Drittel der Firmen (36 Prozent) beteiligen ihre Nutzer nur an einer oder zwei Phasen der Software-Auswahl. Und acht Prozent der Unternehmen fragen hierzulande ihre Mitarbeiter überhaupt nicht.

Nur 39 Prozent der deutschen Firmen, die im vergangenen Jahr eine Software gekauft haben, wenden diese laut Sage Studie zu 75 Prozent und mehr an. Bis zu 25 Prozent der letztjährig eingekauften Software wird bei einem Großteil der Firmen (61 Prozent) dagegen noch nicht genutzt. Je eher Mitarbeiter jedoch mit der neuen Software arbeiten, desto schneller rentiert sich die Investition. Daher sollten Firmen die Einführung einer neuen Software unbedingt mitbedenken und einplanen. Im Vorteil sind dabei jene Unternehmen, die ihre Anwendungsprogramme über die Cloud beziehen, weil hier der Betrieb schneller umgesetzt werden kann, ohne lange Installations-Zeiten. Aber auch dann müssen sie ihre Mitarbeiter zum Anwendungsstart unbedingt schulen.

Bei deutschen Firmen wird eine vollständige Software-Nutzung auch aufgrund fehlender Anwendertrainings (28 Prozent) und mangelnder IT-Kenntnisse (26 Prozent) verhindert. Unbedingt notwendig ist daher ein Einführungstraining durch Fachleute. Darüber hinaus sollte den Mitarbeitern ausreichend Zeit zum Lernen zur Verfügung stehen.

Neben dem Wunsch, sich nicht umgewöhnen zu müssen, spielt dabei auch eine Rolle, dass die Consumer-IT in der Regel intuitiv und einfach zu bedienen sein soll. Eine größtmögliche Einfachheit der Business-IT erhöht auf Anhieb die Akzeptanz der neuen Lösung bei den Nutzern und erleichtert den Einführungs- und Schulungsprozess. Moderne Software-Lösungen sollten zudem den internen Erfahrungsaustausch oder die Informationsweitergabe über Social-Media-Funktionen ermöglichen. Darüber hinaus sollten Unternehmen auch Lösungen bereitstellen, die mobil nutzbar und überall verfügbar sind.

In Deutschland kauft nur jeder vierte Mittelständler (27 Prozent) alle drei bis fünf Jahre Updates für seine Software. Ein Wert, der weit hinter dem europäischen Durchschnitt liegt, wo immerhin fast die Hälfte (47 Prozent) der Unternehmen  ihre Software in diesem Zeitraum updaten. Damit riskieren die Firmen hierzulande nicht nur Störungen in ihrer gesamten IT-Infrastruktur, was zu großer Unzufriedenheit und sinkender Akzeptanz bei den Anwendern führen kann. Darüber hinaus müssen Unternehmen bei einem kontinuierlichen Update ihrer Software weniger Zeit und Geld investieren, um ihre Prozesse auf dem neuesten Stand zu halten und laufen nicht Gefahr, gesetzliche Änderungen zu verschlafen.

Ein großes Problem ist für viele Firmen, dass Daten mehrfach erfasst und gepflegt werden. Das erhöht den Arbeitsaufwand und die Fehleranfälligkeit. Bei der Auswahl der Unternehmenssoftware sollte daher darauf geachtet werden, dass sich spezifische Kunden-Lösungen integrieren bzw. sich die intern und extern zur Verfügung stehenden Daten leicht einbinden lassen. Ohne Schnittstellen-Fähigkeit der eingesetzten Systeme haben Firmen in Zeiten von Machine-to-Machine-Kommunikation und Industrie 4.0 das Nachsehen.

Unternehmen in ganz Europa messen den Erfolg ihrer Software-Einführung. Dabei bilden die Verfügbarkeit des Services und die Auswirkungen des Einsatzes auf das Unternehmen die wichtigsten Maßstäbe. Doch nur jedes zehnte Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand (12 %) überprüft den Erfolg der Unternehmenssoftware.

Kommentare

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  1. Gerhard sagt:

    Wir haben in der Firma zur SEPA-Umstellung nacheinander sechs Programme der verschiedensten Hersteller gekauft, auch upgedatet etc. Niemand wollte diese Programme bedienen und am Ende auch wirklich damit arbeiten. Am Menschen vorbei entwickelter Softwaremüll, sonst nichts!

  2. Leopold sagt:

    Stimmt.
    Aber die Softwarehersteller aquirieren nun mal in den Chefetagen. Und dort ist wichtiger was die Konkurrenz auch hat. Der Mitarbeiter wird da seltenst gefragt.

  3. Dr. Z. Prister, Frankfurt sagt:

    Eine besonde Gruppe stellen die niedergelassenen Ärzte dar.
    Etwa 140.000 ambulanter Betriebe in Deutschland (Arztpraxen) benutzen zwangsweise EDV-Anlagen als Unterstützung bei der Abwicklung täglicher Prozesse und für die quartalsweise Abrechnung erbrachter Leistungen.
    Neben der Anschaffungskosten, fallen auch Gebühren für die Softwarepflege in der Höhe von ca 200.- Euro monatlich und mehr.
    Das macht für den ganzen Berufsstand mindestens 336 (dreihundertsechsunddreißig) Millionen Euro im Jahr aus.
    Tragisch ist, dass der Nutzungsgrad der EDV-Installation in einer Arztpraxis bei etwa 25-30 Prozent beträgt.
    Abgesehn davon, dass hier 200 Millionen Euro im Jahr durch den Schornstein verschwinden, fehlt den Praxen dadurch an Effizienz.
    Die Folgen sind Bekannt: langes Warten auf Termine und stundenlanges Sitzen im Wartezimmer.
    Das grosste Problem der Ärzte ist der fehlende Wille zur Schulung, was Sie im Artikel auch anmahnen.
    Für viele Probleme in der ambulanten medizinischen Versorgung gibt es einfache Lösungen: die nichtmedizinische Arbeit läßt man von der EDV erledigen; dann hat man als Arzt plötzlich viel Zeit für den Patienten.
    Dafür muß man sich schulen lassen.
    Hierfür gibt es viele Möglichkeiten – man (arzt) muss es nur wollen.

    Dr. Z. Prister
    Papierlose Hausarztpraxis
    Frankfurt