Automarkt-Europa: Gewinne sind nur noch durch Einsparungen möglich

Große Sprünge durch den Einsatz von Robotik oder neue Preisverhandlungen mit den Zulieferern sind Vergangenheit. Europäische Autohersteller können nur noch wachsen, wenn sie ihre Produktion effizienter machen. Dazu gehört die Analyse sämtlicher Prozesse.

Auto-Hersteller durchleuchten immer wieder ihre Arbeitsabläufe, um schneller, besser und billiger zu werden. In der Vergangenheit gelangen so oft große Sprünge, sei es durch mehr Robotereinsatz oder erzwungene Preissenkungen bei den Zulieferern. „Das geht heute nicht mehr so einfach. Jetzt müssen die Autobauer stärker in den eigenen Reihen schauen“, sagt Produktionsexperte Werner Bick von der Beratungsfirma ROI Management Consulting. Doch die Fortschritte werden kleiner und kleiner, gerade bei den im Branchenvergleich effizient und schlank aufgestellten deutschen Herstellern.

Potenzial bietet nach Ansicht von Experten die sich immer mehr abzeichnende Liaison von IT und Fertigung –Fachleute sprechen von Industrie 4.0. Für die Konzerne ist das ständige Drehen an der Produktivitätsschraube im Kampf um Kostenvorteile und Weltmarktanteile schon heute eine Daueraufgabe, die durch mehr IT am Band immer mehr ergänzt wird. Audi -Chef Rupert Stadler zieht die Analogie zum Zähneputzen: „Das macht man am besten jeden Tag.“

Die Produktion im eigenen Werk steht inzwischen im Zentrum des stetigen Bemühens. Viele Zulieferer sind nämlich nicht mehr bereit oder in der Lage, sich immer wieder zehn bis 20 Prozent im Preis drücken zu lassen. „Jedes Werk hat noch Potenziale“, sagt Bick, der früher selbst in der Produktion großer Hersteller nach immer neuen Optimierungsmöglichkeiten fahndete. Der Druck ist hoch: Nach den Worten von Vorstandschef Norbert Reithofer gibt BMW seinen Werken derzeit vor, die Produktivität pro Jahr um fünf Prozent zu steigern.

Doch die Möglichkeiten sind an vielen Stellen ausgereizt. Im Karosseriebau liegt der Automatisierungsgrad bereits bei 85 Prozent, in der Lackiererei ähnlich hoch. Auch in der Montage seien keine großen Sprünge mehr möglich. Allerdings könnten immer mehr Arbeiten von Robotern übernommen werden, sagt Till Reuter, Chef des Autozulieferers Kuka. Der Augsburger Konzern hat einen Roboter entwickelt, der Stopfen in Karosserie-Löcher setzt, die für das Abfließen von überschüssigem Lack offen geblieben sind. Ein Mensch braucht einige Zeit und einige Verrenkungen über Kopf, um die 200 Löcher zu erreichen. Der Roboter ist nicht nur schneller, er klagt auch nicht über Schulterschmerzen.

Noch viel Potenzial für weitere Produktivitätssteigerungen steckt BMW-Chef Reithofer zufolge in den Bereichen, die der Fertigung vorgelagert sind, und im Produktionsanlauf neuer Modelle. Am Computer lässt sich außer Design und Entwicklung eines Autos auch der Hochlauf der Fertigung simulieren; tauchen Fehler auf, können sie weitaus günstiger behoben werden, als wenn ganze Bänder stoppen müssen und teure Fachkräfte in den Werkshallen herumstehen.

Auch Mercedes setzt große Hoffnungen auf die IT: „Wir werden damit in ein neues Zeitalter gehen“, sagt Produktionschef Markus Schäfer. Nach Ansicht von Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY lohnen sich die enormen Investitionen für die Hersteller, weil sie so flexibler und schneller auf Nachfrageschwankungen reagieren können. „Die Unternehmen müssen in der Lage sein, auf einem Band schneller Werkzeuge zu wechseln. Sie müssen schneller von einem Produkt zum anderen wechseln können.“ Die Vernetzung sorgt dabei für reibungslose Abläufe und den stetigen Nachschub von Material, das am Band benötigt wird. Das spart bares Geld und die Produktivität steigt.

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Produktivität ist die Kernformel für Wohlstand.
    Das wirkt sich jedoch nur segensreich aus wenn noch weitere Faktoren einbezogen werden. Es sind dies ein entsprechend solventer Absatzmarkt. Doch hier klemmt es zunehmend. Immer breitere Massen fallen als Konsumenten aus.
    Das System beginnt sich über den Markt aufzurollen. Ein Beispiel ist die Meldung zum Einbruch des Absatzmarktes bei den Ölproduzenten.
    Es klemmt gewaltig in der Ökonomischen Forschung und Lehre.
    Die Ökonomen verlieren sich heillos in Einzel und Simpelthesen.
    Wirtschaft ist ein sehr vielschichtiger Komplexer Prozess.
    Da fehlt es längst an einem Ökonomischen wenigstens Kernmodel das der tatsächlichen Realität gerecht wird. Da ist aktuell kaum noch etwas im Endergebnis schlüssig.
    Wie das aufgehen soll weiss offensichtlich keiner.
    Die Produktivität seigt ganz beachtlich gleichzeitig wird auf der Absatzmarktseite fast alles aufgegleist das den Absatzmarkt rasend schnell aushöhlt.
    Hier hat insbesondere die enorme Geldschöpfung der letzten 20-30 Jahre nebst anderen Faktoren einen nicht nachhaltigen Kurzfrist Absatzmarkt geschaffen.
    Das Endergebnis ist absehbar. Das System stranguliert sich faktisch von“ hinten“ über den Markt= Absatzmarkt.
    Längst überfällig wir brauchen ein umfassen letztlich schlüssiges Wirtschaftsmodell.
    Frei von Ideologie und Simpel- Stückwerk das sich gegenseitig aushebelt.
    Es spricht so einiges dafür das es dafür längst zu spät ist.