Holcim muss Fusion mit Lafarge durch Anreize retten

Die Megafusion der Zementhersteller Holcim und Lafarge wackelt. Problematisch ist der geplante Aktienaustausch. Da Holcim ein besseres Geschäftsjahr hatte als Lafarge, sind die Aktionäre mit einem gleichwertigen Austausch der Aktien unzufrieden.

Der Schweizer Zementhersteller Holcim plant einem Zeitungsbericht zufolge Anreize, um unzufriedenen Aktionären die milliardenschwere Fusion mit dem französischen Wettbewerber Lafarge schmackhaft zu machen. Dazu prüfe der Holcim-Verwaltungsrat verschiedene „kreative Methoden“, berichtete die Schweizer Sonntagszeitung. Zu den Optionen zählen demnach eine großzügige Sonderdividende oder ein Aktienrückkaufprogramm. Am Austauschverhältnis solle hingegen ungeachtet des besseren Geschäftsverlaufs bei den Schweizern nicht gerüttelt werden. Im Zuge der Fusion zum weltgrößten Zementhersteller soll eine Lafarge-Aktie in einen Holcim-Titel getauscht werden. Angesichts des besseren Geschäftsverlaufs bei Holcim hatten Analysten das Austauschverhältnis der Aktien kritisiert.

Zwei Drittel der Holcim-Aktionäre müssen den Plänen zustimmen, damit die rund 38 Milliarden Euro schwere Fusion gelingt. Ein Holcim-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Holcim-Chef Bernard Fontana hatte am Mittwoch ausweichend auf die Frage geantwortet, ob es angesichts des aktuellen Geschäftsverlaufes zu Nachverhandlungen über das Austauschverhältnis kommen könnte: „Die Fusions-Vereinbarung enthält keine automatische Anpassung“, sagte er.

Die beiden führenden Zementkonzerne der Welt hatten im April vergangenen Jahres ihre Fusion zum weltgrößten Baustoffkonzern angekündigt. Ein Lafarge-Sprecher entgegnete nun, dass das Austauschverhältnis den fundamentalen Wert und das Potenzial der beiden Unternehmen widerspiegle. Dies sei vertraglich zwischen Lafarge und Holcim vereinbart worden. Die Kursentwicklung stütze diese Sicht. Die Aktien der beiden Firmen hätten sich seit der Ankündigung im Gleichschritt mit dem Austauschverhältnis entwickelt.

Der Zementkonzern Holcim geht davon aus, dass seine Aktionäre die geplante Fusion mit dem französischen Rivalen Lafarge durchwinken. Die starke Frankenaufwertung habe keinen Einfluss auf das im vergangenen Jahr vereinbarte Austauschverhältnis.

Die Genehmigung der Transaktion durch die Kartellbehörden komme voran, sagte der Finanzchef. Die beiden Konzerne hätten in 20 Ländern entsprechende Anträge gestellt, davon seien bisher 15 positiv beschieden worden. In den USA, in Kanada und in Indien seien die Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Zwar ging der Umsatz von Holcim wegen des starken Frankens leicht auf 19,2 Milliarden Franken zurück, der Gewinn verbesserte sich aber um 1,5 Prozent auf 1,62 Milliarden Franken (1,5 Milliarden Euro), wie der Konzern am Montag mitteilte. Lafarge musste dagegen Abschreibungen auf Geschäfte in Syrien und im Irak vornehmen und der Gewinn sackte auf 143 Millionen Euro ab. Die Ausschüttung an die Holcim-Aktionäre von 1,30 Franken je Titel fällt ebenfalls etwas höher aus als bei den Franzosen, die ihren Anteilseignern einen Euro pro Aktie zukommen lassen wollen.

Die Schweizer konnten vor allem in Nordamerika und den Schwellenländern punkten und mehr Zement verkaufen. Im Schlussquartal legte Holcim noch einmal zu. Der Gewinn für Oktober bis Dezember lag mit 458 Millionen Franken mehr als 40 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Im laufenden Jahre rechnet Holcim mit einem steigenden Absatz in allem Regionen mit Ausnahme von Europa. Neben den USA dürften Länder wie Indien, Mexiko und Großbritannien zu Haupttreibern des Wachstums werden. Ohne Berücksichtigung der geplanten Fusion und bereinigt um Sonderfaktoren erwartet das Unternehmen einen Betriebsgewinn zwischen 2,7 Milliarden und 2,9 Milliarden Franken nach rund 2,5 Milliarden Franken im Vorjahr. „Höhere Preise und anhaltende Kostensenkungen dürften die Kosteninflation ausgleichen und damit zu einer weiteren Steigerung der operativen Marge führen“, erklärte Holcim.

 

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