Schwacher Euro bremst Innovationskraft deutscher Unternehmen

OECD-Generalsekretär Stefan Kapferer fordert Unternehmen aus Deutschland dazu auf, mehr für Innovationen zu tun. Der schwache Euro werde sich zwar positiv auf die Exporte, jedoch negativ auf die Modernisierung der deutschen Wirtschaft auswirken.

Der schwache Euro könnte für die deutschen Firmen nach Auffassung des stellvertretenden OECD-Generalsekretärs Stefan Kapferer langfristig gefährlich werden. Kapferer schrieb im Handelsblatt vom Dienstag: „Kurzfristig könnte die deutsche Exportwirtschaft in der Tat so einen zusätzlichen Boom erfahren.“ Allerdings gelte auch: „Mit einem Euro im Sinkflug würde (…) ein Innovations- und Produktivitätstreiber der Vergangenheit entfallen.“ Dabei säßen die Hauptwettbewerber der deutschen Wirtschaft nicht in-, sondern außerhalb der Euro-Zone. Und die seien innovativ und produktiv. „Da hilft auf Dauer auch kein schwacher Euro“, schrieb Kapferer, der noch vor wenigen Monaten Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium war.

„Deutschlands Unternehmen brauchen neue Innovations- und Produktivitätstreiber“, forderte er daher. Der Euro werde das im Gegensatz zur alten D-Mark, die mit ihrem häufig bestehenden Aufwertungsdruck die deutsche Wirtschaft immer wieder zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gezwungen habe, nicht leisten können. Kapferer warnte daher davor, die kurzfristigen positiven Effekte des schwachen Euros für die deutsche Wirtschaft zu sehr zu betonen. Deutschland hat nach seinen Worten bereits in den Jahren nach der Finanzkrise von der Entwicklung an den Märkten profitiert. Die sogenannten windfall-profits seien aber nicht ausreichend für Reformen und Innovationen genutzt worden. „Auch nach der EZB-Entscheidung zugunsten von Anleihenkäufen wird in Europa weiter Deutschland der Hauptprofiteur eines schwachen Euros sein“, stellte er fest. Das aber habe auch seine Schattenseiten.

Der Erwartung auf eine rasche Beschleunigung der deutschen Konjunktur, die sich aktuell in vielen Prognoserevisionen nach oben zeigt, hat laut KfW-ifo-Mittelstandsbarometer einen leichten Dämpfer erhalten: Mit 12,5 Saldenpunkten stagnierte das mittelständische Geschäftsklima im Januar exakt auf dem Dezemberniveau.

Der Rückgang der mittelständischen Geschäftserwartungen ist für sich genommen noch nicht dramatisch, denn der Indikator gibt damit nur einen Teil des vorangegangenen kräftigen Anstiegs wieder ab. Aber das Resultat zeigt, dass die allgemein erwartete Erholung kein Selbstläufer ist. „Niedriger Ölpreis und günstiger Euro reichen vielleicht nicht, den Konsum und die Investitionen deutscher Haushalte und Unternehmen noch deutlich weiter nach oben zu ziehen. Es droht stattdessen ein weiterer Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses.“, befürchtet Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

„Die Spannungen mit Russland nehmen nicht ab, die Verhandlungen mit Griechenland brauchen Zeit, und die seit Januar auch in Deutschland rückläufigen Verbraucherpreise dämpfen möglicherweise schon bald die Gewinnerwartungen der Unternehmen und engen die Spielräume für Lohnerhöhungen ein“, so Zeuner. Alles in allem sei das eine Gemengelage, in der sich die Firmen genau überlegen dürften, ob sie Investitionen wagen wollen. „Ein etwas dynamischeres Wirtschaftswachstum als das bisher von uns prognostizierte eine Prozent ist 2015 daher drin, mehr als eineinhalb Prozent sind jedoch nicht zu erwarten“, so Zeuner.

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