Chinesische Unternehmen investieren in großem Stil in den Euro

Die Geldschwemme der EZB veranlasst chinesische Unternehmen, sich am Aktienmarkt im großen Stil mit Euro zu versorgen. Sie reduzieren so ihre Schuldenlast oder kaufen europäische Unternehmen auf. Dabei sinken die Erträge bereits jetzt. Einige Aktien hoch bewerteter europäischer Unternehmen werfen sogar schon negative Erträge ab.

Chinesische Unternehmen kaufen in großem Stil Aktien europäischer Konzerne. In den vergangenen sechs Monaten ist der Euro im Vergleich zum Renminibi um 13 Prozent gefallen. Da die EZB am Montag mit dem Gelddrucken beginnt, wird der Wert des Euro Schätzungen zufolge nicht kurzfristig wieder steigen. Das gibt Unternehmen und Finanzmarktakteuren einen guten Einstieg in den europäischen Finanzmarkt.

Unternehmen mit Hauptsitz in China haben dieses Jahr bereits 2,7 Milliarden Euro an Anleihen an den Börsen Europas ausgegeben, fast so viel wie im gesamten Jahr 2014. Sie tun dies, um sich günstig zu refinanzieren oder weitere Deals auf dem europäischen Finanzmarkt abzuschließen. Der Finanzmarkt in China leidet indes unter dieser Entwicklung. Die Zahl der ausgegebenen Aktien sinkt. Die Nachfrage gerät ins Stocken.

Das chinesische Börsenunternehmen Fosun International, dem bereits die deutsche Mode-Marke Tom Tailor gehört, hat sich auf dem Finanzmarkt mit Geld versorgt, um mit 939 Millionen Euro beim französischen Tourismus-Unternehmen Club Méditerranée einzusteigen. Zahlreiche weitere Firmen werden diesem Beispiel folgen, glauben Analysten bei Barclays einem Artikel der FT zufolge. Europäische Unternehmens-Anleihen sind wertvolle Assets im Portfolio von chinesischen Konzernen.

Ähnliche Entwicklungen sind aus Unternehmen mit Hauptsitz in Indien und Südkorea zu beobachten. Sogar US-Unternehmen wie Kellogg, Coca Cola und Whirlpool geben Aktien in Europa aus. Dieses Jahr sind es aufgrund der Geldpolitik der EZB bereits 20 Milliarden Euro – fast drei Mal so viel wie in 2014.

Dabei sind die Erträge in Europa nicht besonders hoch. Die Investmentbank JPMorgan schätzt, dass Europas Nationalstaaten Anleihen von etwa 1,5 Billionen Euro mit negativen Erträgen auf den Markt gebracht haben. Der Ertrag einer Anleihe zeigt an, wie viel ein Investor nach einer bestimmten Zeit an ihr verdient. Negative Erträge entstehen dann, wenn ein Investor einen so hohen Preis für eine Anleihe zahlt, dass er sämtliche Einnahmen aus Zinsen oder einem Verkauf der Aktie übersteigt.

Bislang wurde diese Methode nur von Staaten angewendet, die zum Beispiel in deutsche Staatsanleihen investieren wollten. Deutsche Staatsanleihen gelten als sehr sicher und werfen daher keine Zinsen ab. Wenn Krisenstaaten wie Griechenland Anleihen ausgeben, müssen sie Investoren hohen Zinsen garantieren, um damit potenzielle Geldgeber anzulocken.

Doch weil die EZB seit Montag mit dem Gelddrucken begonnen hat, geraten auch die Erträge von Aktien europäischer Unternehmen und Konzerne in den negativen Bereich. Seit der Aufwertung des Schweizer Franken Mitte Januar war dieses Phänomen bereits bei einigen kurzzeitigen Anleihen Schweizer Unternehmen zu beobachten, berichtet die FT. Anfang Februar geriet der Ertrag kurzer Nestle-Anleihen in den negativen Bereich.

Nun setzt sich dieser Trend vor allem bei an der Börse besonders hoch bewerteten europäischen Unternehmen fort – sogenannten Blue-Chip-Unternehmen. Die Erträge der Aktien deutscher und europäischer Konzerne werden in der Folge immer weiter sinken. Das passiert immer dann, wenn die Zentralbank die Finanzmärkte mit dem Ankauf von unzähligen Staatsanleihen flutet. Sie kreiert dadurch eine hohe Nachfrage nach diesen Aktien und senkt gleichzeitig deren Erträge. Die an der Börse notierten Unternehmen werden somit noch unabhängiger von den Banken, da sie sich kostenlos an den Finanzmärkten mit Geld versorgen können.

Ein Grund, warum Händler Aktien mit negativen Erträgen kaufen, ist die Annahme, dass der Kurs der Aktien später steigt und sie das Produkt vor dem Ablauf der Laufzeit doch noch gewinnbringend verkaufen können. Neue Kapitalmarktvorschriften können Banken und Finanzmarktakteure dazu zwingen, Geld in hochsicheren Finanzprodukten anzulegen. Auch das würde diesen Trend beschleunigen. Ein weiterer Grund sind negative Zinsen auf Bankeinlagen. Auch hier ist die Schweiz Vorreiter – und deutsche Banken ziehen nach.

Im Fall des Euro gibt es jedoch noch einen weiteren Aspekt, der Händler in Unternehmensaktien treibt. Sollte der Euro – wider allen Prognosen – doch in eine Deflation abrutschen, könnten Aktien mit negativen Erträgen sich im Nachhinein als sichere Geldanlage erweisen.

Kommentare

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  1. kantterhans sagt:

    Ich finde die geldschwemme klasse. Der euro wird weiter fallen. Pünktlich zur einführung von TTipp.
    Ausser das wir schon per target 2 Mrd verschenken, dann eben auch dort. Nennt sich gleichbehandlung.

    Das macht spass, da macht sinn.

  2. Spock sagt:

    hier werden Aktien mit Anleihen verwechselt. Solange eine Aktie Dividende bezahlt, ist die Dividendenrendite vor Steuer immer positiv. Viele Anleihen bieten dagegen in der Tat negative Renditen, also garantierte Verluste. Bei Anleihen mit negativer Rendite können zwar immer noch Kursgewinne gemacht werden, allerdings braucht es dazu noch „negativere“ Zinsen. Bei einem Aktiencrash verliert man dagegen mit einer qualitativ guten Anleihe wesentlich weniger als wie mit der Aktie. So gesehen macht das Ganze wieder Sinn.

  3. Jürgen Kunz sagt:

    @ Hans von Atzigen

    Ich verstehe das anders: wenn sich chineseische Privatfirmen jetzt mit Euro eindecken, d.h. weiter verschulden, dann gibt es nur einen Verlierer: der europäische Steuerzahler, denn der muss die zu niedrigen Zinsen letztlich bezahlen. Gelle?
    Man darf nicht die Exportüberschüsse des Staates sehen und die sehr hohe Überschuldung der Privatwirtschaft übersehen. Selbst viele Banken sind in China überschuldet. Das hat mit dem hohen (Billionen) Dollarguthaben des Staates wenig zu tun.

  4. karl sagt:

    Klar, sind die Chinesen nicht auf den Kopf gefallen und investieren ihren Berg an Dollars, wo dessen Wert besonders hoch ist, in Werte Europas.
    Das taten die Amis auch, als der Wert des Dollar 0,8 betrfoffen hatte 2001 in Europa und kauften ganze Industriebetriebe wié Reichert Optik und Jenbacher Maschinen,
    So ist es aber jetzt unmöglich in China einzukaufen, bei dem schlechten EURO.
    Das wird aber noch schlimmer, durch die Verschwendungspolitik, denn die vielen neuen Euros, werden sofort wiederum verschwendet und so geht die Spirale nach unten weiter.

  5. Hans von Atzigen sagt:

    Da sind im Kern 2 entscheidende Faktoren.
    1.Als Folge des Geldüberhanges im Verhältnis zur Realwirtschaftsleistung bleiben nur noch Anlagen die den geringsten Verlust versprechen.
    Das System ist faktisch ins offene Minus gekippt.
    2. China als wichtigster Realproduzent vorrangig im Konsumgüterbereich hat im Aussenhandel einen erheblichen Devisenüberhang. Dieser fliesst zurück in die auch Europäische Wirtschaft. Klartext: China kauft den Westen auf.
    Tja wird noch etwas dauern bis das dem Westen klar bewusst wird.
    Damit geben zunehmend die Chinesen im Hintergrund den Takt vor.
    Die Weltdominanz des Westens schmilzt wie Schnee an der Sonne.
    China die neue Weltmacht? Auf Zeit ja. Längerfristig auch das nicht.
    Denn China hängt auf gedeih und Verderb am Weltmarkt.
    Mit dem absaufen des Weltmarktes geht es auch den Chinesen ans Eingemachte.
    Das finale Absaufen der Globalen Wirtschaft rückt immer näher.

    • kantterhans sagt:

      ………..Denn China hängt auf gedeih und Verderb am Weltmarkt…………

      Nichts und niemand hängt daran! Nur wenn man es meint oder will.