Snowden: NSA knackt Passwörter von Handy-Karten

Der US-Geheimdienst NSA hat die Passwörter von Sim-Karten des Unternehmens Gemalto geknackt. Dadurch kann die NSA Telefonate und Internetverbindungen von Handy-Nutzern auf der ganzen Welt abhören und analysieren. Gemalto arbeitet mit 450 Mobilfunkunternehmen weltweit zusammen.

Die Affäre um die Geheimdienste in den USA und Großbritannien könnte noch größere Ausmaße haben als bislang gedacht. Dem Nachrichtenportal Intercept zufolge haben sich NSA und das britische Pendant GCHQ Zugriff auf SIM-Karten des Anbieters Gemalto verschafft, der für alle großen Telekommunikationsunternehmen tätig ist. Die Geheimdienste hätten die Passwörter der Karten, mit denen Handy-Telefonate oder mobile Internet-Verbindungen verschlüsselt werden, geknackt. Damit könnten sie einen Großteil der Gespräche und des Datenaustausches rund um den Globus auch ohne Genehmigung von Behörden und Telekom-Firmen verfolgen, berichtete Intercept am Donnerstag unter Berufung auf Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Eine GCHQ-Sprecherin sagte, der Dienst äußere sich nicht dazu. Die NSA war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Bericht schickte Gemalto-Aktien am Freitag auf Talfahrt. Die Papiere des niederländisch-französischen Unternehmens fielen um bis zu zehn Prozent auf 65,43 Euro. Das ist einer der größten Kursstürze der Firmengeschichte. Sollten sich die Angriffe der Geheimdienste als wahr herausstellen, wäre dies für das Ansehen von Gemalto sehr schädlich, sagte ein Händler in Paris.

Gemalto, das unter anderem SIM-Karten für 450 Mobilfunk-Unternehmen herstellt, darunter die US-Anbieter Verizon und AT&T, wollte sich nicht äußern, ob es Opfer eines Hackerangriffs sei. Gemalto nehme den Bericht aber sehr ernst und habe Untersuchungen eingeleitet, sagte eine Sprecherin. Gemalto stellt auch digitale Sicherheitstechnik und Chips für Bank-Karten und biometrische Ausweise her.

Die Spähaktionen von NSA und GCHQ sind weltweit in die Kritik geraten. Die NSA-Affäre hat auch die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA belastet, weil selbst Kanzlerin Angela Merkel ins Visier der Geheimdienstler geraten ist.

Kommentare

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  1. Imma Fetta sagt:

    „Für Otto Normalverbraucher der nichts auf dem Kerbholz hat ist das kaum ein Problem“?

    Das Problem für den Otto N. ist, daß er sich nicht mehr wehren kann, wenn ihm die Regierung nicht gefällt, da er ständig überwacht wird. Das sind man totale Überwachung oder totale Diktatur.

    Der Otto braucht Privatspähre da er sonst kein Mensch mehr ist.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Natürlich sehr lästig wenn da potentiell einer ist, der alles mithören und lesen kann.
    Für Otto Normalverbraucher der nichts auf dem Kerbholz hat ist das kaum ein Problem.
    Alltagsgespräche und Kommunikation sind für den US Geheimdienst wohl kaum von Interesse. Die Datenflut ist einfach gigantisch.
    Für den Durchschnittsbürger sind die Kriminellen Hacker die deutlich grössere Gefahr.
    Extrem kritisch wird die Sache im Bereich Staatsinstitutionen.
    Ebenfalls sehr kritisch auch im Bereich sensibler Wirtschaftsdaten.
    Im Bereich Sicherheit ist die Sache hoch brisant.
    Solche Daten gehören nicht ins und über das Netz verschickt.
    Bleibt in diesen Bereichen nur die Suche nach Alternativen.
    Generell muss gelten das Netz ist öffentlich.
    Ziel der Netz- Anzapfung war vorrangig die Terrorbekämpfung der ,,Rest,,
    denn doch willkommener Beifang im Bereich Wirtschaft, Steuerflucht usw.
    Das Kernziel jedoch ist weitestgehend geplatzt.
    Beispiel:
    Die Machenschaften eines IS wurden erst mit dessen Militäroffensive
    offen sichtbar. Mann muss davon ausgehen das die längst auf
    anderen Wegen kommunizieren.
    Währe das Instrument so effizient sollte es doch ein leichtes sein,
    zb. den verheerenden Internationalen Drogenhandel auszutrocknen.
    Diese Gigaübung der USA dürfte sich letztlich als
    Megaschuss in den Ofen entpuppen.
    Den Wirtschaftlich ohnehin schwer angeschlagenen USA hilft auch das
    nicht wieder auf die Beine. Auch der Bedeutung‘ s und Macht- Verlust in der Welt
    ist damit nicht reparierbar.
    Freundliche Grüsse