Arbeitskosten in Deutschland steigen stärker als in der EU

In Deutschland steigen die Arbeitskosten stärker als in den meisten EU-Staaten. Eine Arbeitsstunde kostete 2014 rund 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Insbesondere das produzierenden Gewerbe sorgt sich wegen der steigenden Personalkosten um die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2014 stärker gestiegen als in den meisten anderen EU-Staaten. Im Produzierenden Gewerbe und bei Dienstleistern kostete eine Arbeitsstunde durchschnittlich 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. 2013 lag das Plus genauso hoch, während der Zuwachs 2012 mit 3,2 und 2011 mit 2,8 Prozent noch stärker ausgefallen war. Die Wirtschaft sorgt sich wegen der steigenden Personalkosten um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

„Das Lohnplus fällt in Deutschland seit mittlerweile vier Jahren kräftiger aus als anderswo“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. „Kurzfristig befördert das den Konsum.“ Allerdings steige damit die Kostenbelastung der Unternehmen. „Gleichzeitig arbeiten die Volkswirtschaften um uns herum kräftig an ihrer Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Wansleben.

In der EU verteuerte sich Arbeit nicht so stark, wie die vom Statistikamt veröffentlichten Vergleichsdaten nahelegten, die sich allerdings nur auf das dritte Quartal beziehen. Die Kosten – die sich aus Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten wie den Beiträgen zur Kranken- und Sozialversicherung zusammensetzen – zogen hierzulande um 2,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum an. Im EU-Schnitt waren es nur 1,4 Prozent, in Frankreich – der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone – gar nur 0,5 Prozent. Dafür sorgten sinkende Lohnnebenkosten. In Deutschland stiegen diese 2014 um 1,6 Prozent, die Bruttoverdienste um 1,7 Prozent. Griechenland wies mit 7,1 Prozent das stärkste Wachstum auf. Allerdings waren dort die Arbeitskosten zuvor wegen der Wirtschaftskrise vier Jahre in Folge gesunken.

Die steigenden Löhne erhöhen die Kaufkraft der Verbraucher, zumal sie derzeit schneller steigen als die Preise. „Die anhaltend günstige Situation am Arbeitsmarkt, verbunden mit einer soliden Einkommensentwicklung, führt zu einem deutlichen Anstieg der verfügbaren Einkommen“, schrieb das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. Das mache den Konsum zur wichtigsten Konjunkturstütze in Deutschland.

Die Verdienste könnten 2015 noch stärker wachsen – auch wegen des seit Jahresbeginns geltenden gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde. Die Gewerkschaften dringen zudem auf höhere Lohnabschlüsse. Die 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie setzten ein Lohnplus von 3,4 Prozent durch. Die IG Chemie fordert einen Einkommenszuwachs von 4,8 Prozent, im öffentlichen Dienst verlangt Verdi 5,5 Prozent. Der DIHK kritisiert, dass in Deutschland zu wenig investiert werde. „Auf Dauer setzt das dem Wachstum und damit auch künftigen Lohnzuwächsen Grenzen“, sagte Wansleben.

Kommentare

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  1. Bernhard sagt:

    Würde das ein allgemeiner Trend sei und nicht nur eine Quartals- Momentaufnahme, dann zeigt sich die Idiotie der Weltwirtschaftsordnung unter Globalisierung: unsere Arbeitsplätze sind nur dann sicher, wenn wir geringe Löhne haben. Geringe Löhne jedoch lassen die Binnennachfrage sinken, weil diese geringen Löhne für den Lebensunterhalt drauf gehen.

    Fragten wir uns gestern nicht, warum wir eine so geringe Binnennachfrage haben?