Aufschwung vorbei: Industrieaufträge fallen stärker als erwartet

Die Aufträge der Industrie aus Deutschland sowie aus dem Ausland sind eingebrochen. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen schrumpften deutlich. Damit ist die Euphorie aus dem überdurchschnittlich guten Vormonat verflogen.

Die deutsche Industrie hat mangels Großaufträgen einen Fehlstart in das laufende Jahr hingelegt. Die Bestellungen fielen im Januar um 3,9 Prozent zum Vormonat – viermal so stark wie erwartet. Sowohl im Ausland als auch auf dem Heimatmarkt ging die Nachfrage zurück, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin. Dabei war die Nachfrage im Dezember noch um kräftige 4,4 Prozent gestiegen, wozu viele Großaufträge beisteuerten, die nun fehlten.

Die Bestellungen aus dem Ausland fielen im Januar um 4,8 Prozent, wobei vor allem aus den Euro-Ländern deutlich weniger ankamen (-9,0 Prozent). Die Inlandsaufträge nahmen um 2,5 Prozent ab. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen schrumpfte um 4,2 Prozent, die nach Vorleistungen wie Chemikalien um 3,8 Prozent sowie die nach Konsumgütern um 0,6 Prozent.

„Bislang läuft die deutsche Konjunktur nur auf einem Zylinder, und das ist der private Konsum“, sagte der Chevolkswirt von HSBC Trinkaus, Stefan Schilbe, angesichts der enttäuschenden Entwicklung. Die Einzelhändler hatten dagegen im Januar die kräftigste Umsatzsteigerung seit sieben Jahren gemeldet, befeuert von steigenden Löhnen, niedriger Inflation und Rekordbeschäftigung.

Grund zur Panik sehen Experten aber trotz des Rückschlags nicht. „In der Tendenz bleiben die Auftragseingänge ebenso wie die Industriekonjunktur insgesamt weiter aufwärtsgerichtet“, erklärte das Ministerium. So liege das Auftragsvolumen im Dezember/Januar zusammengenommen um 1,3 Prozent über dem Niveau von Oktober/November. Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank rechnet mit einer Besserung. „In der zweiten Jahreshälfte dürften alle drei Säulen zum Tragen kommen: Investitionen, Konsum und Exporte“, sagte er. Der schwächere Euro, der deutsche Waren in Übersee billiger macht, und günstiger Finanzierungsbedingungen sollte dann die Konjunktur anschieben.

Viele Experten haben angesichts dieser günstigen Konstellation ihre Prognosen für Europas größte Volkswirtschaft angehoben. So sagt die Allianz inzwischen ein Wachstum von 2,1 Prozent voraus. Sie ist damit viel optimistischer als die Bundesregierung, die nur ein Plus von 1,5 Prozent erwartet.

 

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