Studie: Hoher Frauenanteil garantiert keinen Unternehmenserfolg

Der Anteil der Frauen in Aufsichtsräten ist nicht entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg. Viel wichtiger sind ein hoher strategischer Einfluss der Aufsichtsräte und ein hoher Verdienst. In deutschen Aktiengesellschaften beträgt der Frauenanteil in Aufsichtsräten 2,4 Prozent.

Einer Studie der Wirtschaftsuniversität-Wien zufolge ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten nicht entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Erfolgreiche Aufsichtsratsgremien zeichnen sich vielmehr dadurch aus, dass sie einerseits einen hohen strategischen Einfluss haben und andererseits viel verdienen. Die Diversität ist erst nachrangig wichtig für den Erfolg des Unternehmens.

„Andere Aspekte als Diversität sind für den Unternehmenserfolg wohl wichtiger, was aber nicht heißt, dass mehr Diversität in den Aufsichtsräten gesellschaftspolitisch nicht wünschenswert wäre“, meinte WU-Professor Werner Hoffmann, an dessen Institut für Strategisches Management (ISM) die Studie erstellt wurde, zur APA.

Diversität bezieht sich nicht nur auf den Anteil an Frauen, sondern auch auf die Nationalität, Alter, beruflicher Erfahrung und Länge der Amtszeit. „Am Ende ist die kognitive Diversität entscheidend“, meinte Studienautor Thomas Maidorfer einem Bericht des Wirtschaftsblatts zufolge. Von größerer Bedeutung für die Zusammensetzung eines Aufsichtsrates seien internationaler Background, Ausbildungs- und Sozialisationshintergrund oder Altersstruktur.

In deutschen Aktiengesellschaften gibt es fast keine Frauen auf Vorstandsebene. 2008 waren zum Stichtag gerade einmal 42 von 1.721 Vorstandsmitgliedern Frauen. Dies entspricht einem Anteil von 2,4 Prozent, der im Vergleich zu 1,2 Prozent im Jahr 1998 nicht nennenswert gestiegen ist. Der Frauenanteil in Aufsichtsräten hat sich auf der Seite der Kapitalgeber ebenfalls nur geringfügig von 2,5 Prozent (1998) auf 4,0 Prozent (2008) erhöht. Auch die Arbeitnehmer waren mit einem Frauenanteil in der Chefetage von 20,5 Prozent (2008) noch weit von Ausgewogenheit entfernt, ergibt eine Untersuchung von Hagen Lindstädt, Leiter des Instituts für Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Um mehr Frauen – auch ohne gesetzliche Frauenquote – in Führungspositionen zu bringen, empfehlen Lindstädt und sein Team dem Gesetzgeber, die Aktiengesellschaften zu mehr Transparenz zu verpflichten. Mit der Veröffentlichung des Frauenanteils auf den obersten Führungsebenen könnten Frauen ihre Berufswahl entsprechend ausrichten und „mit den Füßen abstimmen“. So würde der soziale Druck auf die Unternehmen erhöht und eine Selbstregulierung initiiert.

Nach Ansicht der Managementforscher vernachlässigt die Wirtschaft bei der Besetzung von Führungspositionen momentan fast 50 Prozent der menschlichen Ressourcen. „Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist dies auch ein Problem jenseits der Gerechtigkeitsperspektive,“ so Lindstädt, „zudem riskieren Unternehmen damit, dass gut ausgebildete Frauen in Länder mit besseren Rahmenbedingungen abwandern oder ihre Karriereplanung ändern und Tätigkeiten ergreifen, die weder ihren Potenzialen noch ihren Qualifikationen entsprechen.“

Aktuellen Studien zufolge haben Frauen in mittelständischen Unternehmen bessere Karrierechancen als in Großkonzernen. Auch Familie und Beruf lassen sich in kleinen und mittelgroßen Betrieben besser miteinander vereinbaren.

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