Jeder vierte Mittelständler direkt von Ukraine-Krise betroffen

Die Verunsicherung infolge der Ukraine-Krise hält an. Ein Viertel aller Mittelständler bekommt die Auswirkungen der Krise zu spüren. Besonders betroffen sind Zulieferer der Rüstungsindustrie, High-Tech-Firmen und Maschinenbauer.

Aufgrund des anhaltenden Kriegs in der Ukraine ist auch die Stimmung der Unternehmen in Deutschland verhalten. Gerade einmal 19 Prozent der deutschen Mittelständler rechnen mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage. Das Geschäftsklima hat sich somit gemäß Mittelstandbarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) weiter eingetrübt. Der Anteil der deutschen Unternehmen, die negative Auswirkungen der aktuellen Spannungen mit Russland auf das eigene Geschäft spüren, ist im Vergleich zu Juli letzten Jahres deutlich von 17 auf 26 Prozent gestiegen. Von den Industrieunternehmen sind sogar 32 Prozent betroffen.

„Deutschlands Mittelständler sind massiv verunsichert“, sagt Peter Englisch, Partner EY. „Die vielen weltweiten Krisen erschweren die Planungen. Insbesondere die weitere Entwicklung des Konflikts mit Russland bleibt ungewiss. Das kostet Vertrauen und bremst die Investitionen.“

Für deutsche Exporteure wird die staatliche Absicherung ihrer Ausfuhren nach Russland teurer. Das Wirtschaftsministerium erklärte in Berlin, Hintergrund sei eine geänderte Risikobewertung Russlands durch die Industrieländerorganisation OECD. Bisher rangierte Russland in der Risikokategorie drei von insgesamt sieben Einstufungen. Nun gelte für Russland die riskantere Kategorie vier. Die OECD-Länderkategorie hat Einfluss auf die Höhe des Entgelts, das ein Exporteur für die Übernahme einer Hermes-Exportkreditgarantie entrichten muss.

Besonders betroffen sind Finanzgeschäfte, Rüstungsgüter und Hochtechnologie. Die Sanktionen treffen vor allem den mittelständischen Maschinenbau. Einer Umfrage des VDMA zufolge glaubt die Hälfte aller Maschinenbauer, dass Finanzierungsprobleme das Russland-Geschäft erschwerten. Hinzu kämen Auftragsstornierungen, Verzögerungen beim Import, Zahlungsausfälle wie auch Verzögerungen bei der Exportkontrolle. Zudem herrsche wegen möglicher weiterer Sanktionen gegen Russland eine „extreme” Verunsicherung vor. Viele Maschinenbauer wüssten nicht, ob sie überhaupt noch einen Auftrag aus Russland annehmen sollen. Sie fürchten, dass dieser dann nicht abgewickelt werden könne.

Wegen der schwachen Konjunktur waren die Ausfuhren nach Russland bereits 2013 um 5,2 Prozent gefallen, nachdem sie in den Jahren zuvor um bis zu knapp 31 Prozent jährlich gestiegen waren. Die Zeiten in denen Russland als einer der wichtigsten Absatzmärkte für Deutschland galt, sind vorbei.

In der EU werden ständig neue Vorschläge zur Ausweitung der Sanktionen gegen Russland diskutiert. Bisher hat die EU Einreiseverbote gegen mehr als 100 Personen und Beschränkungen für über 20 Einrichtungen wie Unternehmen ausgesprochen und ihr Vermögen gesperrt.

Deutschlands Unternehmen befürchten bei scharfen Sanktionen gegen Russland den Verlust lukrativer Geschäfte an die Konkurrenz aus Asien. Weitergehende Wirtschaftssanktionen würden „zu einer deutlichen Hinwendung der russischen Wirtschaft und Politik nach Asien, insbesondere nach China, führen”, heißt es in einem Positionspapier der DAK an die Bundesregierung. „Ein solcher Verlust von Marktpositionen europäischer und deutscher Unternehmen würde angesichts schon jetzt schwieriger Marktverhältnisse langfristig und nachhaltig sein.”

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  1. k.eversmeyer sagt:

    Die Überschrift müßte korrekterweise „Jeder vierte Mittelständler direkt von den Sanktionen gegen Russland betroffen“ heißen – aber soviel Wahrheit ist ja mittlerweile politisch unkorrekt.