Industrie 4.0: Mittelstand sucht Chancen für Wachstum in China

Mittelständische Unternehmen kommen bei der Digitalisierung in Deutschland nur langsam voran. Viel größer sind die Wachstumschancen in China. Fast jedes chinesische Unternehmen sucht beim Thema Automatisierung nach Knowhow aus Deutschland.

Der deutsche Mittelstand hinkt einer Studie zufolge bei der Digitalisierung hinterher. Zwei Drittel der befragten Unternehmen geben an, sich eher als Getriebene der digitalen Transformation zu fühlen. Mehr als die Hälfte besitzt demnach noch keine umfassende Digitalstrategie, Pläne existieren allenfalls auf dem Papier. Dennoch glauben fast drei Viertel der Mittelständler, dass der digitale Wandel großen Einfluss auf ihre Unternehmensstrategie habe und IT-Expertise als unerlässliche Qualifikation angesehen werde.

Für die Studie „Digital Business Readiness“ wurden rund 100 überwiegend mittelständische Unternehmen von der IT-Beratungsfirma Crisp Research befragt. Im Fokus standen dabei die produzierende Industrie, professionelle Dienstleister, der Finanzsektor sowie der Groß- und Einzelhandel. Auftraggeber der Umfrage ist der IT-Dienstleister Dimension Data.

„Vielen Unternehmen mangelt es neben den finanziellen oft auch an personellen Ressourcen, um den digitalen Wandel intern voranzutreiben“, sagte der Deutschland-Chef von Dimension Data, Sven Heinsen. Wer die digitale Transformation jetzt noch nicht ganz oben auf seiner Strategie- und Investitionsagenda habe, werde in Zukunft kaum eine Chance am Markt haben.

BDI-Chef Ulrich Grillo hatte erst kürzlich davor gewarnt, dass der deutsche Mittelstand in Schwierigkeiten geraten werde, sollten sich die Firmen der Digitalisierung verweigern. In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD die digitale Vernetzung wirtschaftlicher Prozesse zu einem Hauptanliegen erklärt.

Im Schwellenland China ist ein gegenteiliger Trend zu beobachten. 70 Prozent der im China-Geschäft aktiven Unternehmen prognostizieren, dass Peking die Digitalisierung der Wirtschaft stärker als bisher vorantreiben wird. 89 Prozent der Unternehmen im China-Geschäft bewerten deutsche Unternehmen über die Qualität ihrer technischen Lösungen als starke Automatisierungspartner.

Knapp jeder Zweite rechnet sogar damit, dass China über die vernetzte Produktion einen Schritt in der Wirtschaftsentwicklung überspringen kann, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Fiducia Management Consultants und des Chinaforums Bayern. Für den „China Poll“ wurden mehr als 200 in China tätige deutsche Unternehmen befragt.

Mit welcher Geschwindigkeit die chinesische Wirtschaft die von Peking geförderte Automatisierung vorantreibt, zeigt der Einsatz von Industrie-Robotern. Aktuell profitieren von der Automatisierung vor allem der Automobilbau (82 Prozent), die Elektroindustrie (73 Prozent) und der Maschinen- und Anlagenbau (70 Prozent).

Knapp drei Viertel der Unternehmen mit China-Erfahrung gehen davon aus, dass der Ausbildungsstand der chinesischen Mitarbeiter die Anforderungen an eine automatisierte Produktion noch nicht erfüllt. Dies ist jedoch Voraussetzung, um auf Basis von automatisierten Prozessen den zweiten Schritt einer digitalen Vernetzung zur Smart Factory gehen zu können. Auch in den USA und Europa fehlen solche Fachkräfte.

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