Unternehmen brauchen einheitliche Standards für Industrie 4.0

Die Vernetzung von einzelnen Maschinen genügt noch nicht für den Wechsel zur intelligenten Fabrik. Die deutsche Industrie braucht einheitliche Rahmenbedingungen in Europa in den Bereichen Digitalisierung, Datenschutz und Urheberrecht.

Industrievertreter forderten von der Politik eine stärkere europäische Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen für die Digitalisierung, etwa in den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht, Mehrwertsteuerrecht und elektronischer Handel. Es gehe hier nicht nur um eine wichtige Entwicklung für die deutsche Großindustrie, sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, am Dienstag auf einem Branchenkongress in Berlin.

„Wenn sich die mittelständischen Firmen diesem Trend verweigern, dann wird die starke deutsche mittelständische Industrie zukünftig Probleme kriegen.“ Robert-Bosch -Chef Volkmar Denner ergänzte, er sorge sich, dass dieses Thema, das unter dem Begriff „Industrie 4.0″ firmiert, beim Mittelstand weithin noch nicht angekommen sei. Das sei ein Risiko für alle Beteiligten.

Grillo schätzt die aktuelle Position Deutschlands beim Thema Digitalisierung und Vernetzung im weltweiten Vergleich als gut ein. Man liege vor großen Konkurrenten wie den USA, Südkorea, Japan und China. Der erstmals erhobene Deutsche Industrie 4.0 Index zeigt jedoch, dass neben Vernetzungs-Technologie vor allem effiziente Entwicklungs- und Fertigungsprozesse notwendig sind, um das unbestrittene Potenzial der intelligenten Fabrik wirklich zu heben. Für die Studie wurden im Auftrag der Unternehmensberatung Staufen 140 Industrieunternehmen in Deutschland befragt.

Dem Index zufolge erwarten fast 80 Prozent der Unternehmen, dass die vernetzte Fabrik sie vor allem in den Punkten Flexibilität und Termintreue nach vorn bringen wird. Dass diese Hoffnung allein durch technische Vernetzung nicht zu erfüllen sein wird, liegt auf der Hand. So lässt sich beispielsweise die strategische Priorisierung von Projekten und Produkten nicht automatisieren. Und auch die Überwindung mitunter vehement verteidigter Abteilungsgrenzen oder die Wandlung der Führungskräfte hin zu kommunikativen Coaches wird nicht dadurch erreicht, dass Werkstücke und Maschinen nun miteinander Daten austauschen.

„Unternehmen, die ihre Prozesse in Produktion, Entwicklung und Verwaltung in den vergangenen Jahren allerdings bereits verschlankt, Verschwendungen konsequent aufgespürt und störungsfreie Wertströme aufgebaut haben, sind auf dem Weg zur Industrie 4.0 hingegen oft schon weiter als von ihnen selbst vermutet“, so Staufen Berater Ulrich Frenzel. Andererseits gehen Innovationen im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung auch oft daneben. So haben Unternehmen aus dem Mittelstand über 10 Milliarden Euro für Software verschwendet, die im Betrieb gar nicht genutzt wird.

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