Auto-Zulieferer hoffen auf eine Erholung an Europas Automarkt

Zulieferbetriebe für die Auto-Industrie brauchen einen starken Markt in Europa, um dort weiterhin profitabel zu bleiben. Die Firma Norma konnte ihren Gewinn nur im Ausland steigern. Auch Zulieferer Grammer konzentriert sich auf neue Absatzmärkte in Südamerika. Der Ukraine-Konflikt und die schwache Wirtschaft in Europa haben dem Auto-Markt nachhaltig geschadet.

Der Industrie- und Autozulieferer Norma hat im vergangenen Jahr von der guten Konjunktur seiner Absatzbranchen und seinen Zukäufen profitiert. Der Umsatz kletterte binnen Jahresfrist um gut neun Prozent auf das Rekordniveau von 694,7 Millionen Euro, wie die Hessen am Mittwoch mitteilten. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) legte nach vorläufigen Zahlen um knapp acht Prozent auf 121,5 Millionen Euro zu. Vor allem im Schlussquartal hätten sich die Übernahmen der vergangenen beiden Jahre für den Spezialisten für Verbindungsschellen und Leitungstechnik gerechnet. Der Umsatz im Weihnachtsvierteljahr habe um gut 15 Prozent auf 176,2 Millionen Euro zugelegt, davon stammten rund 15 Millionen Euro aus den übernommenen Firmen.

Vorstandschef Werner Deggim zeigte sich für die Zukunft angesichts des Bedarfs an Wassernetzen im Ausland zuversichtlich. „Ressourcenknappheit wird weiter unser internationales Geschäft treiben, insbesondere der Mangel an Frischwasserversorgung. Dafür sind wir mit dem Zukauf des US-Spezialisten für Wassermanagement, National Diversified Sales Inc., optimal aufgestellt“, erklärte er. Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr gab Deggim noch nicht ab.

Doch nicht bei allen Auto-Zulieferern läuft es so gut. Wegen hoher Kosten für den Aus- und Umbau der weltweiten Produktion hat der Fahrzeugzulieferer Grammer 2014 weniger Gewinn gemacht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte laut vorläufigen Zahlen um eine Million auf rund 57 Millionen Euro, wie der Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Sitzen am Montag in Amberg mitteilte. So wird in Tschechien die Produktion in zwei neue Werke verlagert, in Nord- und Südamerika und in China läuft die Fertigung an neuen Standorten an. Abgeschlossen wird der Umbau, der 2014 allein zehn Millionen Euro kostete, erst im Laufe dieses Jahres. Zusätzlich wurde Grammer vom Rückgang in wichtigen Kernmärkten ausgebremst: In Brasilien schwächelte das Nutzfahrzeuggeschäft, zudem brach weltweit die Nachfrage nach Landmaschinen ein.

Die Sparte Seating Systems, die Sitze für Stapler, Lkw, Land- und Baumaschinen, Busse und Bahnen herstellt, kam deshalb beim Umsatz kaum vom Fleck. Weil das Geschäft mit Mittelkonsolen und Innenausstattung für Pkw deutlich besser lief, steigerte der Zulieferer den Konzernumsatz im vergangenen Jahr aber um sieben Prozent auf rund 1,36 Milliarden Euro. Grammer zählt in seiner Automotive-Sparte vor allem große Oberklasse-Autobauer zu seinen Kunden. So profitieren die Oberpfälzer vom meist deutlich schnelleren Wachstum im Premiumsegment, spüren aber den vollen Preisdruck der stets auf Sparen bedachten Hersteller. Im Auto-Segment ist die Marge deshalb niedriger als in der Sitze-Sparte.

Für 2015 geht Grammer davon aus, dass der Ausbau der weltweiten Kapazitäten nach wie vor auf dem Ergebnis des Automotive-Geschäfts lasten wird. Das Sitze-Segment habe weiter mit Schwankungen und Schwächen in seinen Kernmärkten zu kämpfen. Was dies für den Gewinn des gesamten Unternehmens bedeutet, blieb zunächst offen. Eine Prognose will Grammer einem Sprecher zufolge möglicherweise bei der Bilanzpressekonferenz am 30. März abgeben. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem Plus.

Die Zulieferer hoffen auf eine positive Entwicklung auf dem europäischen Auto-Markt. Billiges Benzin und die wirtschaftliche Erholung haben dem Pkw-Absatz in Europa zu Jahresanfang auf die Sprünge geholfen. Im Januar kamen knapp eine Million Wagen neu auf die Straßen der Europäischen Union, fast sieben Prozent mehr als vor einem Jahr, wie der Herstellerverband ACEA am Dienstag mitteilte. Damit legten die Neuzulassungen den 17. Monat in Folge zu. „Der europäische Automarkt hat nun die Talsohle hinter sich gelassen und verlässt langsam den Krisenmodus“, sagte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Angesichts einer Vielzahl von Krisen außerhalb Europas und der wachsenden Furcht vor Terroranschlägen bleibe die Unsicherheit jedoch groß.

Besonders stark stiegen die Neuzulassungen im Januar in einigen von der Euro-Schuldenkrise hart getroffenen Ländern: In Spanien, Portugal und Irland kletterte der Absatz jeweils um mehr als ein Fünftel. Sogar in Italien kauften die Menschen deutlich mehr neue Autos (plus elf Prozent).

Während die Neuregistrierungen in Westeuropa kräftig zulegten, war die Situation im Osten Europas deutlich weniger positiv. „Für die osteuropäischen Länder ist die Ukraine-Krise sehr nah und drückt auf die Konsumstimmung“, sagte Fuß. Dort werde sich die Stimmung wohl erst wieder spürbar verbessern, wenn der Konflikt beigelegt sei. In Russland brach die Pkw-Nachfrage um fast ein Viertel ein.

Trotz des erwarteten Anstiegs der Verkaufszahlen dürfte der Pkw-Absatz im laufenden Jahr in der EU weiter unter dem Niveau vor der Ausbruch der Finanzkrise liegen. Im Januar wurden nach Berechnungen von EY EU-weit 22 Prozent weniger Pkw neu registriert als im Vorkrisenjahr 2007. In Spanien und Italien seien sogar nur etwa halb so viele Neuwagen verkauft worden wie vor Ausbruch der Krise. Einzig Großbritannien und Deutschland lägen inzwischen wieder auf oder sogar über dem Niveau der Vorkrisenjahre.

Mit am stärksten profitieren konnten die deutschen Hersteller von der Erholung: Volkswagen, BMW und Daimler bauten ihren Marktanteil weiter aus. Alle drei legten im Januar stärker zu als der Gesamtmarkt: VW um 6,8 Prozent, BMW um 8,6 Prozent und Daimler sogar um 15 Prozent. Dagegen schrumpfte der Absatz von Peugeot (minus 1,4 Prozent) und Opel (minus 2,8 Prozent). Insgesamt wurden in den EU-Ländern und den drei Efta-Staaten Schweiz, Island und Norwegen eine Million Pkw neu zugelassen, ein Plus von 6,2 Prozent.

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