Weitere Immobilienfusion: Adler Real Estate kauft Westgrund

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt bahnt sich auch in der zweiten Reihe eine Übernahme an. Adler Real Estate übernimmt Westgrund mit 18.000 Wohnungen. Wohnimmobilien in Deutschland haben sich 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr.

Adler Real Estate kündigte am Montag an, die Rivalin Westgrund zu übernehmen. Die Offerte, die aus Cash und Aktien bestehen soll, dürfte insgesamt etwa 370 Millionen Euro kosten. Alles zusammengerechnet bekommen die Westgrund-Anteilseigner fünf Euro je Aktie – eine Prämie von etwa 20 Prozent auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 75 Prozent. Gut die Hälfte der Anteile habe sich Adler bereits gesichert, sagte ein Konzernsprecher. Denn etliche Großaktionäre hätten zugesagt, das Angebot anzunehmen. Bis zur Jahresmitte wollen die Hamburger die Transaktion abgeschlossen haben.

Auch das Westgrund-Management signalisierte Zustimmung. „Nach erster Einschätzung begrüßen der Vorstand und der Aufsichtsrat grundsätzlich das Angebot“, erklärte die Firma, deren Aktien in der Spitze um 30 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 6,12 Euro kletterten. Die Adler-Titel steigen gut fünf Prozent auf ein Rekordhoch von 11,09 Euro. Die vollständige Offerte soll in den nächsten vier Wochen vorgelegt werden. Adler plant zur Finanzierung des Deals auch eine Kapitalerhöhung.

Westgrund mit Sitz in Berlin galt in der Branche schon länger als Übernahmekandidat. Mit bundesweit etwa 18.000 Wohnungen war das Unternehmen bislang zu klein, um mit den anderen börsennotierten Wohnungsgesellschaften mithalten zu können. Nach der Übernahme hat der erweiterte Adler-Konzern insgesamt fast 52.000 Wohnungen im Bestand – und wird sich damit zur Nummer fünf auf dem Markt. Das jährliche operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) soll bei etwa 67 bis 70 Millionen Euro liegen.

Um zur Konkurrenz aufzuschließen, ist es aber noch ein langer Weg: So kündigte die Nummer zwei auf dem Markt, Deutsche Wohnen, am Sonntagabend die Übernahme der österreichischen Rivalin Conwert an. Das neue Unternehmen käme auf 175.000 Wohnungen. Marktführerin Deutsche Annington ist nach der Übernahme von Gagfah sogar doppelt so groß.

Wohnimmobilien in Deutschland haben sich 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Die Preise kletterten um fünf Prozent, wie am Montag aus dem vierteljährlichen Barometer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hervorging. Das ist der fünfte Anstieg in Folge und der größte seit Beginn der Datenerhebung 2003. Die Preise hätten sich seitdem um rund ein Viertel erhöht. „Die Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeimmobilien ist ungebrochen“, sagte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Wegen der niedrigen Zinsen und der stabilen Konjunktur seien in- und ausländische Anleger weiter an deutschen Immobilien interessiert. „Hält die Nachfrage unvermindert an, werden die Preise weiter anziehen.“

Tolckmitt betonte, die Entwicklung spiegele die große Attraktivität des deutschen Marktes wider. „Auf der anderen Seite dürfen die Risiken des Anlagedrucks – insbesondere auf den gewerblichen Immobilienmärkten – nicht unterschätzt werden.“ Denn hier könnte es eine „Korrektur“ an der Preisfront geben, wenn größere institutionelle Anleger den Märkten wieder den Rücken kehrten, hieß es beim vdp. Demnach stiegen die Preise für Gewerbeimmobilien im vorigen Jahr um 3,8 Prozent, nach 4,7 Prozent 2013. Im vierten Quartal 2014 lag das Plus binnen Jahresfrist sogar nur bei 2,4 Prozent und war damit nur noch halb so groß wie im Frühjahr 2014. Dieser Markt verliere leicht an Schwung, erklärte der vdp und begründete dies mit Büroimmobilien. Denn hier hätten die Neuvermietungen zum Jahresende kaum noch zugelegt.

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise investieren Anleger und private Hausbauer wegen der niedrigen Zinsen verstärkt in Immobilien und treiben damit die Preise. Trotz „Überbewertungen“ in einigen Großstädten sieht die Bundesbank hier aber keine flächendeckende Blase.

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