Sanktionen zerstören Vertrauen für neue Geschäftsbeziehungen

Der Einbruch der deutschen Exporte nach Russland ist dramatisch. Doch die Sanktionen infolge der Ukraine-Krise zerstören das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen zwischen deutschen und russischen Unternehmen. Das erschwert den Aufbau neuer Wirtschafsbeziehungen nach der Krise.

Der Ukraine-Konflikt schadet nicht nur den deutschen Firmen vor Ort, sondern aufgrund der Sanktionen und dem ausuferndem Handelskrieg auch den Mittelständlern, die Waren nach Russland exportieren oder dort einen Firmensitz haben. Die Vertrauensbasis für neue Geschäfte wird durch die Sanktionen nachhaltig geschädigt.

Die deutschen Exporte nach Russland sind in 2014 um 20 Prozent eingebrochen. Wichtigste Exportgüter in 2014 waren Maschinen mit einem Anteil von 22,6 Prozent, gefolgt von Kraftwagen und Kraftwagenteile (19,0) sowie chemischen Erzeugnisse (10,0). Der Exportrückgang fiel bei Fahrzeugen mit 27,3 Prozent am stärksten aus. Bei Maschinen schlägt ein Minus von 17,2 zu Buche, bei Chemieprodukten von 5,9 Prozent.

Viel schlimmer als der Einbruch des Warenexports ist jedoch der Verlust des Vertrauens infolge des Sanktions-Wettlaufs. Die über Jahre und Jahrzehnte geknüpften Geschäftskontakte drohen wegzubrechen. Zumindest führen die Handelsbeschränkungen dazu, dass keine neuen Geschäftskontakte entstehen. Was in Deutschland Regeln, Verträge und Vorschriften sind, wird in Russland über Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung geregelt. Nicht selten kommen Geschäfte aufgrund einer Verstehens- und Vertrauensbasis zusammen.

Schätzungen zufolge haben etwa einhundert deutsche Unternehme ihr Niederlassungen in Russland bereits geschlossen. Ihnen wurde die Geschäftsgrundlage entzogen, weil russische Staatsunternehmen nicht beliefert werden dürfen. Einer Umfrage des es Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) zufolge sind in Russland 78 Prozent der Unternehmen vom Ukraine-Konflikt betroffen. 91 Prozent der Unternehmen erwarten auch für 2015 eine negative Geschäftsentwicklung.

Die „Sanktionen treffen den klassischen deutschen Mittelständler mit 100, 150 Angestellten und einem hohen Russland-Anteil“, beschrieb Jens Böhlmann, Mitglied der Geschäftsführung der deutsch-russischen Außenhandelskammer, die Auswirkungen auf die rund 6.000 in Russland tätigen deutschen Firmen. Von der neuen Sanktionswelle seien viele Unternehmen und Branchen betroffen, die bislang noch geschont worden seien. Die meisten Mittelständler in Russland wollen ihre Geschäfte jedoch langfristig weiterführen, berichtet die AHK. In einem Leitfaden fasst sie die Hürden zum Markteintritt für deutsche Mittelständler in Russland zusammen – von Transport und Logistik, Zoll- und Zertifizierung, bis hin zu rechtlichen Fragen der Gründung von Repräsentanzen und Tochterunternehmen.

Unsicherheit besteht vor allem in der Frage, welche Teile von Maschinen noch gehandelt werden dürfen und welche nicht. Besonders problematisch seien die verhängten Export-Beschränkungen für sogenannte Dual-Use-Güter, die für zivile wie für militärische Zwecke verwendet werden können. Hiervon seien zahlreiche Firmen betroffen, denn „am Ende des Tages können sie jede Dichtung, jedes Kugellager genauso gut in eine Maschine einbauen wie in einen Panzer“. Die aus deutscher Sicht am stärksten betroffenen Bereiche seien der Maschinen- und Anlagenbau und die Finanzbranche, sagte Böhlmann.

„Russische Partner haben inzwischen die absurde Situation vor sich, dass die deutschen Firmen keine zuverlässigen Partner mehr sind, weil sie nicht garantieren können, dass sie weiter liefern können, dass sie ihre Service-Leistungen weiter erbringen können.“ Die Folgen seien spürbar: „Die deutschen Unternehmen verlieren in steigendem Umfang Geschäft an chinesische Konkurrenten“, so Böhlmann.

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Ich sagt:

    Die sollen der Regierung auf’s Dach steigen, damit diese Zwangssanktioniernung aufhört.

    Ein weiterer Beweis, dass Wirtschaft nur in Freiheit funktioniert, und dass diese bei uns nicht mehr gegeben ist.

  2. Peter G. sagt:

    Jeder konnte sehen, dass die deutsche Bundeskanzlerin sich mehrfach an die Spitze der Sanktionisten gestellt hat, und das, während andere europäische Staaten sich zurückhielten und die USA ihren Handel mit Russland ausweiteten. So wurde den langjährig gewachsenen russisch-deutschen Beziehungen schwerster, wenn nicht irreparabler Schaden zugefügt.
    Wo hat diese Kanzlerin jemals im Interesse von Deutschland gehandelt? Ihre Umfragewerte sind unverständlich, es sei denn, sie wurden gefaked.