Deutschland fällt als Standort für Unternehmen zurück

Deutschland ist kein guter Standort für Unternehmen. Die Steuerbelastung, die schlechte Infrastruktur und die ausufernde Bürokratie haben sich in neun Jahren nicht verbessert. Deutschland rangiert in Europa nur auf Platz zwölf, hinter Österreich und vor Polen. Italien, Frankreich und Spanien gehören zu den Schlusslichtern für Unternehmen.

Der Standort Deutschland hat sich für Unternehmen in den vergangenen neun Jahren stetig verschlechtert. Kritisch sind die Bereiche „Energie“ in puncto Verfügbarkeit und Preis, die schlechte Infrastruktur sowie der langsame Bürokratieabbau. Auch an der Steuerbelastung lässt sich dies ablesen.

So wurden die Entlastungen für Unternehmen nach der Steuerreform 2008 größtenteils durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45 Prozent zunichte gemacht. Auch die Erbschaftsteuerreform 2009 brachte kaum eine Verbesserung, ergibt der Länderindex Familienunternehmen 2014, der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erstellt wurde. Andere Länder wie Österreich haben die Erbschaftsteuer gänzlich abgeschafft oder wie die Niederlande reformiert. Daher fällt Deutschland auch in dieser Hinsicht zurück. Hier droht sich der Standortnachteil noch weiter zu verschärfen.

Eine positive Entwicklung gab es im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Diese hat sich vergleichbar mit der Schweiz aufgrund der günstigen Zinssituation als Zugpferd für Investitionen wie für die Innovationsfähigkeit erwiesen. Weitere Fortschritte zeigen sich im Bildungssystem, durch ein verbessertes PISA-Ranking.

Der administrative Aufwand der Unternehmen für ihre Steuererklärung ist im Verlauf der letzten Jahre im Vergleich zu anderen Ländern stetig angestiegen. Ein Unternehmen in Deutschland muss dafür im Schnitt 218 Stunden aufbringen, im Vereinigten Königreich halbiert sich der Zeitaufwand und ein Schweizer Unternehmen benötigt nur 63 Stunden. Deutschland belegt bei den Steuern in Europa nur Platz 13.

„Die in Deutschland erzielten moderaten Standortverbesserungen werden durch die neuen Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt beim Mindestlohn und die geplante Einschränkung der Zeitarbeit konterkariert“, ergänzt Friedrich Heinemann, Projektleiter des Länderindex im ZEW. Dass Deutschland insgesamt im Vergleich nicht stärker vorankomme, bezeichnete er als enttäuschend.

Deutschland fällt auch bei der Infrastruktur stetig zurück – der Abstand zu den Spitzenreitern wächst. Die qualitativen Bewertungen der deutschen Transportinfrastruktur sind in allen drei Teilbereichen (Straße, Schiene, Luftverkehr), am stärksten aber beim Schienenverkehr, kontinuierlich und deutlich schlechter geworden. Eine große Schwachstelle ist die Verbreitung der Mobilfunknetze und die verfügbare Internet-Bandbreite. Bei Letzterer ist Deutschland seit 2012 vom 9. auf den 15. Platz zurückgefallen. Wirtschaftsminister Gabriel plant, Teile der Infrastruktur zu privatisieren. Die Einnahmen durch die neue Pkw-Maut sollen weitere Entlastungen bringen.

„Der neue Länderindex dokumentiert ein zunehmendes Ungleichgewicht innerhalb der EU-Staaten. Die von der Politik gewünschte wirtschaftliche Angleichung ist weiter entfernt denn je. Dies führt unter den Mitgliedsstaaten zu immer schärferen Interessengegensätzen. Der Politik gelingt es bisher nicht, diese zu überbrücken“, erklärt Brun-Hagen Hennerkes, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Familienunternehmen.

Im Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit ist Italien einer der schlechtesten Standorte für Familienunternehmen. Das schwächste der untersuchten Länder kann seit Beginn der Standortanalyse im Jahre 2006 keine größeren Fortschritte vorweisen.

Mit Frankreich und Spanien gehören weitere wichtige EU-Staaten zu den Schlusslichtern. Insbesondere haben sich die Standortbedingungen in Frankreich weiter verschlechtert. „Falls sich der Abstieg der vorgenannten Länder fortsetzt, werden erhebliche Auswirkungen für die gesamte Eurozone befürchtet. Griechenland zeigt, welche hohe Ansteckungsgefahr bereits von der Krise eines kleinen, wirtschaftlich relativ unbedeutenden Staates auf die Gemeinschaft aller EU-Mitglieder ausgeht“, warnt Hennerkes.

In der Gesamtwertung des Länderindex 2014 schneiden die Schweiz (ohne Berücksichtigung der Frankenaufwertung) und das Vereinigte Königreich am besten ab. Auch Luxemburg und Finnland weisen mit den Plätzen 3 und 4 gute Ergebnisse auf. Der große Aufsteiger im aktuellen Länderindex ist jedoch Polen, das im Vergleich zu 2012 drei Rangstufen auf einmal nimmt. Dies ist insbesondere auf Verbesserungen in den Bereichen Finanzierung und Arbeit zurückzuführen. Im Jahr 2006 hatte Polen noch den letzten Platz inne, liegt jetzt aber direkt hinter Deutschland.

Um zwei Ränge haben sich die Niederlande verbessert, da sich die Resultate bei Steuern und Regulierung positiv entwickelt haben. Waren die Niederlande 2006 noch hinter Deutschland platziert, so haben sie Deutschland inzwischen hinter sich gelassen.

Kommentare

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  1. Poppy sagt:

    Deutschland und andere EU Partner sind schon besser gestanden. Ist erst einmal ein anderer Rang eingenommen, kann nicht einfach von heute auf morgen das wieder gut gemacht werden. Kunden gewöhnen sich daran woanderst zu kaufen und wenn diese zufrieden sind, warum sollen sie dann wieder zurück kommen. Das kann ein sehr hoher Verlust sein. Und´das Ganze wieder ankurbeln ist schwierig. Made in Germany usw.

  2. Baucis sagt:

    denke das ist pure Absicht .

    Was bleibt übrig nach KöSt / Ekst bis 45% + AG-Beitrag Sozialabgaben pro MA + Berufsgenossenschaft-Abgaben + IHK-Zwangsbeitrag + GEZ-Zwangsbeitrag + KFZ-Steuer + Verwaltungsgebühren + Verwaltungskosten +++
    übrig max 30% vom Gewinn, ist für Invest oder Rücklagen schon wenig.
    Wovon soll denn da noch Erbschaftsteuer bezahlt werden?

    Man sollte den Erben raten nach US oder Canada auszuwandern, dort eine Firma gründen und dann via TTIP das Familienunternehmen zu übernehmen- und wenn die Gewinne ausbleiben, ganz legal DE verklagen !
    Lol

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Auftrag des US-Hegemon ausgeführt: Merkel-Land ist abgebrannt!

  4. karl sagt:

    Wie sich beim Selbständigmachen zeigte , die vorher vorhandene Euphorie ist schnell wieder weg. Geschäft sehr dünn und zähflüssig. Ist der Strom und die Heizung nicht Wert.

  5. karl sagt:

    Wie sich beim Selbstämndigmachen zeigte , die vorher vorhandene Euphorie ist schnell wieder weg. Geschäft sehr dünn und zähflüssig. Ist der Strom und die Heizung nicht Wert.