Kapitalmarkt-Union soll Finanzierung für Mittelstand vereinfachen

Die EU-Kommission will Firmen den Zugang zu mehr Geldquellen erleichtern. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen einfacher an Geld kommen. Eine Kapitalmarktunion soll die Barrieren zwischen Investoren und Investitionsmöglichkeiten abbauen.

Auf dem Weg zu neuen Geldquellen für Firmen startet die EU-Kommission eine Debatte über die geplante Kapitalmarktunion. Bis zum 13. Mai sollen Meinungen von Regierungen, Parlamenten, Unternehmen und anderen zu dem Thema eingeholt werden, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte. Sie richtete dafür eine Internetseite ein.

Ziel sei es, einen Aktionsplan bis zum Sommer zu erstellen und die Kapitalmarktunion bis 2019 auf den Weg zu bringen. „Während der 315 Milliarden Euro schwere Investmentplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Startschuss für mehr Wachstum und Jobs gibt, soll die Kapitalmarktunion Investitionen auf lange Sicht freisetzen“, sagte EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill. „Wir wollen die Barrieren zwischen Investoren und Investitionsmöglichkeiten abbauen.“ EU-Politiker, die deutschen Privatbanken und der Fondsverband BVI begrüßten den Ansatz des Vorhabens, Kritik kam dagegen von den Sparkassen.

Die Kommission will die Finanzierung für Unternehmen und Infrastrukturprojekte in ganz Europa erleichtern, kleinen und mittleren Unternehmen einen ebenso einfachen Zugang zu Krediten ermöglichen wie Großkonzernen und einen gemeinsamen Markt für den Kapitalverkehr schaffen. Auch der Markt für Verbriefungen soll stärker in Schwung kommen. Wegen der Euro-Schuldenkrise vergeben Banken vor allem in Südeuropa immer weniger Kredite an Firmen. So wurden 2013 in der gesamten EU laut Kommission 35 Prozent der Firmen nicht alle Finanzhilfen genehmigt, die sie beantragt hatten. Im schuldengeplagten Griechenland waren 2013 sogar 67 Prozent der Unternehmen davon betroffen, in Deutschland indes nur 13 Prozent. „Die Abhängigkeit der Unternehmen von der Finanzierung über Banken macht die europäische Wirtschaft verwundbarer, wenn die Kreditvergabe geringer wird“, sagte Hill.

Die EU-Kommission will mit der Kapitalmarktunion zudem kleineren und mittleren Unternehmen mehr Finanzierung über den Aktienmarkt ermöglichen. Vor zwei Jahren lag die Börsenkapitalisierung der Unternehmen in der EU nur bei 64,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während es in den USA 130 Prozent waren und in Japan 94 Prozent. Als eine Maßnahme schlägt die Brüsseler Behörde nun eine Vereinfachung der vorgeschriebenen Börsenprospekte vor. „Eine Entschlackung der Börsenprospekt-Richtlinie kann den Kapitalmarktzugang für kleinere Mittelständler verbessern“, sagte der EU-Abgeordnete Burkhard Balz (CDU). Zugleich mahnte er, dass die EU-Standards nicht nur auf angelsächsische Ansätze ausgerichtet werden dürften.

Nach Ansicht des Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, überschätzt die EU-Kommission den Nutzen ihrer Pläne für den Mittelstand. „Eine Stärkung der lokalen Hausbanken wäre der bessere Weg, um auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten mehr aussichtsreiche Geschäftsvorhaben zu finanzieren“. Mehr Chancen als Gefahren für ihre Geschäftsmodelle sehen dagegen die Privatbanken in der Kapitalmarktunion. „Ein einheitlicher europäischer Kapitalmarkt kann Wachstum fördern“, sagte der Präsident des Bankenverbandes und Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Er forderte aber zugleich eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa. EU-Abgeordnete von SPD und Grünen forderten bei der Umsetzung der Kommissions-Pläne den Schutz von mittelständischen Banken und Unternehmen ebenso im Blick zu haben wie den der Kleinanleger.

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