Bürokratie und Steuerlast senken Innovationskraft des Mittelstands

Einer Studie zufolge sind deutsche Mittelständler weniger innovativ als in den Jahren der Finanzkrise 2007 bis 2009. Schuld daran sind neben der schwachen Konjunktur die schlechteren Standortbedingungen in Deutschland. Die jüngsten Arbeitsmarktreformen werden diesen Trend noch verschärfen: Der Mindestlohn zehrt an den Budgets für Innovationen. Die Möglichkeiten der Frühverrentung fordern ein verstärktes Recruiting nach qualifizierten Arbeitskräften.

Der deutsche Mittelstand ist einer Studie zufolge immer weniger innovativ. Lediglich 28 Prozent der kleinen und mittleren Firmen investierten zuletzt noch in innovative Produkte oder Prozesse, erklärte die staatliche Förderbank KfW in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung. Das wirkt sich auch auf das Wachstum aus: Umsätze und Beschäftigtenzahl würden in innovativen mittelständischen Unternehmen um rund zwei Fünftel schneller wachsen als in anderen Firmen, heißt es in der Studie. Ihre Umsatzrendite steige innerhalb von zwei Jahren um sieben Prozent gegenüber anderen Mittelständlern.

Der Anteil mittelständischer Innovatoren sei damit aktuell sogar niedriger als in den stark von der Finanzkrise beeinflussten Jahren 2007-2009. „Wenn der Mittelstand an Innovationskraft einbüßt, dann sind das daher schlechte Nachrichten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und auch für den Standort Deutschland“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Der Standort Deutschland hat sich aufgrund steigender steuerlicher und bürokratischer Belastungen für Unternehmen nicht gut entwickelt.

Bei längerfristiger Betrachtung sind es weniger die hochinnovativen Unternehmen, die an Innovationskraft einbüßen. Besorgniserregend ist die Entwicklung bei kleinen Firmen sowie in Branchen in denen wenig geforscht wird. Seit Mitte der 2000er Jahre ging etwa die Innovationsleistung in kleinen Unternehmen unter 5 Beschäftigte um 39 Prozent zurück, in Betrieben des Baugewerbes und Dienstleistungssektors um 38 Prozent bzw. 43 Prozent. In allen Sektoren nimmt der Preiswettbewerb zu. Der ohnehin kleine Spielraum für Investitionen in innovative Produkte und Prozesse verschwindet in den forschungsarmen Branchen daher schnell.

Der Rückgang hat unterschiedliche Auslöser. Ein wesentlicher ist der anhaltende konjunkturelle Stillstand in Europa. Vor allem ansonsten hochinnovative mittelständische Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (z. B. intensiv Forschung und Entwicklung betreibende Betriebe aus Maschinenbau, Elektrotechnik oder Pharmaindustrie) sowie große und international tätige Mittelständler haben sich zurückgezogen, weil das gesamtwirtschaftliche Umfeld eine Platzierung ihrer Innovationen bremst. Wenn auch die Konjunkturaussichten für 2015 nicht auf einen schnellen Wiedereinstieg dieser Betriebe in die Innovationstätigkeit hoffen lassen, so ist eine Rückkehr bei besserer Wirtschaftslage zu erwarten.

Der aktuelle Bericht der KfW bezieht sich auf die Jahre 2011 bis 2013, für die die aktuellsten Daten vorliegen. In dieser Zeit sei die Zahl der mittelständischen Innovatoren um 51.000 auf nunmehr 1,01 Millionen Unternehmen gesunken. In der Zeitspanne investierten nur knapp ein Drittel aller Unternehmen (28%) in innovative Produkte und Prozesse.

Als Störfaktoren gelten zudem die neuen politischen Rahmenbedingungen wie die Rente mit 63, der Mindestlohn, das Betreuungsgeld, die Frauenquote und gesellschaftliche Großprojekte wie die Energiewende. Der Mindestlohn zehrt an den Budgets für Innovationen. Die Möglichkeiten der Frühverrentung fordern ein verstärktes Recruiting nach qualifizierten Arbeitskräften.

Für das laufende Jahr ist eine Reform der Erbschaftssteuer geplant. Das Bundesverfassungsgericht hatte Mitte Dezember die derzeitigen umfangreichen Steuerprivilegien bei der Vererbung von Unternehmen bemängelt und Anpassungen gefordert. Vor allem störten sich die Richter daran, dass für Großunternehmen zu großzügig mit der Begünstigung umgegangen wird. Der BDI kritisiert diese Einschätzung. Eine Bedarfsprüfung soll künftig klären, ob Familienunternehmen bei einer Erbschaft stärker belastet werden.

Ein weiterer Eingriff des Staates ist die von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplante Arbeitsstättenverordnung. Diese Verordnung zum Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern wird nach scharfer Kritik vorerst nicht vom Kabinett verabschiedet. Die Arbeitgeber monieren, dass nach ihrer Lesart die Bestimmungen für Telearbeitsplätze bei der Heimarbeit oder auch zur Beleuchtung und Temperatur in Archiven und Pausenräumen verschärft würden. Viel zitiert ist eine Änderung, wonach es für jeden Beschäftigten eine Kleiderablage geben soll, die abschließbar sein muss.

 

Kommentare

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  1. P.Marx sagt:

    Ist doch kein Wunder. Wegen unnötiger aufgetragener Bürokratiebefriedigung, Kampf um Aufträge um den Laden am laufen zu halten und den Ärger mit manchen privat
    unzufriedenen Mitarbeitern ist einfach keine Zeit mehr für diese Dinge.
    Abgaben hier, Abgaben dort. Ging doch früher auch mit weniger. Zudem wurden damals nicht so viele Fehlentscheidungen in Politik und Wirtschaft getroffen. Es wurde mehr Verantwortung Einzelner übernommen.

  2. Baucis sagt:

    wird doch eh alles gleich ausspioniert ……..heimlich und ganz offiziell
    Guten Tag guten Abend gute Nacht

  3. Renato sagt:

    Der schwache Euro macht halt bequem. Die deutsche Wirtschaft braucht eine Starkwährung, die ständig herausfordert. So wie früher die DM.