Wettbewerb zwischen Fernbus-Unternehmen überlastet Busfahrer

Fernbus-Unternehmen suchen dringend nach geeigneten Fahrern. Die Branche wächst so schnell, dass Fahrer unter enormen Belastungen stehen und ihre Pausen nicht einhalten können. Auch die Dokumentationspflicht des Mindestlohns gilt in der Branche als Hindernis.

Die boomende Fernbus-Industrie befürchtet einem Pressebericht zufolge erhebliche Rückschläge durch den Fahrermangel. Dieses Problem bleibe die größte Bedrohung der Busbranche, ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Demnach wird diese Einschätzung von 74 Prozent der beteiligten Unternehmen aus Nahverkehr, Touristik und Fernlinienverkehr vertreten. Von den Fernbus-Betreibern erwarteten sogar 80 Prozent, dass sie ein „zunehmendes Problem mit dem Mangel an Fahrern bekommen“.

Der NDR hatte Anfang März über schwere Missstände bei einigen Fernbus-Unternehmen berichtet. Demnach hätten Fahrer ihre Pausen nicht einhalten können. In einem Extremfall sei ein Fahrer 29 Tage am Stück für das Unternehmen am Steuer gewesen. Die Unternehmen sind angesichts des hart umkämpften Wettbewerbs unter Preisdruck. Das schwächste Glied in der Kette sind die Fahrer.

Die gesetzesbedingten Anforderungen und Bestimmungen an die Branche sowie die Vielzahl bürokratischer Auflagen auf nationaler und internationaler Ebene werden von zahlreichen Unternehmern als gravierende Probleme eingestuft, teilt der BDO mit. Ein Punkt darunter ist die übertriebene Dokumentationspflicht des Mindestlohngesetzes. Mangelnde Infrastruktur vor allem im Fernbusbereich und die Maut sorgen für Verstimmung bei den Unternehmen.

Zum Schutz der Deutschen Bahn war der Fernbus-Verkehr in Deutschland bis 2012 per Gesetz weitgehend verboten. Seit der Freigabe boomt der Markt mit immer neuen Anbietern, von denen sich wegen des Preiskampfes einige bereits wieder zurückgezogen haben. Die beiden Marktführer MeinFernbus und Flixbus schlossen sich kürzlich zusammen. Die Deutsche Bahn geht ebenfalls in die Offensive und will ihr Angebot bis 2016 vervierfachen. Einen größeren Anteil an dem hart umkämpften Geschäft strebt auch die Deutsche Post an.

Befürchtungen, der Fernbuslinienverkehr könne zu Lasten der Marktsegmente ÖPNV und Touristik gehen, haben sich im zweiten Jahr der Fernbusliberalisierung nicht bestätigt. Trotzdem bleibt die Stimmung für 2015 beim Nahverkehr verhalten. Die Kürzungen von Zuwendungen, die in den zurückliegenden Jahren hinzunehmen waren, machen sich im ländlichen Raum jetzt vor allem durch sinkende Fahrgastzahlen bemerkbar. Zudem wird mit einer gedämpften Nachfrage wegen sinkender Schülerzahlen gerechnet.

Erhebliche Sorge bereitet den Anbietern von Busverkehren der Zweifel an der mittelstandsfreundlichen Umsetzung des novellierten Personenbeförderungsgesetzes. Durch die gekürzten Leistungen bleibt für die Unternehmen der ÖPNV-Branche damit ein spürbarer Kostendruck zurück.

Für 2015 erwarten die in der Fernbusbranche aktiven Unternehmen eine bessere Entwicklung als in den Vorjahren. 45 Prozent der Unternehmer gehen für das laufende Geschäftsjahr von einer positiven Entwicklung aus, 31 Prozent erwarten gleiche Ergebnisse. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen steigt damit um 21 Prozentpunkte. 2014 verbuchte die Branche eine befriedigende Entwicklung. Die Gewinnentwicklung stieg, erreicht aber noch keinen positiven Saldo. Geschäftslage, Umsatz und vor allem Fahrgastzahlen verzeichnen positive Salden. Etwa ein Drittel der Fernbusunternehmer gehen für das laufende Geschäftsjahr bereits von einem flächendeckenden Ausbau des Streckennetzes aus.

Kommentare

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  1. kantterhans sagt:

    Wieso überlastet???

    Es gibt mindestlohn und eine maximallenkzeit.

    Eine überlastung ist rein gesetzlich nicht möglich. Also alles doch quatsch. In DE gibt es sowas nicht.

  2. Delta120 sagt:

    Es muss absolut Wahnsinnig schwer sein für die Arbeitgeber Stundenzettel aus zu füllen. Mir kommen da gleich die Tränen. 🙂

    Trauriger ist allerdings, dass die Staatliche Überwachung so schlecht ist und sich die Politik dieses Themas nicht bemächtigt. Wenn die Daten aller Bus Fahrzeuge per Internet an einen Zentralcomputer übermittelt würden, wäre das Problem gar nicht da. Die Firmen müssen den Digitalen Fahrtenschreiber eh alle 3 Monte auslesen und auf CD brennen. Das hat sich historisch bedingt einfach überholt. Die Regierungen ob CDU oder SPD sind da am pennen oder haben einfach den Digitalen Anschluss verloren.