Deutsche Bahn: Mit dem Fernverkehr bricht das Kerngeschäft weg

Der Gewinn aus dem Fernverkehr bricht bei der Deutschen Bahn um über ein Drittel ein. Die Bahn könne daher Investitionen nicht mehr aus den Gewinnen bezahlen. Schuld an den Verlusten sei vor allem das Wetter, Streiks und die boomende Fernbus-Konkurrenz.

Der Bahn bröckelt ihr Kerngeschäft in Deutschland immer stärker weg. Wegen Streiks, der Fernbus-Konkurrenz sowie des schwächelnden Güterverkehrs verfehlte der Konzern seine Umsatz- und Ergebnisziele 2014 deutlich, wie Unterlagen des Unternehmens zeigen, die Reuters am Dienstag vorlagen. Der Betriebsgewinn schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um fast 130 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro. Der Umsatz konnte zwar leicht auf 39,7 Milliarden Euro zulegen, lag aber um 1,8 Milliarden Euro unter Plan. Die weltweite Logistik, die für rund 40 Prozent des Geschäfts steht, blieb vergleichsweise stabil. Dagegen entwickele sich die Eisenbahn in Deutschland zum Sorgenkind, warnt die Bahn in den Papieren. Der Trend setzte sich Anfang 2015 fort. Bahnchef Rüdiger Grube hatte immer wieder betont, dieses „Brot- und Buttergeschäft“ stehe im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Die Gewinneinbußen 2014 führte der Staatskonzern vor allem auf das Sturmtief Ela im Frühjahr 2014 sowie die Streiks der Lokführer zurück, die allein 170 Millionen Euro gekostet hätten. Der Betriebsgewinn des Fernverkehrs (IC, ICE) – also der Gewinn vor Zinsen und Steuern – schrumpfte um gut ein Drittel und lag sogar über 40 Prozent unter den Planzahlen. Hier machte sich vor allem die Konkurrenz der Fernbusse bemerkbar. Die Effekte durch Kundenabwanderung wurden insgesamt mit über 200 Millionen Euro beziffert. Noch im März will die Bahn daher ein neues Konzept für die Sparte vorstellen und mit mehr eigenen Bussen in die Offensive gehen.

Auch die Güterbahn verfehlte wie in den Vorjahren ihre Planung: 2014 blieb sie um rund die Hälfte unter den Vorgaben und wies nur ein kleines Plus von unter 50 Millionen Euro aus. Für die schwarze Zahl sorgten dabei die europäischen Töchter. Der Schienengüterverkehr in Deutschland rutschte sogar ins Minus. Dabei legte die private Konkurrenz weiter zu, wie die Bahn einräumt. Hatte der Konzern im Schienengüterverkehr lange nahezu ein Monopol, haben Wettbewerber mittlerweile mehr als ein Drittel des Marktes erobert. Güterbahn-Chef Alexander Hedderich, dem Ambitionen auf den Vorstandsposten für die gesamte Logistik nachgesagt wurden, steht inzwischen deswegen auch in der Regierung in der Kritik.

Während Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Dienstag erklärte, 2015 würden Güter- und Personenverkehr auch auf der Schiene spürbar wachsen, ist die Bahn skeptischer. Nachdem schon 2014 beide Bereiche bei ihr schrumpften, erwartet sie laut Unterlagen einen ähnlichen Trend in den kommenden Jahren. Dennoch soll der Umsatz des Gesamtkonzerns 2015 wieder um rund sieben Prozent auf 42,5 Milliarden Euro klettern und auch der Gewinn leicht steigen.

Der Jahresbeginn 2015 verheißt allerdings wenig Gutes: Im Januar schrieb der Konzern unterm Strich sogar rote Zahlen. Verantwortlich dafür waren wieder Fernverkehr und Güterbahn, deren Abwärtstrend sich auch ohne Streiks und trotz relativ milder Witterung fortsetzte. Um die Dramatik der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in Deutschland zu verdeutlichen, weist die Bahn daraufhin, dass 2008 noch über 80 Prozent der Gewinne in Deutschland anfielen. 2014 seien es weniger als 60 Prozent gewesen.

Die Bahn beklagt dabei unter anderem höhere Kosten für Strom, da sie sich stärker an der Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien beteiligen muss. Außerdem drückten die hohen Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre auf die Erträge, heißt es in den Unterlagen. Positiv wurde verbucht, dass angesichts nachgewiesenen Preisabsprachen bei Lieferanten die Bahn Schadenersatz eintreiben konnte. Dies sei dem Betriebsgewinn mit 75 Millionen Euro 2014 zu Gute gekommen. Kartellverfahren hatte es im Zusammenhang mit Schienen, Stromabnehmern oder Kaffee für die Bordrestaurants gegeben.

Dennoch blieb 2014 unterm Strich nur ein Nettogewinn von knapp einer Milliarde Euro, da die hoch verschuldete Bahn über 800 Millionen Euro Zinsen zahlen musste. Vom Gewinn müssen aber zudem 700 Millionen Euro als Dividende an den Eigentümer Bund abgeführt werden. Diese sollen zwar als Investitionen wieder in das Schienennetz fließen. Doch für die übrigen Anschaffungen wie neue Züge reichen die verbliebenen 288 Millionen Euro den Konzernunterlagen zufolge nicht aus.

Kommentare

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  1. Tom sagt:

    Und wie immer ist der Konzern an allem Schuld? Kommt es nicht mal jemandem in den Sinn dass der Untergang der Bahn politisch gewollt sein könnte? Anders kann man sich nicht erklären weshalb kein Europäisches Land so wenig in die Schiene investiert wie wir, weshalb man die Bahn in einen unfairen Wettbewerb mit Bussen drängt der zwangsläufig darin enden muss, dass sie selbst auf die Straße wechselt.
    Nein, wie immer ist die böse, böse Bahn natürlich selbst an allem schuld.

  2. Dr. Z. Prister, Frankfurt sagt:

    das ist alles kein wunder wenn der ice von frankfurt am main nach berlin vier stunden lang durch die lande rattert. die langweilige durchschnittsgeschwindigkeit der dt. bahn ist keinem zuzumuten.in frankreich ist das eine zwei-stunden-strecke.

    dr. z. prister
    hausarzt
    frankfurt

  3. Dirk Oberheim sagt:

    Kommt den Herren der Bahn mal die Idee in den Kopf das es an der eigenen Zuverlässigkeit und Qualität liegt, das die Kunden mehr als unzufrieden sind? Aus eigenem Beispiel im Februar: Zugverbindung mit Reservierung von Saarbrücken – München. Sitzplätze im ICE waren so verdreckt, das es nicht möglich war dort zu sitzen. So das wir die Schaffnerin riefen, die meinte nur lappidar, das ist nicht unsere Aufgabe. Dann müssen Sie halt stehen wenn Ihnen der Platz nicht recht ist. Eine Bescheinigung wollte Sie auch nicht austellen. Wir mussten dann die Plätze selbst reinigen, weil von Mannheim bis München ist ein stehen mit kleinen Kinder und Koffer nicht möglich. Man fragt sich warum man reserviert hat für die Fernverkehrsverbindung! Rückfahrt München nach Saarbrücken sah es im ICE genau so aus, da hatten wir zum Glück nicht extra Plätze gezahlt. Aber bei den Preisen, sollte man einen sauberen Platz erwarten, abgesehen von den Verspätungen auf beiden Strecken.

  4. Unternehmer sagt:

    Hier mal einige Vorschläge zur Verbesserung der Gewinne:

    > Allen „Managern“ die mehr verdienen als 80000 € im Jahr zwei drittel
    des Gehaltes (warum bekommen sie soviel?) abziehen.

    > Bahnflächen – Immobilien nicht wahllos verkaufen, sondern die Gehirnzellen
    einsetzen und Nutzflächen zum Vermieten daraus machen.

    > Einmal bei den Asiaten sprich Japanern abkupfern, was an Pünktlichkeit
    der Züge alles getan werden kann.

    > Die eigene Strategie mit den Fernbussen überdenken.