EU: „Expertengruppe“ soll Crowdfunding regulieren

Das Marktvolumen für Crowdfunding wird sich im laufenden Jahr verdoppeln. Unternehmen wollen von den oft schlechten Konditionen der Banken unabhängig sein. Die EU beobachtet die Entwicklung kritisch und gründet eine „Expertengruppe“, um die Form der alternativen Finanzierung zu regulieren.

Unternehmen in der EU sammeln im kommenden Jahr über sieben Milliarden Euro über alternative Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding und Peer-to-Peer-Kredite ein. Das Volumen der Kredite ist in 2014 bereits um 144 Prozent auf über drei Milliarden Euro gewachsen und soll sich in 2015 noch verdoppeln.

In Großbritannien ist der Markt für alternative Finanzierungen mit 2,34 Milliarden Euro am größten. Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 154 Millionen Euro, gefolgt von Deutschland mit 140 Millionen Euro. „Alternative Finanzierungskonzepte steigen in den Mainstream auf“, sagt Robert Wardrop vom Judge’s Centre of Alternative Finance.

Beim Crowdfunding handelt es sich um eine Methode der Geldbeschaffung für Unternehmen. Damit lassen sich Produkte, Projekte und Geschäftsideen umsetzen. Unternehmen ohne Startkapital können im Internet Investoren – meist Privatpersonen – anwerben. Ein anderer Begriff für Crowdfunding ist Schwarmfinanzierung. Das Einsammeln des Geldes erfolgt dabei meist über ein Darlehen oder eine stille Beteiligung an dem Projekt.

Peer-to-Peer-Kredite werden direkt von Privatpersonen an andere Privatpersonen vergeben, ohne dass eine Bank oder ein Finanzinstitut den Kredit vermittelt. In 2014 wurden 368 Millionen Euro durch Privatkredite vergeben. Seit etwa zehn Jahren gibt es im Internet Portale – wie eLolly in Deutschland – die Kreditgeber an Kreditnehmer vermitteln.

Einer Studie der Cambridge University zufolge, die den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorliegt, haben in den letzten drei Jahren bereits über 10.000 Unternehmen von Crowdfunding profitiert. Die Art der Finanzierung wird populärer, da Unternehmen sich auch unabhängig von Banken finanzieren können. Im Zuge der Finanz- und Bankenkrise wurden die Finanzinstitute immer vorsichtiger mit der Kreditvergabe an Unternehmen. Sie erhalten eine höhere Rendite, wenn sie an den Finanzmärkten spekulieren. In Europa gibt es daher zu wenig verfügbares Risikokapital. Das hemmt das Wachstum, vor allem in den Krisenstaaten.

Die EU ist auf Crowdfunding aufmerksam geworden und hat in 2014 bereits eine „Expertengruppe“ gegründet. Sieh hat das Ziel, die Finanzierungsform zu regulieren. Der EU zufolge müssten die Investoren vor den alternativen Finanz-Konzepten „beschützt“ werden, berichtet der EU-Observer. Mit der Gründung einer Kapitalmarkt-Union will die EU die Kontrolle über den Geldfluss behalten.

Die meisten Plattformen folgen dabei dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Nur wenn das Projekt die Finanzierungssumme erreicht oder überschreitet, wird das Geld ausgezahlt. Die Finanzierungssumme wird vor dem Start der Kampagne festgesetzt. In Deutschland wurde zum Beispiel der Kinofilm Stromberg mit 500.000 Euro von Fans der Fernsehserie finanziert.

Die Erfolgsquote von Projekten liegt beispielsweise auf der Schweizer Crowdfunding-Plattform 100 Days bei knapp 50 Prozent. Die erfolgreichen Projekte konnten in dieser Plattform bis zu 70 Geldgeber gewinnen.

Der Erfolg von Crowdfunding hängt oftmals von einer aktiven Online-Kommunikation, einer geeigneten Finanzierungssumme und einer strategisch durchgeplanten Kampagne ab. Dann können Unternehmen neben dem monetären Aspekt von zahlreichen weiteren Mehrwerten profitieren. Zukünftige Produkte und Dienstleistungen können bereits beworben und vorverkauft werden, potenzielle Zielgruppen werden ausgelotet und Marktbedürfnisse abgeschätzt.

So hat Internet-Unternehmer Marc Lore mit seinem neuen Konzept einer Handelsplattform als Konkurrenz zu Amazon über 220 Millionen Euro von Investoren einsammeln können.

Kommentare

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  1. Unfassbar sagt:

    Hier geht es doch darum die Freiheit und Unabhängigkeit der Menschen erneut einzuschrenken!
    Außerdem: Crowdfunding akquiriert Gelder einzelner Plattformitglieder und bietet als Gegenelistung i.d.R. Güter (CDs, DVDs, Bücher, Spiele, Shirts, uswusf.)
    Im Gegensatz dazu beitet Crowd Investment Risikobehaftete Geldanglagen, um bpsw. Unternehmen, Anschaffungen o.Ä. zu finanzieren und dafür Rendite zu erhalten.
    Das Crowd Investing ist wie Banking ohne Bank, nur das die Menschen sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst sind und entsprechend aktiv werden oder passiv bleiben.
    Also warum muss jetzt eine „Expertenkommision“ nach sozialistischem Vorbild wieder alles vorschreiben wollen?

  2. Cuibono sagt:

    Alternativfinanzierung wird reguliert und das Trennbankengesetz, was die dringendst nötige Trennung von sinnvollen Krediten für die Wirtschaft von den Zockabteilungen bringen soll, findet keinerlei Anschub.

    Man sieht, man kann sehr wohl Finanzmarktregulierungsgesetze machen, wenn man will. Man will nur gewisse nicht, eben solche, die das exklusive Bankengeschäft beeinträchtigen könnten.