Lufthansa streicht 750 Flüge auf Kurz- und Mittelstrecke

Die Piloten der Lufthansa werden am Mittwoch erneut streiken. 750 Kurz- und Mittelstreckenflüge fallen aus. Die für Dienstag geplanten Gehaltsverhandlungen wurden von der Konzernspitze abgesagt.

Die Lufthansa streicht wegen des erneuten Pilotenstreiks am Mittwoch rund die Hälfte der geplanten Flüge. Etwa 750 von rund 1.400 Verbindungen müssten annulliert werden, teilte Europas größte Fluggesellschaft am Dienstag mit. Rund 80.000 Passagiere seien betroffen. Mit dem zwölften Pilotenstreik seit April 2014 verhärten sich die Fronten. Als Reaktion auf den 24-stündigen Arbeitskampf der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ließ die Lufthansa für Dienstag geplante Gehaltsverhandlungen platzen. Ein Cockpit-Sprecher warf der Fluggesellschaft im Gegenzug vor, nicht an einem Kompromiss interessiert zu sein. „Sie will gar keine Lösung.“

Die Piloten wollen deutschlandweit die Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa bestreiken. Nicht betroffen sind Flüge der Tochterunternehmen Germanwings und Eurowings. Die Gewerkschaft begründet den Arbeitskampf mit den stockenden Verhandlungen zur Vorruhestandregelung, bei denen in der vergangenen Woche keine Fortschritte erzielt worden seien. Lufthansa-Flugzeugführer konnten bislang mit 55 Jahren aufhören und gehen im Schnitt mit 59 Jahren in Pension. Das Management der Kranich-Airline will dieses Alter auf 61 erhöhen.

Bei der Lufthansa sind derzeit sechs Tarifverträge offen, darunter die Frage der Vergütung, der Altersvorsorge und der sogenannten Übergangsversorgung, die die Frühverrentung der Piloten regelt. Seit April vergangenen Jahres tobt der Arbeitskampf zwischen Management und Piloten, der Schaden durch Streiks betrug 2014 rund 230 Million Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte auf einer Branchenkonferenz in Washington, die Lufthansa komme zunehmend mit den Folgen des Konflikts zurecht.

Dennoch betonte Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens, der jüngste Streikaufruf „entbehrt einmal mehr jeglicher Verhältnismäßigkeit und trifft leider wiederum in erster Linie unsere Kunden“. Der VC-Sprecher warf der Konzernspitze seinerseits vor, sie wolle keine Einigung. Deshalb fordere die Gewerkschaft den Vorstand zu einer Gesamtschlichtung auf, um die einzelnen Konflikte zu lösen. Die Lufthansa hingegen bekräftigte nur ihr Angebot einer Schlichtung zur sogenannten Übergangsversorgung.

Hier fordern die Piloten offiziell die Beibehaltung der alten Frührentenregelung für 5.400 Lufthansa-Flugzeugführer. Hinter den Kulissen tobt aber noch ein weiterer Konflikt. Denn die selbstbewussten Piloten stemmen sich gegen den Ausbau von Lufthansa-Billigfliegern unter der Marke Eurowings auf der Kurz- und Langstrecke. Mit einem Ausbau des Sparpreis-Ablegers will sich die Airline gegen die wachsende Konkurrenz von Billigfliegern wie EasyJet und Ryanair wappnen.

Kommentare

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  1. Sabine Alt sagt:

    Anfang des Jahres war endlich einmal Ruhe und der Kunde konnte seine Flüge nicht nur planen sondern auch erleben. Immerhin sind ein großer Teil der Lufthansa-Kunden Privatpersonen. Und bilde ich mir das jetzt ein oder stehen wir kurz vor den Osterferien und die Streiks fangen wieder an? Zufall?? Sicher, so kann man seinem Arbeitgeber am meisten schaden, da mit mehreren Fluggästen gerechnet werden kann aber am meisten schadet die VC den Kunden, die letztendlich auch den Arbeitsplatz der Piloten rechtfertigen. Um was es in den Tarifverhandlungen tatsächlich gehen soll, können wohl nur die betroffenen Parteien wirklich einschätzen aber klar muss beiden dann auch sein, dass sie zahlreiche Kunden auf Dauer verlieren. Und diesen Imageverlust muss man sich auf beiden Seiten leisten können!!!! Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wird an dieser Stelle seit längerem nicht mehr gewahrt. Kunden haben kein Interesse sich in ihrer Urlaubszeit, immer und immer wieder auf Streiks, lange Wartezeiten, u. U. deutlich höhere Kosten usw. einzustellen. Ich werde jetzt auch ausweichen und lieber Flüge mit Stopps von anderen Fluglinien wählen, anstelle eines Direktfluges der Lufthansa, der vielleicht nie abfliegen wird.